Der dauerhafte Verlust der Arbeitskraft gehört zu einer der wesentlichen Risiken im Leben. Im Folgenden geht es um die Einschätzung des Risikos, entstehende Versorgungslücken und vor allem konkrete Tipps bei der Ausgestaltung der privaten Absicherung.

Die Hinweise, dass viele im Laufe des Lebens aus gesundheitlichen Gründen ihren Beruf aufgeben müssen, füllen sicherlich ganze Bände. Tatsache ist, dass etwa ein Viertel der Angestellten irgendwann die Arbeit aufgrund von Krankheit oder Unfall aufgibt. Dies trifft nicht nur ältere Arbeitnehmer kurz vorm Rentenbeginn, sondern immerhin 40% der unter 50-Jährigen. Ursache Nummer eins ist dabei mittlerweile die Psyche. Interessant ist der Fakt, dass mit steigender Qualifikation die Wahrscheinlichkeit und die Dauer von Arbeitsunfähigkeit sinken.

Was gibt’s vom Staat?

Wer wegen Krankheit oder Unfall vorübergehend seinen Job nicht ausüben kann, geht zum Arzt und holt sich eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Damit zahlt der Arbeitgeber mindestens sechs Wochen lang den kompletten Lohn weiter. Danach erhalten gesetzlich Krankenversicherte das sogenannte Krankengeld. Nach Abzug der Sozialbeiträge verbleiben etwa 80% vom durchschnittlichen Netto der letzten 12 Monate. Das Krankengeld fließt für maximal 78 Wochen. Wer dauerhaft in seiner Erwerbsfähigkeit beeinträchtigt ist, kann die Erwerbsminderungsrente bei der Gesetzlichen Rentenversicherung beantragen. Doch etwa die Hälfte der Anträge wird abgelehnt. Wer nur noch maximal drei Stunden irgendeiner Erwerbstätigkeit nachgehen kann, gilt als voll erwerbsgemindert. Zwischen drei und sechs Stunden gibt es die halbe Rente. Die Höhe richtet sich grob gesagt nach dem Bruttogehalt: ca. ein Drittel bei der vollen, 17% bei der halben Erwerbsminderungsrente. Im Schnitt gibt es 634€ volle Erwerbsminderungsrente und damit weniger als die Grundsicherung. Nur wer vor 1961 geboren ist, kommt noch in den Genuss einer staatlichen Berufsunfähigkeitsversicherung.

Mit welchen Einbußen muss ich rechnen?

Eine kurz- oder mittelfristige Arbeitsunfähigkeit kann man durchaus mit einem Notgroschen abfangen. Der Großteil der Ausfälle betrifft auch diesen Zeitraum. Doch wenn wir den schlimmsten Fall einer wirklich dauerhaften Erwerbsunfähigkeit annehmen, sieht es düster aus. Wer beispielsweise 1.000€ monatlich ersetzen muss, benötigt etwa 550.000€ Kapital, wenn es 40 Jahre reichen soll. Oft hören wir die Aussage: Ich verzichte auf BU und Co. und spare lieber selbst! Wer mit 25 anfängt, darf nicht vor 63 berufsunfähig werden, damit diese Rechnung aufgeht. Versicherungen sollen dann einspringen, wenn man die Folgen nicht mehr aus eigenen Mitteln tragen kann. Bei diesem Worst-Case-Szenario ist das der Fall.

Was kann ich tun?

Wer privat vorsorgen will, hat die Qual der Wahl zwischen verschiedenen Produkten.

Am bekanntesten und in vielen Fällen auch die optimale Lösung ist die Berufsunfähigkeitsversicherung. Daneben gibt es die Erwerbsunfähigkeitsversicherung, die genau wie die gesetzliche Variante prüft, ob man überhaupt nicht mehr arbeiten kann. Der Beruf spielt dabei keine Rolle. Interessant ist, dass ca. 70% der Berufsunfähigen auch erwerbsunfähig sind. Diese Variante ist vor allem für Selbstständige und Berufsgruppen, bei denen eine BU nicht möglich ist, sinnvoll.

Relativ neu sind sogenannte Funktionsrenten. Dabei sind Grundfähigkeiten, wie Laufen, Auto fahren oder Treppensteigen, Pflegebedürftigkeit, schwere Krankheiten und schwere Unfälle versichert. Eine interessante Alternative für Berufsgruppen, bei denen eine BU einfach zu teuer ist, wie bei den meisten körperlich Tätigen.

Das private Krankentagegeld deckt den Einkommensverlust (ca. 20%) während der Arbeitsunfähigkeit, also während man noch krankgeschrieben ist. Das ist vor allem dann notwendig, wenn Fixkosten wie Kredite die Haushaltskasse belasten.

Als Ergänzung kann man eine Schwere-Krankheiten (Dread-Disease oder Critical Illness) Versicherung prüfen. Diese leistet bei den definierten Krankheitsbildern eine einmalige Kapitalzahlung. Damit kann sich der Versicherte eine teure Therapie oder eine Auszeit leisten. Zur Absicherung eines langfristigen Einkommensausfalls ist sie jedoch nicht geeignet.

Auch die Unfallversicherung ist definitiv nicht geeignet. Nur die allerwenigsten BU-Fälle lassen sich auf Unfälle zurückführen. Je älter die Betroffenen sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit übrigens. Besser ist es, das Geld zu sparen und lieber eine ordentliche Absicherung zu wählen. Eine Unfallversicherung ist ebenfalls maximal eine Ergänzung.

Worauf sollte ich achten?

Wer seine Arbeitskraft absichert, sollte das über selbstständige Verträge machen und nicht mit der Altersvorsorge koppeln. Vor allem bei Absicherung über eine Basis-Rente drohen im Leistungsfall Lücken, weil die Rente zu 100% versteuert wird.

Noch immer gilt die BU als Non-Plus-Ultra. Dennoch ist es sinnvoll, die oben aufgezeigten Alternativen zu prüfen und deren Vor- und Nachteile abzuwägen. Vielfach kommt man mit anderen Produkten zu einem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis.

In unseren Beratungen kommt es bei etwa jedem zweiten Vertrag zu Ausschlüssen, Beitragszuschlägen oder gar Ablehnungen. Die Versicherer reagieren dabei sehr unterschiedlich. Von kompletter Ablehnung bis normaler Annahme haben wir alles dabei. Mit einer Risikovoranfrage umgehen wir dieses Problem. Der Mandant bekommt von uns vor Vertragsabschluss ein verbindliches Votum. Auf dieser Grundlage entscheiden wir gemeinsam, welches Produkt bei welchem Versicherer am sinnvollsten ist.

Ausschlüsse, wie z.B. Wirbelsäule, kann man oft nach ein paar Jahren überprüfen lassen. Notwendig ist hierfür ein Berater, der am Ball bleibt und den Kunden darauf aufmerksam macht.

Viele sagen: Die zahlen ja eh nicht! Richtig ist, dass die Versicherer sehr genau prüfen, ob eine Leistung berechtigt ist oder nicht. Das ist auch gut so, denn schließlich geht es schnell um Zehn- oder Hunderttausende Euro, die die Versichertengemeinschaft trägt. Dabei lassen sich über die Hälfte der Fälle, in denen die Leistung verweigert wird, auf Fehler des Kunden oder des Beraters zurückführen. Entweder, weil der Mandant gar nicht mehr reagiert hat (31%) oder beim Antrag falsche Angaben zur Gesundheit gemacht hat (26%). In einem Drittel der Fälle scheitert es an den min. 50% Berufsunfähigkeit. Nur eine verschwindend geringe Zahl (3%) der Ablehnungen geht auf Ausschlüsse zurück. Aus dem Grund halten wir eine professionelle Unterstützung im Antrags- und Leistungsprozess für sinnvoll.

Als letzten Tipp raten wir Kunden, die eine hohe Rente versichern wollen, diese auf mehrere Versicherer zu verteilen. Alle Versicherer prüfen ab einer bestimmten Rentenhöhe die Gesundheit des Kunden besonders genau und verlangen beispielsweise eine ärztliche Untersuchung. Mit der Aufteilung kann man das vermeiden, denn es ist ja denkbar, dass der Arzt etwas Negatives feststellt und die Versicherung deswegen nicht mehr abgeschlossen werden kann. Außerdem verteilt man das Risiko. Eine Rente von 4.000€ ist für den Versicherer ein größeres Wagnis als 2.000€. Das bedeutet, er prüft im Leistungsfall wahrscheinlich genauer, denn es steht ja mehr Geld auf dem Spiel. Wenn einer der beiden Versicherer Probleme macht, hat man ja noch den anderen. Allerdings bedeuten zwei Verträge auch doppelte Arbeit. Im Zweifel ist es die aber wert.

*Quelle Grafiken: Eigene Darstellung

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