Dabei dürften keine eigenen Analysen zugrunde liegen, sondern wie üblich die Vorgaben des „Großen Bruders“ aus den USA, um dort den massiven chinesischen und schwächeren russischen Einfluss zu unterbinden. Auch die Aktivitäten der Türkei und Saudi-Arabiens bereiten den Strategen der NATO Kopfzerbrechen.

Mazedonien und Albanien auf der EU-Kandidatenliste

Aus diesem Grunde wird dieser Tage in den Medien die Meldung lanciert, dass nach der Europawahl Mazedonien und Albanien auf einen Start der Verhandlungen über einen EU-Beitritt hoffen dürfen.

Mazedonien wurde zuvor genötigt, sich zukünftig Nordmazedonien zu nennen, um den Namensstreit mit EU- und NATO-Mitglied Griechenland beilegen zu können.

Die Mitgliedschaft in den genannten Organisationen ist weder für die beiden Staaten, noch die für Organisationen von Vorteil, soll aber Moskau und Peking einen Riegel vorschieben, um deren Zugriff auf die Adria zu verhindern.

Der zuständige Kommissar Hahn sagte daher auch: “Nur mit einer glaubwürdigen Politik wird es gelingen, den Reformprozess am Westbalkan voranzutreiben und unseren Einfluss in der Region zu bewahren“.

Was immer man in der Kommission, die unter einem Defizit der demokratischen Legitimation leidet, unter einer „glaubwürdigen Politik“ versteht, sei dahingestellt - aber ein Blick auf Bulgarien lässt doch jegliche Luftballons platzen, bezüglich der angeblichen positiven Effekte einer solchen Vollmitgliedschaft.

Bulgarien als warnendes Beispiel

Die Länder entvölkern sich, verlieren ihre aktiven Bevölkerungselemente und darben im besten Fall als Touristenziel oder Billiglohnland an der Peripherie der EU.

Eine eigene ökonomische Dynamik, die diesen Namen auch verdient, ist für diese Beitrittskandidaten in Brüssel nicht vorgesehen.

NATO und EU sind sich aber im Klaren darüber, dass aus dem Zerfallsprozess Jugoslawiens - unter aktiver Mithilfe des Westens - Staaten entstanden sind, die nicht überlebensfähig sind, was sowohl für Skopje, Tirana, aber auch Podgorica gilt. Vom Kosovo und Absurdistan, wie man die Bosnisch-Kroatische Föderation zu nennen pflegt, ganz zu schweigen.

Die „Gespenster des Balkans“ bleiben aktiv und die Verführungskraft für Avancen Pekings und Moskaus, deren ehrgeizige Infrastrukturprojekte und Zugänge zu den riesigen eurasischen Märkten, steigt unaufhörlich.

EU ohne geopolitische Perspektive

Ob der Griff Brüssels in diese Region - auf Geheiß der USA - die richtige Antwort ist, bleibt fraglich, da innerhalb der EU die Begeisterung für die Staatengemeinschaft massiv abgenommen hat, was sich durch die Aufnahme instabiler und verarmter Staaten eher verstärken würde.

Die Staaten des Westbalkans benötigen eine Perspektive die den ethnokulturellen und vor allem geopolitischen Realitäten entspricht, dann würde die geographische Lage Mazedoniens und Albaniens, als Übergang zwischen Adria, Schwarzem Meer und Ägäischem Meer, zwischen Mitteleuropa und Vorderasien, im neuen Glanz erstrahlen.

Dazu muss Europa aber eine Strategie entwickeln, die sich auf historische, wie auf neue Erfahrungen stützt, und nicht der schnellen Rendite von globalen Unternehmen und Geschäftsleuten im Weißen Haus.

Merkel und Macron laden zum Gipfel – kam ihnen der chinesische Ministerpräsident zuvor?

Am 29. April 2019 werden deshalb die Staats- und Regierungschefs der sechs Westbalkan-Staaten sowie der EU-Staaten Kroatien und Slowenien im Kanzleramt zum Dinner mit der deutschen Regierungschefin und dem französischen Präsidenten erwartet. Merkel und Macron hoffen, das geostrategische Ringen um Einfluss und Macht im Südosten der EU zu ihren Gunsten zu entscheiden.

Möglicherweise kommen sie zu spät, denn In der vergangenen Woche hielt Chinas Ministerpräsident Li Keqiang in Dubrovnik Hof für 16 ost- und südosteuropäische Staaten. Was dort beschlossen wurde, ist noch nicht bekannt.

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