Während auf dem Davoser Weltwirtschaftsforum übermäßig starke Bedenken über den potenziellen Ausbruch einer Rezession und ein Mangel an „Strategien“, mittels denen auf eine solche Entwicklung reagiert werden soll, diskutiert wird, kommt es hier und da auch einmal zu recht interessanten Aussagen zur aktuellen Beschaffenheit der Finanzmärkte.

Die Risiken wurden verlagert

So teilte Barclays-Chef Jes Staley mit, dass der Ausbruch einer neuen Finanzkrise „mehr als wahrscheinlich“ sei. Selbstverständlich wurde Staley daraufhin gefragt, ob die Banken ein weiteres Mal als Auslöser für eine solche Krise fungieren könnten. Laut Staleys Antwort werde dies unter aller Voraussicht diesmal nicht der Fall sein.

Vielmehr müsse damit gerechnet werden, dass das auslösende Schockerlebnis das nächste Mal von den Kreditmärkten ausgehen wird. Wir sind für diese Aussage dankbar, denn Jes Staley bestätigt damit exakt unsere über den Verlauf der letzten Jahre angestellten Vermutungen.

Ich hatte Sie in der Vergangenheit wiederholt auf den wieder angefachten Verbriefungswahn an den Finanzmärkten aufmerksam gemacht, in diesem Zusammenhang insbesondere auf den Sektor der so genannten Collateral Loan Obligations (CLOs). Vielleicht teilt Jes Staley auch deshalb seine Bedenken, weil die Bank Barclays durch ein Einfrieren der Kreditmärkte mit am stärksten unter allen Wettbewerbern in Mitleidenschaft gezogen würde.

No-Deal gefährlich, Banken besser gerüstet

Seitdem Banken nach Ausbruch der letzten Finanzkrise damit begonnen hatten, ihre Bilanzbücher zu schrumpfen – teils in dramatischem Ausmaß – haben sich die Risiken größtenteils in Richtung der Kreditmärkte verlagert. Staley machte in einem Bloomberg-Interview in Davos noch einen weiteren Faktor aus, der eine neue Finanzkrise auslösen könnte.

Hierbei handele es sich um einen harten Brexit, somit also ein Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union ohne vertragliche Grundlage. Ansonsten hält Staley das globale Bankensystem für weitaus besser für eine neue Finanzkrise gerüstet als damals in den Jahren 2006 bis 2009.

Anstelle als Auslöser einer solchen Krise zu fungieren, könnten sich Banken beim nächsten Mal gar als Abfederungspuffer erweisen, so Staley. Jes Staley sprach sodann die potenziellen Probleme im CLO-Bereich auch direkt an. Der Kreditfluss in CLOs sei im vergangenen Jahr astronomisch gewesen.

Erste Warnzeichen an den Junkbond-Märkten

Allein in den Vereinigten Staaten sei es im Gesamtjahr 2018 zu einer Neuemission von rekordhohen $131 Milliarden im CLO-Bereich gekommen. Mittels CLOs werden Junk- und Hochzinskredite verbrieft, deren einzelne Tranchen für gewöhnlich mit verschiedenen Risikoklassen bestückt werden.

Die Bank Barclays zählt weltweit mit zu den größten Emittenten von CLOs. Allein im Jahr 2018 zeichnete Barclays sich für eine Neuemission von CLOs in einem Gegenwert von $8,7 Milliarden verantwortlich. Hierin mag sich der Grund finden, weswegen Staley die aktuelle Entwicklung an den internationalen Kreditmärkten aufmerksam zu verfolgen scheint. Im Monat Dezember sei es zu ersten Warnzeichen an den Hochzinsanleihemärkten gekommen, so Staley.

Denn im vergangenen Monat sei die Emission von Hochzinsanleihen fast zum Erliegen gekommen. Hieraus resultiere kein gutes Omen für Unternehmen, die kurz davor stünden, ihre ausstehenden Schulden rollieren zu müssen. Falls diese Situation ins erste Quartal hinein anhalten sollte, könnte sich allein hieraus ein potenzieller Schock an den Kreditmärkten ableiten, wie sich Staley überzeugt zeigte.

Staatsverschuldungen dank Niedrigzins als weiterer Pferdefuß

Gleichzeitig warnte der Barclays-Chef vor einer extrem hohen Verschuldung in den Staatsbilanzen, was eigentlich nur im Angesicht von historisch rekordniedrigen Zinsen möglich gewesen sei.