Im meinem gestrigen Bericht Janet Yellen – Das Unschuldslamm hatte ich Sie darauf aufmerksam gemacht, wie Ex-Fed-Chefin Janet Yellen sich die eigenen Hände in Unschuld wäscht, um andere für die durch sie selbst mitverursachte Krise an den Finanzmärkten und in der Wirtschaft verantwortlich zu machen.

Es ist eine erschreckende Gleichgültigkeit und Ignoranz, der sich Janet Yellen bedient, um die zentrale Rolle der Fed auszublenden, die dieses Verhalten unter Investoren und Firmen in einem Zeitraum von vielen Jahren überhaupt erst möglich gemacht hat.

Die weltweiten Ungleichgewichte, die sich in diesem Zuge aufgebaut haben, suchen ihresgleichen. Doch eben jene Ungleichgewichte streben nun danach, wieder in einen Ausgleich gebracht zu werden, was die Fed dazu veranlasst, alles Erdenkliche auf dem geldpolitischen Gebiet zu unternehmen, um einer realen Preisfindung noch immer entgegenzuwirken.

Das Narrativ, dem sich Janet Yellen, Bernanke und andere Elfenbeinturm-Akademiker wie Paul Krugman bedienen, scheut nicht einmal davor zurück zu behaupten, dass die immense Verschuldungsorgie im Unternehmenssektor (hauptsächlich zum Zweck eines Rückkaufs von eigenen Aktien) so enorme Risiken aus Sicht der Wirtschaft kreiert habe, um eine Erholung nach Überwinden des Höhepunkts der aktuellen Krise maximal zu erschweren.

Nochmals sei gesagt, dass die Fed sich über viele Jahre mittels ihrer eigenen Geldpolitik als Steigbügelhalter zugunsten einer solchen Entwicklung erwiesen hat und sich noch immer erweist. Es ist nicht schwierig sich auszumalen, welche Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft über die nächsten Monate bevorstehen wird.

Die großen Ratingagenturen nehmen im Tages- und Wochentakt teils massive Abstufungen der Kreditwürdigkeit im Unternehmenssektor vor, wodurch unter aller Voraussicht eine Welle von Zahlungsausfällen ausgelöst wird. Selbst hoch verschuldete Unternehmen, die sich dazu in der Lage sehen werden, einen Zahlungsausfall zu vermeiden, nehmen meist tiefe Einschnitte in Bezug auf ihre zukünftigen Investitionen und Arbeitskräfterekrutierungen vor.

Wie über den Verlauf der letzten Jahre berichtet, erwiesen sich die CAPEX-Investitionen in den USA im historischen Vergleich bereits als unterdurchschnittlich. Auch hierin spiegelt sich die Transformation einer Produktionswirtschaft hin zu einer Wirtschaft, die – wie in den USA – durch einen übergroßen Finanzsektor repräsentiert wird.

Inzwischen repräsentiert dieser Sektor einen Anteil von gut 40 Prozent in Relation zur ökonomischen Leistung der Vereinigten Staaten. Auf der einen Seite sehen wir volle Konzentration auf einen maximalen Ausbau des Financial Engineering, der das Land in eine Situation gebracht hat, wichtige Ausrüstungsgüter nicht mehr selbst herstellen zu können.

Die Coronavirus-Krise deckt diese bestehenden Unzulänglichkeiten gnadenlos auf. Wie soll eine Nation wie die USA langfristig wirtschaftlich führend in der Welt bleiben, wenn die gesamte Wirtschaft auf Financial Engineering aufgebaut ist, was dem Spekulantentum bei Licht besehen Vorrang vor echten, produktiven und aus Sicht der Allgemeinheit dienlichen Wirtschaftsaktivitäten einräumt?!!

Auf der anderen Seite dann die sogenannte „Mc-Industrie“, die es gerne noch gesehen hätte, dass rekrutierte Arbeitskräfte selbst dafür bezahlen, um bei einem Unternehmen arbeiten „zu dürfen“. Den hieraus resultierenden Kaufkraftverlust und den immerwährenden Drang, sich noch stärker verschulden zu müssen, um monatlich über die Runden zu kommen, hatte ich hinlänglich skizziert und beschrieben.

Dass es im Jahr 2008 zu einer sehr harten Rezession in den USA gekommen wäre, wenn sich die Fed zurückgehalten und krisenverursachende Banken und Unternehmen auf geordnete Weise abgewickelt hätte, steht außer Frage. Doch indem diesen Krisenverursachern im Zuge der globalen Finanzkrise ein Mega-Bailout zuteil wurde, um danach so weiter zu machen wie zuvor, hat nun direkt in die aktuelle Krise – und somit eine sich abzeichnende Depression – geführt.

Dass Protagonisten wie Ben Bernanke, Janet Yellen oder Paul Krugman, die Apologeten des immerwährenden Geldgedruckes, hierfür keine Verantwortung übernehmen möchten, um mit dem Finger auf alle anderen zu zeigen, war auch stets vorhersehbar. Empfehlen würde es sich, eine gerichtliche Klage gegen diese Protagonisten aufgrund von Beihilfe zur Zerstörung der Wirtschaft in den USA einzureichen.

Wir sind inzwischen an einem Punkt, an dem den geldpolitischen Rezepten dieser Damen und Herren nicht mehr allzu viel Vertrauen entgegengebracht wird. Dass Yellens unerträgliches Gerede vielerorts anders gesehen wird, zeigen beispielsweise Ausführungen von Mike Wilson in Diensten von Morgan Stanley.

In der letzten Woche teilte Wilson mit, warum die Blase an den Unternehmensbondmärkten, die laut Einschätzung bei Morgan Stanley über den Verlauf der nächsten Wochen und Monate in die größte Zahlungsausfallwelle seit vielen Jahrzehnten mutieren wird, in Folge der Fed-Maßnahmen zu platzen droht:

Wir haben in der Historie niemals eine derart hohen Verschuldungsgrad im Firmensektor gesehen. Ein großer Teil dieser Schuldenaufnahme wurde möglich, weil die Kreditmärkte sich gegenüber Emittenten selten auf eine solch großzügige Weise verhalten haben. Es handelt sich um eine direkte Auswirkung aus der Ära der finanziellen Repression, die durch Noten- und Zentralbanken während und nach der globalen Finanzkrise orchestriert wurde.“

Anders ausgedrückt bedeutet das, dass die anormalen und durch Zentralbanken artifiziell herbeigeführten Geringverschuldungskosten viele Unternehmen dazu ermutigt haben, sich bis über beide Ohren zu verschulden, um diese Verschuldungsorgie dazu zu nutzen, die eigene Gewinnentwicklung im Angesicht einer unterdurchschnittlichen Wirtschaftserholung zu befeuern.

Ein großer Anteil dieser auf Financial Engineering basierenden Maßnahmen ist mittels eines Rückkaufs von eigenen Aktien umgesetzt worden. Unternehmen, welche die Anzahl der ausstehenden Aktien durch eigene Rückkäufe verknappen, sahen sich in der Folge dazu in der Lage, einen höheren Gewinn pro Aktie auszuweisen.

Nun, da die Mitglieder des US-Kongresses das größte Fiskalstimulierungspaket in der Historie der Vereinigten Staaten verabschiedet haben – ein Großteil dieser über zwei Billionen US-Dollar wird mittels einer Monetisierung der nun durch das US-Finanzministerium zu emittierenden und seitens der Fed anzukaufenden Staatsanleihen vereinnahmt – äußern die Kongressabgeordneten Kritik an Aktienrückkäufen und Dividenden.

Wichtig ist es zwischen einem niedrigen und einem negativen Wachstum zu unterscheiden. Selbst wenn wir noch nicht offiziell über eine Depression sprechen wollten, obwohl aktuelle Prognosen auf einen Einbruch der amerikanischen Wirtschaft in Q2 von zwischen zwanzig und 40 Prozent hindeuten, so handelt es sich nun jedoch mit Gewissheit um eine schwere Rezession.

Investoren an den Unternehmensbondmärkten wissen, dass sich die Zahlungsausfallrisiken unter Emittenten massiv erhöht haben. Aus diesem Blickwinkel verwundert es nicht, dass sich die Zinsdifferenzen über die vergangenen Monate teils deutlich ausgeweitet haben – und zwar schon vor dem Ausbruch der Coronavirus-Krise. Ich erinnere hier nur an die Lage hinsichtlich der seit Herbst letzten Jahres vorherrschenden Bedingungen an den Repo- und Geldmärkten.

Der Dreikampf zwischen Saudi-Arabien, Russland und den USA an den Ölmärkten, und der damit einhergehende Kollaps der Ölpreise, hat die allgemeine Lage weiter verschlimmert. Denn ein guter Teil der an den Unternehmenskreditmärkten aufziehenden Turbulenzen lassen sich auch ganz klar auf diesen Faktor zurückführen.

Die meisten Beobachter werden mit mir übereinstimmen, wenn ich behaupte, dass die Kreditmärkte aus Perspektive einer funktionstüchtigen Wirtschaft wichtiger erscheinen als die Aktienmärkte.

So hart der Aufschlag an den Aktienmärkten im vergangenen und im laufenden Monat auch gewesen sein mag, so lässt sich feststellen, dass die Probleme und Verluste an den Kreditmärkten auf einer an die vorherrschenden Risiken angepassten Basis noch größer ausfallen.

Nach wie vor gehen von den Kreditmärkten trotz des inzwischen durch die Fed abermals verabschiedeten Buchstabensalats an verschiedensten Programmen zum Ankauf von allen möglichen Papieren Signale aus, die darauf hindeuten, dass in diesem Segment massive und weiterhin teils ungelöste Probleme existieren.

Trotz der technischen Gegenrallye an den Aktienmärkten sind die Junkbondmärkte in der vergangenen Woche gesunken und haben diesen Run nicht mitvollzogen. Dass Junkbonds im Angesicht einer Rezession unter die Räder kommen, lässt sich leichterdings nachvollziehen. Doch noch bedenklicher sollte die Tatsache stimmen, dass der qualitativ hochwertige Kredit- und Darlehensbereich, somit also Unternehmen, die sich angeblich gut durchfinanziert sehen, ebenfalls zurückbleiben.

„Was heißt das für mich konkret!?“

Von den Kreditmärkten gehen Signale aus, dass irgendetwas „Schlechtes“ hinter den Kulissen des globalen Finanzsystems abläuft. Anstatt nur auf die Aktienmärkte zu blicken, sollte die Entwicklung an den Kreditmärkten sehr aufmerksam im Auge behalten werden, denn die Kreditmärkte liegen im Vergleich fast immer richtig.

Und während Janet Yellens (Un-)Fähigkeit, die Zukunft vorauszusagen nun Kern der an der Wall Street umgehenden Witze ist, bleibt zu hoffen, dass Historiker einen ungetrübten Blick auf Schurken(innen) wie Bernanke, Yellen und Krugman werfen werden, um diese Personen mit verantwortlich für den Ausbruch einer potenziellen Wirtschaftsdepression zu machen.