Niemand geringeres als Charles Schwab senkt zum 7. Oktober alle Gebühren zum Kauf von Aktien und ETF`s auf null Dollar. Optionen können ebenfalls zu null Dollar gekauft werden, allerdings fallen hier noch 0,65 USD je Kontrakt an. Die Pressemitteilung finden Siehier.

Jeder Retailanleger kann also ab dem 7. Oktober alle Aktien + ETF´s sämtlicher Börsen in den USA und in Kanada ohne Gebühr handeln. Was auf den ersten Blick wie eine Werbemitteilung klingen mag, ist ein Paukenschlag mit Reichweite!

Diese Ankündigung mischt die ohnehin schon umkämpfte Onlinebrokerindustrie komplett auf. Neben Charles Schwab sind unter anderem TD Ameritrade, E-Trade und Interactivebrokers die namhaften Größen im amerikanischen Retailbrokermarkt. Die Aktien von Charles Schwab fielen mit der Ankündigung um rund zehn Prozent, Aktien von TD Ameritrade gingen um rund 20 % in die Knie. Aktien von Interactivebrokers und E-Trade fielen zwischen neun bis 16 %.

Prompt reagierte nach der Meldung von Charles Schwab das Brokerhaus TD Ameritrade. Auch hier werden bereits ab dem 3. Oktober sämtliche Ordergebühren für Aktien und ETF´s auf null gesenkt. Die Pressemitteilung finden Siehier.

Vermutlich werden alle anderen Onlinebroker in Amerika nun folgen. Die Aktienkurse korrigieren in der ersten Reaktion so stark, da durch den Wegfall der Gebühren nun eine (auf den ersten Blick) wichtige Einnahmequelle entfällt. Charles Schwab beziffert die Einnahme durch die Gebühren der Kunden pro Quartal auf etwa 90 - 100 Mio. USD, siehe die offizielle Stellungnahme des CFO zu diesem Schritt.

Retailanleger in den USA wird dies freuen. Aktienhandel für null USD ist wie ein Geschenk. Gleichzeitig erhöht dies den Druck auf alle Onlinebroker hier bei uns in Deutschland. Ich erwarte nun, dass Häuser wie Flatex, OnVista, ING-Diba, E-Trade etc. die Gebühren in absehbarer Zukunft ebenfalls bald fallen lassen werden oder sogar müssen!

Doch alles hat einen Haken, denn geschenkt gibt es dann eben doch nichts!

Wir hier bei Cashkurs sind bekannt dafür „um die Ecke zu denken“ und dies hier frei offenzulegen. Genau dies möchte ich in diesem Fall auch kurz tun. Selbstverständlich ist der Wegfall der Ordergebühren ein Grund zum Jubel, denn es macht den Aktienkauf günstiger und natürlich wesentlich attraktiver. Trotzdem gibt es die Kehrseite der Medaille.

Haben Sie schon einmal vom Begriff „payment for orderflow“ gehört?

Charles Schwab definiert es folgendermaßen:

Order flow revenue: Net compensation received from markets and firms to which CS&Co sends equity and options orders. The amount reflects rebates received for certain types of orders, less fees paid for orders where exchange fees or other charges apply.

Übersetzung der CK*Redaktion:

"Auftragseingang Umsatz: Nettovergütung von Märkten und Unternehmen, an die CS&Co Aktien- und Optionsaufträge sendet. Der Betrag spiegelt die für bestimmte Arten von Aufträgen erhaltenen Rabatte wider, abzüglich der für Aufträge gezahlten Gebühren, bei denen Börsengebühren oder andere Gebühren anfallen."

Es ist mittlerweile ein offenes Geheimnis, dass Brokerhäuser wie Charles Schwab den Orderflow der hauseigenen Kunden verkaufen. Damit ist gemeint, dass alle Kauf- und Verkaufsorders der Kunden an den meistbietenden Market-Maker weiterverkauft werden!

Der Market-Maker, der beispielsweise Charles Schwab den größten Rabatt für diverse Ordertypen anbietet, erhält den Zuschlag. Im Jahr 2018 erzielte Charles Schwab damit einen Umsatz von 139 Mio. USD, 114 Mio. USD in 2017 und 103 Mio. USD in 2016, siehe Seite 31. Sie sehen, wie lukrativ hier der Weiterverkauf der hauseigenen Orderdaten ist.

Wieso ist dies wichtig und wieso betrifft dies eigentlich jeden einzelnen Anleger?

Einige Market Maker haben so durch den Kauf des Orderflows der Broker den direkten Einblick in alle Aufträge, die ein jeder einzelner Anleger in Auftrag gibt. Diese Market Maker wissen also direkt und vorab, was Sie als Kunde von beispielsweise Charles Schwab kaufen werden. Jene Market Maker stehen wiederum im Verdacht, direkt mit den „High Frequency Tradern“, auf Deutsch, dem Hochfrequenzhandel zusammenzuarbeiten. Bitte lesen Sie dazu unbedingt folgenden Artikel: https://www.reuters.com/article/schwab-ceo-proposal/schwab-ceo-disclose-payment-for-selling-client-orders-idUSL1N0O12EC20140515.

Hier ein sehr vereinfachtes Beispiel:

Stellen Sie sich vor, viele Kunden von Charles Schwab, wollen "Aktie X" zu einem Limitkurs von 10,85 Euro kaufen. Aktuell steht der Aktienkurs der Aktie X aber nur bei 10,80 Euro, die Briefseiten sind bei 10,81 – 10,82 Euro prall gefüllt. Das Angebot ist also groß. Normalerweise müssten die Kauforders der Kunden also zwischen 10,81-10,82 Euro ausgeführt werden. Damit also drei bis vier Cent günstiger, als das maximale Kauflimit von 10,85 Euro.

Nun gibt der jeweils einzelne Kunde also sein maximales Kauflimit von 10,85 Euro ins System. Binnen einer Nanosekunde (Tausendmillionstel einer Sekunde) nach dieser Ordereingabe durch den Kunden erhält der Market Maker diese Information durch Charles Schwab, da Charles Schwab ja eben diesen „orderflow“ an den Market Maker (im schlechtesten Fall den High Frequency Trader, abgekürzt HFT) verkauft hat.

Damit weiß der HFT, dass gleich mehrere Orders die „Aktie X“ zu maximal 10,85 Euro kaufen werden. Der HFT kauft also beispielsweise alle Aktien zwischen 10,81-10,84 Euro binnen Bruchteilen einer Nanosekunde auf und stellt diese – natürlich angepasst an die Gesamtsumme der zu erwartenden Kaufsummen durch die einzelnen Orders der Charles Schwab Kunden – wieder zu 10,85 Euro in den Verkauf.

Alle Orders der Charles Schwab Kunden werden also dann – wegen des maximalen Kauflimitsvon 10,85Euro – bedient. Der HFT hat also binnen der Ordereingabe des Kunden bis zur Ausführung – vermutlich streckt sich dieser Prozess über etwa eine Sekunde – sicheres Geld verdient, da er den Orderflow kannte.

Als Retailanleger wird es Ihnen vermutlich egal sein, da ja Ihr maximales Limit zu 10,85 Euro bedient wurde. Trotzdem hätten Sie die Aktien auch vier Cents günstiger bekommen können, nämlich zu 10,81 Euro. Aufgrund der Weitergabe „Ihrer“ Orderdaten an die HFT ist dies dann aber eben nicht mehr möglich Daher ist der Wegfall der Ordergebühr in Wirklichkeit in den meisten Fällen ein großer Beschiss am Kunden!

Ich kann Ihnen in diesem Zusammenhang das Buch „Flash Boys“ von Michael Lewis dringend ans Herz legen!