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Eine Zahnärztin hatte vor Jahren eine Praxis übernommen und sich zwecks Finanzierung an eine Bank gewendet. Ein folgender Hauskauf nebst aufwendigem Umbau übernahm eine zweite Bank ohne Bedenken. Schließlich waren sie und Ihr Ehemann Mediziner und die Lage der Immobilie exklusiv.

Trotz gut laufender Praxis blieb nach einigen Jahren am Ende des Monats immer wieder wenig übrig. Zeitweise musste das Ehepaar aus dem Dispo leben. Ein Warnsignal, welches die Eheleute noch rechtzeitig erkannt haben.

Eine Finanzplanung sollte Licht ins Dunkle bringen und mögliche Lösungen finden.

Suche nach Lösungen

Eine für den Kunden günstige „Öffnungsklausel“ in den Kreditverträgen machte eine vorzeitige Umschuldung möglich. Eine Simulationsberechnung ergab, dass sich eine vorzeitige Kündigung einiger Lebens- und Rentenversicherungen (auch im Bewusstsein, dass damit hohe Verluste einhergehen) und die Verwendung der Erlöse zur sofortigen Teiltilgung als auch eine Umstellung der Darlehen in Annuitätendarlehen mit optimierten Laufzeiten positiv auf die zukünftige Liquiditäts-, Vermögens- und Schuldenentwicklung auswirken.

Die Prognose

Sämtliche Finanzierungen (Praxis und Eigenheim) können nach den Vertragsumstellungen bis zum Rentenbeginn vollständig getilgt werden, ohne dass im privaten Lebensbereich Einschränkungen vorgenommen werden müssen. An die tatsächlichen Risiken angepasste Risikolebens- und Berufsunfähigkeitsversicherungen sichern die Praxis- und Hausdarlehen und damit die finanzielle Existenz der Familie ab.

Wenn der Partner kein Partner mehr ist

Die Mandanten erhielten als Abschluss meiner Tätigkeit ein Gutachten sowie ein Sanierungskonzept, mit dem sie in die Verhandlungen mit Ihrer Hausbank einsteigen konnten. Diese lehnte erstaunlicherweise ab und sah sich nicht  im Stande, das Sanierungskonzept umzusetzen. Die Gründe dafür können wir nur erahnen.

Aufgrund des erstellten Sanierungskonzeptes konnte eine andere Bank vor Ort überzeugt werden, trotz prekärer Ausgangslage die komplette Praxisfinanzierung zu übernehmen. Sogar die Finanzierung einer weiteren Behandlungseinheit war möglich.

Im Anschluss an die Umschuldung wurde auch eine Anschlussfinanzierung für die Privatimmobilie über ein Finanzierungsportal gefunden. Neben den neuen Praxisfinanzierungen versprechen nun die zwei Forward-Darlehen mit 15- und 20-jähriger Laufzeit für das Haus zusätzliche Planungssicherheit.

Der Vergleich

Ohne „Steuersparmodell“ – mehr Vermögen schaffen

Durch die Vertragsoptimierung müssen die Mandanten bis zum 67. Lebensjahr voraussichtlich knapp 170 TEUR Steuern (Summe der Differenz zwischen roten und rot gestreiften Balken) mehr zahlen. Eine Menge Holz.

Dem gegenüber steht jedoch ein um ca. 680 TEUR höheres Vermögen (Differenz zwischen grüner und grün gestreifter Linie zu Rentenbeginn) der Mandanten. Da sind die gezahlten Steuern gut investiertes Geld.

Im Statusszenario besitzen die Mandanten zum Rentenbeginn ein Nettovermögen i.H. von ca. 1.1 Mio. EUR (davon ca. 260.000 EUR Liquidität – Summe der blauen Balken). Im Optimierungsszenario stehen dem ein Nettovermögen von ca. 1.8 Mio. EUR (davon ca. 970.000 EUR Liquidität – Summe der blau gestreiften Balken) zur Verfügung.

Es lohnt sich also, komplexere Vermögen durchleuchten zu lassen.

Der Erfolg

Ein Controlling und Abgleich der Finanzplanung im Jahr 2013 und 2014 haben ergeben, dass die in der Finanzplanung errechneten Prognosen bisher eingetreten sind. Die neue Behandlungseinheit erhöhte die Effizienz der Praxis, was sich im gestiegenen Gewinn niederschlug. Erstmalig konnten nachhaltig Rückstellungen für Ersatzinvestitionen und geplante Modernisierungen gebildet werden.

Ein von den Mandanten umgesetztes Kontomanagement erhöhte die Kontrolle über die Finanzen. Eine teure Kontoüberziehung fand bisher nie wieder statt.

Schlussbemerkung

Den beschriebenen Praxisfall kann man nicht generalisieren. Nicht jeder Bankberater arbeitet automatisch schlecht, nur weil er nach Vertriebserfolg bewertet wird. Er kommt jedoch leider so oder in ähnlicher Form regelmäßig in der Beratungspraxis vor. Ein gesundes Maß an Skepsis sollte jedoch jeder Kunde haben, der sich von einem Mitarbeiter einer Bank oder freien Berater beraten lässt.

Wenn mehrere Vermögens- und Anlagearten mit unterschiedlichen Risiken, Renditen und Zahlungsströmen mit Krediten aufeinander treffen, können viele Bürger ihr Vermögen und deren Entwicklung oft nicht mehr rationell beurteilen. Kommen komplexe Finanz- oder Kombinationsprodukte (Bsp. Kapitallebensversicherung = Todesfallschutz + Sparvertrag, Bausparvertrag = Sparvertrag plus Zinswette, Cap-/oder Forward-Darlehen = Kreditvertrag + Zinswette …) hinzu, wird es noch schwieriger. Spätestens, wenn dazu auch steuerliche Effekte und Betrachtungen eine Rolle spielen, ist professioneller Rat notwendig.

Doch Vorsicht! Viele Steuerberater werden von ihren Mandanten zu häufig danach bewertet, wie niedrig ihre jährliche Steuerbelastung ist. Je geringer die Steuerlast, desto besser der Steuerberater. Auch gegenüber dem Bankberater oder Versicherungsagenten werden Bedenken gerne über Bord geworfen, wenn der steuerliche Vorteil einer Geldanlage oder eines Finanzierungskonzeptes nur groß genug hervorgehoben wird. Der beschriebene Fall hat auf ganz dramatische Weise gezeigt, dass dieses Verhalten des Mandanten schnell nach hinten losgehen kann.

Jeder Fall sollte individuell geprüft werden. Eine Verallgemeinerung von Ratschlägen ist leider nicht immer möglich, da die Rahmenbedingungen, Erwartungen und Ziele der Menschen und deren Einstellung zu Lebensplanung, Risiken und auch zu Geldthemen sehr unterschiedlich sein können.

Eine Finanzplanung über 25 Jahre birgt generell die Gefahr, dass die zukünftige Realität alle heute unterstellten Annahmen zunichte macht. Keiner kann heute vorhersehen, wie sich Märkte, Preise, Renditen und Steuerrecht in Zukunft entwickeln werden. Deshalb ist eine Finanzplanung ein dynamischer Prozess, der in regelmäßigen Abständen den persönliche Umständen, Zielen und den Marktgegebenheiten angepasst werden muss.

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