Was brächte eine Aufstockung der im DAX enthaltenen Werte?

Auch der Fall Wirecard sollte daran nichts ändern, zumal dieser Fall wegen seiner minimalen Gewichtung im DAX diesem kaum einen Kratzer zugefügt hat, aber die unentschlossene Haltung der Börse selbst viel Kritik im Umfeld erzeugt hat. Und auch die nun vorgeschlagene Erweiterung des DAX auf demnächst 40 Werte resultiert weitgehend aus diesem Vorfall.

Was bringt aber die zur Diskussion gestellte Aufstockung des DAX von 30 auf 40 Werte an zusätzlicher Aussagekraft für den Anleger? Darauf fehlt eine plausible Antwort, zumal die aus dem MDAX hinzukommenden zehn Werte im DAX, wie Börsianer berechneten, nur ein Gewicht von acht Prozent des Index verkörpern.

Wie wäre es mit einem ganz neuen Index?

Natürlich kann es Sinn machen, über eine andere Index-Konstruktion weitere, zusätzliche Erkenntnisse für den Anleger herauskitzeln zu wollen. Doch bleibt dann immer noch die Frage im Raum, ob man dies über die Veränderung eines alten, weltweit akzeptierten Börsen-Vehikels - eines Markenartikels wie den DAX - tut, oder ob es dann nicht sinnvoller wäre, einen neuen Index mit weitergehenden, neuen Aussagemöglichkeiten zu schaffen.

Doch sind derartige neue Erkenntnisquellen eigentlich gar nicht in der Diskussion. Was eventuell auch daran liegt, dass die Messlatte DAX 30 nicht für sich alleine im Index-Raume steht, sondern nur Teil einer ganzen DAX-Familie ist, die die unterschiedlichsten Börsensegmente und Index-Konstruktionen umfasst.

Die Börse Frankfurt hatte selbst anlässlich des 25jährigen DAX Jubiläums im Juli 2013 formuliert: Der am 01.07.1988 eingeführte DAX stand stets zuverlässig für Unabhängigkeit, Unbeeinflussbarkeit und Neutralität. Darauf wollen wir weiter achten, hatte damals Dr. Francioni formuliert. Der DAX sei der Vorzeigeindex der Deutschen Börse und Leitindex des deutschen Aktienmarktes. Und daran, so könnte man hinzufügen, sollte man nicht ohne Not und triftige Gründe herumbasteln.

Am Rande: Was wird aus dem MDAX – und den Derivaten?

Zehn seiner führender Werte sollen in den DAX wechseln. Zurück bleibt ein Index-Restposten! Weiterführen, Einstampfen?

Und das wirft sofort den Blick auf einen anderen, nicht zu unterschätzenden Problempunkt. Ergeben sich bei solch starken Index-Veränderungen nicht ernsthafte Probleme hinsichtlich der vielen Tausende an Derivaten auf den MDAX und erst recht auf die stolze Zahl von Derivaten auf den DAX? Wird beim zusammengeschrumpften MDAX für die vielen Derivate nicht die Geschäftsgrundlage entzogen? Ähnliches gilt natürlich auch für den DAX. Drohen an dieser Front also nicht ganze Prozesslawinen?

Vorschlag: Lasst den DAX30 unverändert. Reagiert schneller und besser, ohne aber das höchste Gut eines jeden Index, die Kontinuität, Nachhaltigkeit und Zuverlässigkeit zu gefährden. Dieses Petitum gilt auch hinsichtlich der ins Auge gefassten Qualitätskriterien. Denn zum einen: Wer fällt diese Werturteile (neue Analystenheere bei der Börse?). Zum anderen besteht nun mal die Welt der Aktien aus Guten und Besseren.