Russland, China, Pakistan, Iran und die Türkei als Achse in Asien

Die internationalen Berichte mehren sich, laut denen es Hinweise auf eine sich auf dem Eurasischen Kontinent neuformierende „Achse“ gäbe. Gebildet werde diese Achse neben der Volksrepublik China auch durch die Russische Föderation, den Iran, Pakistan und die Türkei.

Aufmerksamkeit erregte in diesem Zusammenhang kürzlich eine Twitter-Botschaft des russischen Verteidigungsanalysten Michail Boris, in der es hieß, dass eine Herausbildung der oben erwähnten Achse allein schon aufgrund der politischen Strategie des indischen Premiers Narendra Modi unausweichlich sei.

Indien in der Region zunehmend isoliert

Indien, das jüngst erst einen Wirtschafts- und Verteidigungspakt mit Australien geschlossen hatte und als Allianzpartner der Vereinigten Staaten im Raum des Indischen Ozeans gilt, blicke mehr und mehr einer Isolierung in Bezug auf dessen unmittelbare Nachbarstaaten in der Region ins Auge.

Michail Boris schrieb hierzu ferner, dass die rassistischen Polit-Leitlinien Narendra Modis den aufgezählten Achsenstaaten keine andere Wahl ließen als sich untereinander zu verbünden, weshalb der Subkontinent in der Region ziemlich allein und isoliert auf weiter Flur stünde.

Pakistan erstarkt täglich & Türkei wendet sich immer weiter gen Osten

Indiens Langzeitrivale Pakistan gewönne zudem mit jedem Tag an Stärke, während China alles Erdenkliche unternehmen werde, um seine Partner in der Region – angespielt wurde hier wohl auf das Projekt der Neuen Seidenstraße – zu unterstützen. Narendra Modi, so Michail Boris, scheine nicht zu erkennen, dass dessen Politik dazu geführt habe, China, Russland und Pakistan sich gegenseitig in die Arme zu treiben.

Erweitert man diesen Kreis um den Iran und die Türkei, so zeigt sich, dass diese sich neu herausbildende Länderachse auf dem Eurasischen Kontinent einiges an Brisanz aufweist. Denn aus Sicht der Türkei handelt es sich (noch) um einen Partnerstaat der NATO, dessen Regierung sich jedoch immer stärker nach Osten auszurichten scheint.

Ausscheiden der Türkei aus der NATO hinterließe ein geostrategisches „Loch“

Als Brückenkopf in Kleinasien erweist sich die Türkei als einer der strategisch wichtigsten NATO-Partnerländer, dessen mögliches Ausscheiden aus dem Verbund ein geographisches Loch zustande kommen lassen würde.

Wer in diesen Tagen die Vorgänge im östlichen Mittelmeer um Gasbohrungen beobachtet, stellt sich die Frage, wann es so richtig zwischen den NATO-Partnern Türkei auf der einen sowie Griechenland und Frankreich auf der anderen Seite krachen könnte.

Die aktuelle Lage im nordafrikanischen Bürgerkriegsland Libyen, die sich zuletzt wieder ein wenig beruhigt hat, soll in der Betrachtung heute außen vorgelassen werden. Doch vielleicht wird es zumindest an dieser Front nun zu einem erhöhten Grad der Einigkeit zwischen der Türkei und Russland kommen, um sich generell untereinander stärker anzunähern.

Iranischer Botschafter bringt Fünf-Länder-Achse erstmalig auf den Tisch

Interessant ist, dass die Fünf-Länder-Achse erstmals durch einen iranischen Offiziellen ins Spiel gebracht und vorgeschlagen worden ist. Mittels einer sich intensivierenden Kooperation und Zusammenarbeit zwischen den genannten Ländern sollen die in den jeweiligen Regionen herrschenden Konflikte einer Lösung zugeführt werden.

Der iranische Botschafter in Pakistan, Seyyed Mohammad Ali Hosseini, nahm jüngst Bezug auf Aussagen des in Pakistans Hauptstadt Islamabad ansässigen Strategic Studies Institute (ISSI), laut denen Länder wie der Iran, Pakistan, die Türkei, Russland und China Potenzial zur Bildung einer neuen Allianz auf dem Eurasischen Kontinent aufwiesen.

Darüber hinaus würde eine solche Allianz auch die Wirtschaften der beteiligten Nationen nachhaltig stärken. Interessant sind derartige Vorschläge ganz gewiss, wenn bedacht wird, dass es vor Kurzem als noch nahezu unvorstellbar anmutete, eine Partnerschaft oder gar Allianz zwischen dem schiitisch geprägten Iran und den sunnitisch geprägten Nationen der Türkei und Pakistan auch nur in Erwägung zu ziehen.

Bisher unvorstellbare Kooperationen

In weiterem Sinne müsste bedacht werden, dass sich in einem solchen Fall auch das alavitische Regime von Baschar al-Assad in Damaskus irgendwann in eine solche Achse einpassen oder eingebunden werden müsste, ganz abgesehen vom Irak und dem Libanon.

Es fiel bis vor Kurzem äußerst schwer, sich so etwas vorzustellen, wenn beispielsweise der an pakistanischen Medressen vermittelte und dem Radikalismus zuneigende Deobandismus Berücksichtigung findet.

Auf welche Weise verträgt sich diese Weltanschauung mit dem im Iran vorherrschenden schiitischen Glauben oder der in Syrien die Macht in Händen haltenden Alaviten, nicht zu verwechseln mit der türkischen Minderheit der Aleviten, auch Kizilbas oder Rotmützen genannt, die in Teilen der Umma als Ketzer vom rechten Glauben gebrandmarkt werden?

Interregierungsrat soll wirtschaftliche Aktivitäten aller Beteiligten fördern

Wie dem auch sei, laut Hosseini könne die Einrichtung eines politischen und ökonomischen Interregierungsrats zwischen dem Iran, Pakistan und der Türkei dabei helfen, eine partnerschaftliche Allianz zwischen diesen Nationen zu verwirklichen. Auch aus Blick der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung wäre dies förderlich für jede der drei Nationen.

Neben einer verstärkten Koordinierung der wirtschaftlichen Aktivitäten zwischen den Allianz-Nationen sollten auf diese Weise auch die gegenseitigen Investitionen und der jeweils grenzübergreifende Handel ausgeweitet werden. Handelsbeschränkungen sollten zwischen den potenziellen Partnernationen gar sukzessive abgebaut werden, so Hosseini weiter.

Diplomatische Beziehungen zu China scheinen wichtiger zu werden

Eine wachsende Anzahl von Nationen lege zudem ein Augenmerk auf sich verbessernde diplomatische Beziehungen mit der Volksrepublik China. Grund hierfür seien insbesondere die willkürlich durch die Vereinigten Staaten verhängten Sanktionen gegen die Russische Föderation und den Iran. Die Währungen beider Länder stünden unter diesem Einfluss.

Die Vereinigten Staaten hatten vor Kurzem ebenfalls öffentlich erklärt, Pakistan für eine Beheimatung von durch die Vereinten Nationen als Terrorgruppen bezeichneten Organisationen zur Verantwortung ziehen zu wollen. Das politische Band, das die Türkei und die Vereinigten Staaten verbindet, scheint indes nur noch auf jeweiliger Mitgliedschaft in der NATO zu beruhen.

Schon seit einiger Zeit erweckt es den Eindruck, als ob die Türkei politisch, in Sachen der Verteidigung (Kauf von S-400 aus Russland) und auch wirtschaftlich immer stärker von den USA wegdriften würde. Aus türkischer Sicht stellt sich zudem die Frage, ob das Militär des Landes sich angesichts einer ungehemmten Welle der Re-Islamisierung überhaupt noch dazu in der Lage sieht, auch weiterhin als „Bewahrer“ des einst durch Atatürk verordneten Laizismus zu fungieren.

Infrastrukturelle Synergien zwischen Pakistan und Iran

Laut Hosseini werde sich die Bildung einer Fünf-Nationen-Achse wirtschaftlich als ungemein vorteilhaft für Pakistan und seinen Seehafen Gwadar wie auch den Iran mit seinem Hafen Chabahar erweisen, da diese beiden Häfen sich in der Zukunft ergänzen würden. Zudem sei der Bau einer neuen Eisenbahnlinie zwischen Gwadar und Chabahar geplant.

„Was heißt das für mich konkret!?“

Es wäre schon eine beachtenswerte Entwicklung, falls sich die in der Vergangenheit in vielerlei Bereichen voneinander abweichenden Interessen und Grundausrichtungen der an einer Fünf-Nationen-Achse ins Spiel gebrachten Länder plötzlich zu einem Ausgleich und unter einen gemeinsamen Hut bringen lassen würden.

Doch wer die Dinge aus Perspektive des aktuell vonstattengehenden Ausgleichs zwischen Israel auf der einen sowie Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten auf der anderen Seite betrachtet, wird nicht umhin kommen, als eben jene Entwicklungen unter den Begriff der „Realpolitik“ einzureihen, die angesichts einer sich verändernden und bipolarer (ich verzichte an dieser Stelle auf den Begriff der Multipolarität) werdenden Welt plötzlich und wie aus dem Nichts heraus greif- und umsetzbarer geworden zu sein scheinen.

In der europäischen Westpresse geht momentan fast unter, dass US-Präsident Donald Trump für seine Vermittlungen im Übrigen die zweite Nominierung zur Vergabe des Friedensnobelpreises erhalten hat, während die Demokraten in Form von Nancy Pelosi diese Entwicklung lediglich als Ablenkung von den in den USA durch Covid-19 verursachten Problemen betrachten.

Zu Frau Pelosi lässt sich sagen, dass es inzwischen Online-Petitionen gibt, die zahlreichen Zulauf erhalten, um die Sprecherin des Repräsentantenhauses für ihre "Friseursalon-Einlage" in San Francisco und einem damit einhergehenden Verstoß gegen bestehende Covid-Restriktionen vor Gericht zu bringen (HIER und HIER).

Diese Zusammenfassung für CK*Wirtschaftsfacts basiert auf Berichten auf der Seite des Finanzblogs Zerohedge sowie Insider Paper, die inhaltlich durch Roman Baudzus ergänzt wurden.