Vor kurzem bat mich ein Freund einem Geschäftspartner zu helfen, weil dessen Private Krankenversicherung (PKV) nach zweieinhalb Jahren Zugehörigkeit vom Vertrag zurückgetreten war. Er war also auf einmal seit zweieinhalb Jahren nicht krankenversichert. Die gezahlten Beiträge wurden ihm rechtmäßig nicht erstattet. Der Grund war eine vorvertragliche Anzeigepflichtverletzung bei Antragsaufnahme zweieinhalb Jahre zuvor.

Werden bei Beantragung einer PKV, Berufsunfähigkeitsversicherung, Risikolebensversicherung (Lebensversicherungen zum Sparen schließt heute niemand mehr ab), Dread Disease-Versicherungen oder Unfallversicherung Gesundheitsfragen nicht richtig beantwortet, darf der Versicherer bei vorvertraglicher Anzeigepflichtverletzung vom Vertrag zurücktreten.

Was war dem Geschäftspartner passiert?

Der Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH, nennen wir ihn der Einfachheit halber Carsten, wollte von der gesetzlichen Krankenversicherung in die Private Krankenversicherung wechseln. Er konsultierte seinen Makler, der ihm Angebote unterbreitete und den Antrag aufnahm. Bei Antragsaufnahme wurden dem Grafikdesigner vom Makler die Gesundheitsfragen gestellt. Als es zu der Frage nach psychischen Behandlungen kam, berichtete Carsten, er habe  ein paar Mal wegen der Trennung von seiner Lebensgefährtin einen Psychotherapeutin aufgesucht. Der Makler war der Ansicht, aufgrund der geringen Schwere der Behandlung sei es nicht nötig, dies im Antrag anzugeben. Der Antrag wurde gestellt, der Versicherer nahm den Antrag an und Carsten war privat krankenversichert. Zweieinhalb Jahre später nahm Carsten erneut die Hilfe eines Psychotherapeuten in Anspruch. Daraufhin machte der Versicherer von seinem Recht Gebrauch, beim Vorversicherer - der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) – anzufragen, ob Carsten schon einmal in psychischer Behandlung gewesen sei. Das bejahte die GKV wahrheitsgemäß, sodass der Versicherer wegen vorvertraglicher Anzeigepflichtverletzung vom Vertrag zurücktrat.  Carsten war damit rückwirkend nicht krankenversichert. Die von der Krankenversicherung erstatteten Leistungen musste er zwar nicht zurückzahlen,  er bekam aber auch seine gezahlten Beiträge nicht zurück. Es ist nicht schwer zu erraten, welche Summe höher wiegt. Jetzt musste er sich um eine neue Krankenversicherung bemühen.

Doch, was viel wichtiger ist:

Wie beantworten Sie, liebe Cashkurs-Leser, ab sofort die Gesundheitsfragen in Anträgen von PKV, Berufsunfähigkeitsversicherung, Risikolebensversicherung (Lebensversicherungen zum Sparen beantragt heute niemand mehr), Dread Disease-Versicherungen und Unfallversicherung richtig, ohne sich dabei zu sehr auf Ihren Berater verlassen zu müssen? Viel zu häufig lesen die Berater die Gesundheitsfragen nicht ausführlich genug vor, Krankheiten rücken dadurch nicht in den Fokus des Kunden und werden daher vergessen. Die Antworten des Kunden werden dann, aus fadenscheinigen Gründen, nicht eingetragen. Wenn sie es denn tun, riskieren sie oft durch falschen Umgang mit den Angaben den zukünftigen Versicherungsschutz ihrer Kunden –bei allen Gesellschaften.

So beantragen Sie richtig:

Bestehen Sie darauf, dass Ihr Berater die Gesundheitsfragen im Antrag vollständig vorliest. Wenn der Berater mit dem Satz beginnt:

„1. Finden oder fanden in den letzten 5 Jahren Untersuchungen oder Behandlungen wegen Krankheiten, Anomalien oder Gesundheitsstörungen bei Ärzten, Heilpraktiker oder anderen Heilbehandlern statt, hinsichtlich:

  • Herz (z.B. Rhythmusstörungen), Kreislauf (z.B. erhöhter Blutdruck), Blut (z.B. Anämie), Gefäße (z.B. Krampfadern, Verkalkungen);
  • Stoffwechsel...“ usw.

...ist das schon einmal ein guter Anfang.

Ob ihr Berater die Fragen ernst nimmt, stellen Sie übrigens ganz leicht fest: Lassen Sie ihn 2-3 Fragen stellen und bitten Sie ihn danach diese selbst lesen zu dürfen. Trauen Sie sich nicht, nutzen Sie als Ausrede Sie müssten einmal nachlesen, weil sie vielleicht etwas nicht richtig verstanden haben. Sie erkennen leicht, wie ausführlich die Fragen gestellt wurden. Hat der Berater auch die Beispiele für Krankheiten in den Klammern vorgelesen, scheint er die Gesundheitsfragen ernst zu nehmen. Ist das nicht der Fall, lesen Sie am besten selbst weiter und lassen Sie den Berater Ihre Antworten eintragen.

Beantworten Sie Fragen mit JA und Ihr Berater teilt Ihnen mit, er müsste das nicht eintragen, fragen Sie ihn nach dem Grund. Hört sich komisch an, aber stellen Sie sich dabei immer vor, Sie wären die Versicherungsgesellschaft, die ihr Risiko kalkulieren möchte.

Ich wiederhole den Eingangssatz in den Gesundheitsfragen und hebe die wichtigen Worte hervor: Finden oder fanden in den letzten 5 Jahren Untersuchungen oder Behandlungen wegen Krankheiten, Anomalien oder Gesundheitsstörungen bei Ärzten, Heilpraktiker oder anderen Heilbehandlern statt, bezüglich:…

Trifft eines dieser Worte und eine der Fragen auf Sie zu, ist diese Krankheit für eine Risikoeinschätzung relevant und muss angegeben werden.

Müssen Sie Krankheiten angeben, folgt der nächste Schritt: Fragen Sie den Berater, ob es zu Ihrer Krankheit medizinische Fragebögen gibt. Gibt es solch einen Fragebogen, können Sie davon ausgehen, dass die Versicherungsgesellschaft mehr zu dieser Krankheit wissen möchte. Dazu gibt es zwei Wege:

  • Der Berater reicht den Antrag bei der Gesellschaft ein, diese befragt den behandelnden Arzt zur genauen Diagnose, Krankheitsverlauf, erfolgte Behandlungen und aktuellem Befund und stellt Sie mit einem Ergebnis vor vollendete Tatsachen

oder

  • Sie füllen den Fragebogen aus und fragen bei der Gesellschaft vor Antragstellung an, wie diese bei Antragstellung reagieren würde.

Wählen Sie den ersten Weg und der Versicherer schließt die Krankheit aus, fordert einen Risikozuschlag oder lehnt den Versicherungsschutz ab, landen Sie in der Sonderwagnisdatei (von der viele Versicherer behaupten, es gäbe sie nicht mehr). Auf die Sonderwagnisdatei haben alle Versicherer Zugriff. Wenn Sie dann bei der nächsten Gesellschaft einen Antrag stellen, was glauben Sie wie das Ergebnis sein wird?

Sie wählen also den zweiten Weg und haben genug Zeit zu entscheiden, ob das Votum des Versicherers in Ihrem Sinne ist. Sollte der Versicherer für Ihre Krankheit nicht leisten wollen, aber ansonsten Versicherungsschutz bieten, ist eine Absicherung meist trotzdem sinnvoll, außer es handelt sich um eine PKV. Hier sollten Sie immer abwägen, ob die Ersparnis gegenüber der GKV die Kosten für Ihre Krankheit wirklich überwiegt (zumal die Beiträge in der PKV auch steigen werden).

Bei einer drohenden Ablehnung dagegen, sollten Sie gar nicht erst einen Antrag einreichen und lieber warten, bis Ihre Krankheiten (hoffentlich) bald nicht mehr im abgefragten Zeitraum liegen.

Und was ist mit Carsten? Den hatte der Fehler des Maklers sehr hart getroffen:

Die GKV nahm ihn nicht an; da er als Selbstständiger kein sozialversicherungspflichtiges Einkommen bezog, bestand kein Kontrahierungszwang. Die einzige Möglichkeit mit Kontrahierungszwang bestand für ihn in der Absicherung über den Basistarif, für einen Beitrag von 700 € pro Monat. Da er trotz Krankenversicherungspflicht in den letzten zweieinhalb Jahren nicht krankenversichert war (Rücktritt der Gesellschaft) hätte er zusätzlich noch 14.000€ als Strafbeitrag nachzahlen sollen. Er wählte die dritte Möglichkeit und suchte sich eine sozialversicherungspflichte Beschäftigung.