Die großen deutschen Börsengesellschaften hatten 2013 in Bezug auf das deutliche Absacken ihrer HV-Präsenz einen wahren Schock zu verkraften, jetzt können sie aufatmen. Im Vorjahr war nach einem Urteil des OLG Köln (Az.18 U 240/11) bei ausländischen Namensaktionären deutscher Börsen-AG´s der falsche Eindruck entstanden, dass sie bei Anmeldung zu der deutschen Hauptversammlung mit ihren Aktien blockiert seien (share blocking), also vorübergehend nicht frei disponieren könnten. Die Folge war, dass vor allem bei den DAX-Gesellschaften mit Namensaktien und dazu einem hohen Prozentsatz an ausländischen Aktionären die HV-Präsenz dramatisch absackte.

Deutsche Börse AG besonders betroffen

Die Tabelle lässt die Problematik bei den DAX-Gesellschaften mit Namensaktien klar erkennen. Für die 15 DAX-Werte mit Namensaktien sank die HV-Präsenz 2013 von durchschnittlich 50,3 Prozent auf nur noch 34,8 Prozent. Besonders ausgeprägt war der Rückgang bei der Deutschen Börse von 59,7 auf nur noch 29,4 Prozent. Dieses starke Absacken lag daran, dass bei der Börsen-AG über 80 Prozent der Aktien bei ausländischen Aktionären liegen.

Das ist der Hintergrund, weshalb die deutsche financial community, vor allem die aufgeführten DAX-Unternehmen, mit Spannung auf die erste Hauptversammlung eines betroffenen DAX-Unternehmens, Siemens am 28. Januar, gewartet hat. Denn so niedrige HV-Präsenzen wie im Jahr 2013 hat kein Unternehmen gern, zumal dann Zufallsmehrheiten zustande kommen können, und die getroffenen Beschlüsse nicht wirklich im Interesse der Mehrheit der Aktionäre liegen. Ein Grund, weshalb alle betroffenen Unternehmen das ganze Jahr lang eifrig unterwegs waren, um ihre ausländischen Aktionäre davon zu überzeugen, dass keinerlei share blocking vorliege, wenn sie ihre Aktien zur HV anmelden.

Die Zahlen: 2013 war die HV-Präsenz bei Siemens von 38,4 auf 34,3 Prozent gefallen, jetzt zog die Präsenz kräftig auf 44,96 Prozent an, vertreten waren 7700(8100) Anteilseigner. Schon vor der HV war aus dem Hause Siemens zu hören, dass man einiges unternommen habe, um den Investoren die fälschlich aufgekommenen Ängste zu nehmen. Dabei habe man in vielen Gesprächen festgestellt, dass die ausländischen Aktionäre, meist institutionelle Anleger, ihre Verantwortung als Aktionäre ausgesprochen ernst nähmen. Bleibt zu hoffen, dass sich dieser Trend sowohl bei Siemens als auch im weiteren Verlauf der HV-Saison bei den anderen DAX-Werten fortsetzt. Auch Privatanleger sollten dafür Sorge tragen, dass ihre Stimmrechte in der HV vertreten werden.

Vorabdruck aus dem WirtschaftsEcho, dem BtoB Monatsmagazin des Darmstädter Echo.Vergl. auch cashkurs vom 12.6.2013.