Eine Folge des von den Notenbanken künstlich niedrig gehaltenen Zinsniveaus. Wenn die Zinsen steigen, und das müssen sie über kurz oder lang, legt der Genussschein, ähnlich wie vor allem langlaufende Festverzinsliche, den Rückwärtsgang ein. Die Tiefstände des Jahres 2009 sollten allerdings nicht erreicht werden. Es sei denn, es kommen wie damals Bedenken auf, dass aufgrund einer schlechten Ertragslage bei Bertelsmann der erwirtschaftete Jahresüberschuss nicht ausreicht, um die Genussscheine mit den zugesagten 15 Prozent zu bedienen. Das ist allerdings nicht in Sicht. Doch stellt sich für jeden Genussschein-Inhaber die Frage, was er auf einem solchen Rekordkursniveau mit seinen Scheinen macht.

Das war damals Anfang 2010 schon ein sehr geschickter Schachzug von Bertelsmann, auf dem zwischenzeitlich sehr gedrückten Kursniveau – vergl. Chart – den Inhabern der Genussscheine von 2001 ein Abfindungsangebot zu unterbreiten. 180 Prozent wurden geboten in Verbindung mit der Feststellung, dass das eine Prämie von 21 Prozentpunkten gegenüber dem Schlusskurs des Scheines vom 1. Februar 2010 bedeute. Das Langfristchart zeigt jedoch, dass der Kurs des Scheines nur kurzfristig und vorübergehend bis auf ein Tief von 116 abgesackt war, weil mit dem schlechten Jahr 2009 Bedenken aufgekommen waren, dass die Ausschüttung möglicherweise ausfallen könne. In den Normaljahren vorher hatte der Kurs meist über 200 Prozent gelegen.

Gelackmeiert sind die Genussscheininhaber, die damals – entgegen unserem Rat (vergl. cashkurs vom 4.2.2010) - dieses Abfindungsangebot angenommen hatten. Denn danach gab es für den Kurs, im Einklang mit dem dramatischen Absinken des internationalen Zinsniveaus, nur eine Richtung, nämlich die nach oben mit Kursen für den Genussschein von zuletzt über 300 Prozent.

Gewinn mitnehmen – und dann?

Da freuen sich die, die drin geblieben sind; doch sie stehen jetzt vor der Frage, was tun?  Soll der Gewinn mitgenommen werden? Aber was dann mit dem Geld machen bei Zinsen, die nahe Null liegen? Wer zum Beispiel für seine Scheine im Durchschnitt einen Kurs von 200 Prozent bezahlt hat, erzielt bei den 15 Prozent jährlicher Ausschüttung immerhin eine Rendite auf sein investiertes Kapital von 7,50 Prozent. Wo gibt es das heutzutage noch? Selbst wenn in die Überlegung einbezogen wird, dass bei einem Genussschein die Ausschüttung auch einmal ausfallen kann, was allerdings bei Bertelsmann derzeit nicht in Sicht ist.

Also sagt sich der Anleger möglicherweise, ich bleibe drin und bin – einigermaßen – sicher, jährlich meine gute Rendite zu erzielen. Ich vergesse also den Kurs und gebe mich mit meiner tollen Rendite zufrieden.  Beides geht nun mal nicht, also hohe Rendite behalten und Kursgewinn einstreichen. Letztlich kommt es bei dieser Fragestellung bzw. seiner Beantwortung auf die jeweilige individuelle Situation bei dem einzelnen Anleger an. Wer, wie das in vielen Depots zu beobachten ist, aus den Genussscheinausschüttungen einen Großteil seines Unterhaltes bestreitet, der vergisst den theoretisch möglichen Gewinn und lebt zufrieden weiter mit seiner satten Rendite. Wer flexibler oder auch spekulativer mit seinem Geld arbeitet, kann sich eventuell mit einem satten Gewinn aus diesen Scheinen anfreunden.

Vielleicht hat er ja auch schon eine Idee für eine Anschlussanlage, die ihm mehr als die üblichen Magerzinsen abwirft; aber berücksichtigen muss er auch, dass jede Anschlussanlage mit Sicherheit mehr oder weniger deutlich geringere Renditen Zeit dieser Minderzins seinen erzielten Kursgewinn (noch abzüglich Steuern) einbringt als der Genussschein. Er muss also kalkulieren bzw. gegen rechnen, in welcher Zeit dieser Minderzins seinen erzielten Kursgewinn (abzüglich Steuern!) auffrisst.