Die inzwischen mit einem hohen Grad an Verbitterung geführten Debatten über die Effizienz und Wirksamkeit der Covid-19-Vakzine sowie des Nutzens und / oder der Sinnlosigkeit einer Verhängung von Lockdowns drohen in diesen Tagen nicht nur in Deutschland, sondern vor allem auch in der südlichen Nachbarnation Österreich völlig aus dem Ruder zu laufen.

Bei einer Durchimpfungsquote der österreichischen Bevölkerung zu einem Grad von aktuell etwa 65 Prozent geht die Anzahl der positiv auf Corona getesteten Österreicher in den Herbstmonaten sprichwörtlich durch die Decke.

 

 

Zwar gilt für ungeimpfte Bürger des Landes nun seit Wochenbeginn eine Art Hausarrest oder ein speziell auf diese Personengruppe zugeschnittener Lockdown, da nicht geimpfte Österreicher ihr Haus nur noch im Fall von Einkäufen, kurzen Spaziergängen oder nur dann, wenn sie sich auf dem Weg zum Arbeitsplatz und wieder zurück befinden, verlassen dürfen.

Diese Maßnahme hat erwartungsgemäß nichts daran geändert, dass über die letzten Tage neue Rekordzahlen unter positiv auf Corona getesteten Bürgern des Landes vermeldet worden sind.

Und wie sollte es auch anders sein, da seit vielen Monaten bereits feststeht, dass Geimpfte das Coronavirus nicht nur selbst weitergeben, heißt also, die Transmissionskette nach oder durch eine Covid-Impfung nicht unterbrochen wird, sondern darüber hinaus – entgegen allen vorherigen Bekundungen – selbst unter einem schweren Krankheitsverlauf bis hin zu einem Aufenthalt auf der Intensivstation nach einer Infektion leiden könnten. Hierzu die Irish Times vom 10. September 2021: 54 % of hospital patients with virus are fully vaccinated (54 % der Covid-Patienten in Krankenhäusern sind voll geimpft).

Während der österreichische Bundeskanzler Schallenberg die Ankündigung zur Verhängung eines Lockdowns für Ungeimpfte als eine „Abrechnung mit den Uneinsichtigen“ bezeichnete, lässt sich außerhalb dieser auf politischer Ebene weit verbreiteten Illusionsblase beobachten, dass die zugrundeliegende Realität anders aussieht und aus diesem Grund nicht dazu angetan ist, selbst empfundenen Hass über Teilen der eigenen Bevölkerung auszuschütten.

Ein solches Verhalten ist nicht zielführend, sondern lässt vielmehr entweder auf eine heillose Überforderung mit der Situation oder gar Böswilligkeit schließen, wodurch der Widerstand und der Grad des Misstrauens unter der hiervon betroffenen Gesellschaftsgruppe nur noch weiter verstärkt werden.

Während epidemiologische Top-Berater von Regierungen, wie im nachfolgenden Fall Christian Drosten von der Berliner Charité, vollkommen offen aussprechen, was die meisten Politiker nicht hören möchten, verbarrikadieren sich hochrangige Regierungsmitglieder nach wie vor hinter der Aussage, dass die Ungeimpften die Treiber der Pandemie seien und aus diesem Grund für die aktuellen Zustände verantwortlich zeichneten.

 

 

Anstatt eigenes Versagen zuzugeben und eine immer misstrauischere Bevölkerung durch eine offene und transparente Kommunikation in die aktuellen Geschehnisse mit einzubinden, ist eine bestimmte Bevölkerungsgruppe, nämlich die Ungeimpften, durch die Politik zu einem Sündenbock degradiert worden, wodurch der Grad der gesellschaftlichen Spaltung auf eine höchst unerträgliche Weise forciert wird.

Auch der deutsche Virologe Alexander Kekulé warnte zu Wochenbeginn im Rahmen eines Interviews gegenüber dem deutschen Sender n-tv.de davor, dass 2G Teil des Problems, jedoch nicht dessen Lösung sei.

 

 

Wie dem auch sei, um auf die aktuelle Situation in Österreich zurückzukommen, welche sich weitläufig mit jenen zu beobachtenden Geschehnissen in Deutschland deckt, sei gesagt, dass die Anzahl der positiv auf Corona getesteten Österreicher laut Daten von Mittwoch bei über 14.000 gelegen hat.

Wer diese Zahlen mit jenen registrierten Daten vor exakt einem Jahr vergleicht, als noch niemand gegen Covid-19 im Land geimpft gewesen ist, stellt fest, dass die Zahlen vor einem Jahr unterhalb von zehntausend Personen gelegen hatte, die zu diesem Zeitpunkt positiv auf Corona getestet wurden (siehe Grafik 1 am Beginn dieses Berichts).

In den vergangenen Tagen veröffentlichte Bilder und Videos zeigen, wie die Gesellschaft mit Blick auf die Gesellschaftsgruppe der Ungeimpften, deren Zahl aktuell bei rund zwei Millionen liegt, durch Polizei und Sicherheitskräfte in Österreich kontrolliert wird.

In einigen dieser Videos lässt sich unter anderem beobachten, wie Polizeikräfte in den Straßen von Innenstädten, insbesondere der Hauptstadt Wien, patrouillieren, um Bürger auf der Straße oder nach einem Verlassen von Geschäften wahllos anzuhalten, um sie in diesem Zuge nach einer Vorlage von ihren persönlichen Impfstatuten zu ersuchen.

 

 

Wer als Ungeimpfter angetroffen wird, blickt der Zahlung einer Strafe in Höhe von zwischen fünfhundert bis 1.500 Euro entgegen. Trotz allem haben diese Zustände nichts daran geändert, dass die österreichischen Hospitäler und Krankenhäuser über den Verlauf der letzten Tage vor einer Überlastung der eigenen Kapazitäten gewarnt haben, wie Reuters berichtet.

Danach sei die Situation in zwei österreichischen Bundesländern, nämlich Oberösterreich und Salzburg, zurzeit am schlimmsten. Aus dem Bundesland Salzburg hieß es vorgestern, sich auf Triage-Situationen vorzubereiten.

Es würde dann zu einer persönliche Auswahl kommen, wer unter den Patienten weiter mit lebenserhaltenden Maßnahmen versorgt wird und wer nicht, wenn die vorhandenen Bettenkapazitäten auf Intensivstationen erreicht oder überschritten werden sollten, was zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht der Fall sei.

Wie die Tageszeitung Die Zeit soeben unter der Überschrift Lockdown und Impfpflicht: Österreichs Versagen berichtet, habe die Wiener Regierung nach einem Lockdown für Ungeimpfte nun tatsächlich wieder die Verhängung eines mindestens zehn Tage lang anhaltenden Voll-Lockdowns, heißt also auch für geimpfte Bürger, samt einer allgemeinen Impfpflicht angekündigt.

Danach müssten sich alle Österreicher bis spätestens zum 01. Februar gegen Covid-19 (mittels der aktuell zur Verfügung stehenden Vakzine) impfen lassen, was unter Berücksichtigung des rasanten Rückgangs des damit verbundenen „Impfschutzes“ und zuletzt getätigten Aussagen des BioNTech-Gründers Ugur Sahin, wonach es ab Mitte 2022 unter aller Voraussicht zu einer Entwicklung von völlig neuen Impfstoffen auf diesem Gebiet kommen müsse, sonderbar anmutet. Abschließend noch einmal zur Verdeutlichung:

NEUE Covid-19-Vakzine werden bis Mitte des Jahres 2022 notwendig, um die „nächste Generation“ von Virus-Mutationen zu bekämpfen, wie BioNTech-CEO ausführt.

Ein neues Vakzin, welches „maßgeschneidert“ ist, um wahrscheinlich zukünftig auftretende Mutationen des Coronavirus zu bekämpfen werde nötig, wie BioNTech-CEO Ugur Sahin in einem Interview gegenüber der Financial Times ausführte.

Corona-Mutationen wie die Delta-Variante seien ansteckender, ließen sich allerdings mittels Auffrischungsimpfungen unter Nutzung von aktuell zur Verfügung stehenden Impfstoffen in den Griff bekommen, so Sahin.

Nichtsdestotrotz werde es zu einer Bildung von Mutationen kommen, die sich einem durch Vakzinierungen gebildeten Immunschutz zu entziehen in der Lage sein werden. Im noch laufenden Jahr sei es unnötig, ein komplett neues und – zu den bisherigen Impfstoffen – unterschiedliches Vakzin auf den Markt zu bringen.

Doch Mitte nächsten Jahres könnte die Situation anders aussehen. Bis dahin würden „maßgeschneiderte“ Versionen von aktuell bestehenden Impfstoffen benötigt, welche dazu in der Lage seien, neue Virenstränge und Mutationen auf spezifische und gezielte Weise zu adressieren. Das Virus wird weiter umgehen und unter uns bleiben, und es wird sich weiter anpassen, so Sahin.

„Was heißt das für mich konkret!?“

Hieß es zu Jahresbeginn vielerorts noch, dass sich die Impfstoffe als „Game-Changer“ im Hinblick auf eine Kontrollierbarkeit des Coronavirus erweisen würden, so kann zum Jahresende hiervon unter Berücksichtigung der aktuellen Beobachtungen und der auf diesem Gebiet eingehenden Daten keinerlei Rede mehr sein.

Wer sich mit einem Impfstoff vakzinieren lässt, geht davon aus, vor einer Ansteckung und / oder einer mit einem bestimmten Erreger verbundenen Krankheit geschützt zu sein. Wenn die Impfstoffe funktionieren würden, müsste sich niemand in der Gesellschaft darüber Gedanken machen, ob die Mitbürger – wie im Fall von Corona – ebenfalls geimpft oder nicht geimpft sind.

Wer sich beispielsweise eine Impfspritze gegen Gelbfieber mit anhaltendem Schutz über einen Zeitraum von zehn Jahren setzen lässt, fragt ja auch nicht nach Ankunft im afrikanischen Tansania nach, wer noch alles gegen diese Krankheit im Land mittels einer Impfung geschützt ist.

Anstelle eine ehrliche Debatte über diese Dinge in der Gesellschaft zu führen, greift die Politik in Österreich nun zur Keule, heißt Zwang aller, was dem Frieden in der Gesellschaft angesichts der ohnehin bereits sehr miesen Stimmung gewiss nicht allzu förderlich sein wird.

Ich schließe den heutigen Beitrag mit einem Zitat von Winston Churchill ab: "Ein Experte ist ein Mann, der hinterher genau sagen kann, warum seine Prognose nicht gestimmt hat."