Dabei hatte Amerikas Präsident Woodrow Wilson Deutschland einst versprochen, dass Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg weder Reparationszahlungen noch territoriale Gebietsverluste zu befürchten habe, falls sich das Land dazu bereitfände, einem Waffenstillstand zuzustimmen, mittels dessen eine Beendigung des Ersten Weltkriegs besiegelt werden sollte.

Dumme " Garantie"

Ich stimme dieser These nicht zu. Denn die Fakten liegen heute klar und deutlich auf der Hand. Ursache für den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs war aus meiner Sicht die einst durch Großbritanniens Premierminister Chamberlain gegenüber der polnischen Militärregierung abgegebene, jedoch nicht durchsetzbare Garantie zur Aufrechterhaltung der polnischen Staatssouveränität.

Diese Bestandsgarantie galt insbesondere für den Fall, falls Polen sich weigern würde, Deutschland sowohl eingeforderte Gebiete als auch ehemalige deutsche Bevölkerungsanteile zu überlassen. Großbritannien würde Polen dann militärisch zu Hilfe eilen, falls dieser Fall eintreten sollte.   

Als Hitler-Deutschland und die Sowjetunion einen Pakt schlossen, um Polen unter sich aufzuteilen, worauf im September 1939 der deutsche Angriff erfolgte, musste Großbritannien aufgrund der Abgabe einer dummen „Garantie“ Deutschland offiziell den Krieg erklären, was jedoch nicht auf die Sowjetunion zutraf. 

Da Frankreich in Allianz mit Großbritannien stand, musste auch Frankreich den Deutschen den Krieg erklären. Aufgrund der Propagandaherrschaft im Westen, geschah etwas, worüber kaum jemand wirklich aufgeklärt ist.

Denn der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs lässt sich zu einem guten Teil auf die erfolgten Kriegserklärungen Großbritanniens und Frankreichs gegenüber Deutschland zurückführen.

Hernach waren es die überlebenden Mitglieder der deutschen Regimeregierung, die seitens der Siegermächte Vereinigte Staaten von Amerika, Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion in Nürnberg für den Beginn dieses aggressiven Krieges abgeurteilt wurden.

Mangel an Reaktionsfähigkeit seitens der russischen Regierung?

Nichtsdestotrotz, da die allgemeine Ansicht, laut der Chamberlain Hitler zu immer weiteren aggressiven Aktionen vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs aufgrund der Passivität seiner Regierung ermuntert habe, stellt sich die Frage, warum heutzutage niemand auf den Mangel an Reaktionsfähigkeit seitens der russischen Regierung gegenüber Washingtons aggressiven Aktionen gegenüber Russland aufmerksam macht?

Russland ermutigt durch sein passives Verhalten Washington vielmehr zu noch aggressiveren Aktionen. Auch eine solche Entwicklung führt irgendwann zum Ausbruch eines Krieges. Die russische Regierung – ähnlich Chamberlains – hat bislang noch nicht auf Provokationen durch Washington reagiert, die noch weitaus gefährlicher als jene sind, denen Chamberlain einst ins Auge blickte, denn – wie ehedem Chamberlain – präferiert die russische Regierung den Erhalt des Friedens – und nicht den Ausbruch eines Krieges. .  

Die große Frage lautet, ob Russlands Regierung durch ihre eigene Passivität den Ausbruch eines Krieges verhindert oder vielmehr dazu ermutigt? Die russische Passivität gegenüber illegalen Sanktionen, propagandistischen Anschuldigungen und politischen Dämonisierungen schlägt in dieselbe Kerbe.

Russland hat Washington sogar erlaubt, ABM-Basen an seinen Grenzen zu Rumänien und Polen errichten zu lassen. Diese Entwicklung würde umgekehrt dem Erteilen grünen Lichtes der Vereinigten Staaten von Amerika gegenüber Russland zur Errichtung von Raketenbasen auf Kuba entsprechen.

Westlicher Einfluss

Die Russische Föderation sieht sich im Nachteil, denn die russische Regierung wird durch ihre eigene Entscheidung zur Genehmigung von ausländischen Mehrheitsbeteiligungen an manchen heimischen Medienpublikationen beeinträchtigt. 

Gleichsam sieht sich das Land aufgrund seiner einst getroffenen Entscheidung, Hunderte durch Amerika und Europa finanzierte Nichtregierungsorganisationen in den eigenen Gefilden wirken zu lassen, unter Druck.

Denn diese NGOs organisieren Proteste und lancieren permanent zweifelhafte oder falsche Anschuldigungen gegenüber der russischen Regierung, die öffentlichkeitswirksam inszeniert werden 

Russlands Regierung erlaubt diese Dinge, da sie fälschlicherweise davon ausgeht, dass sowohl Washington als auch dessen Vasallen Russland als tolerante Demokratie anerkennen werden, um das Land in der Familie der westlichen Nationen willkommen zu heißen.

Russland sieht sich zudem im Nachteil aufgrund der Beschaffenheit seiner gebildeten Oberklasse – Professoren und Geschäftsleute – die westlich orientiert sind. Russlands Professoren wollen zu Konferenzen der Harvard Universität eingeladen werden.

Russlands Geschäftsleute streben danach, sich in die westliche Business Community zu integrieren. Diese Russen werden als „Atlantische Integrationisten“ bezeichnet. Sie sind der Ansicht, dass Russlands Zukunft von der Akzeptanz des Westens abhängig ist.

Gleichsam ist diese Gruppierung willens, Russland einem Ausverkauf preiszugeben, um auf diese Weise die westliche Akzeptanz zu fördern. Selbst einige russische Jugendliche sind der Ansicht, dass alles in Amerika großartig ist, einem Land, in dem die Straßen mit Gold geteert werden. Für Russlands Regierung resultiert daraus eine schwierige Situation.

Ohne Feind keine Existenzberechtigung

Die Russen haben fälschlicherweise geglaubt, dass das Verschwinden der Sowjetunion alle auf der Welt zu Freunden gemacht habe. Momentan erweckt es den Eindruck, als ob lediglich Michael Gorbatschow verstünde, dass der Untergang der Sowjetunion alle bis dahin in Washington noch bestehenden Hemmnisse zum Griff nach der Welthegemonialität schwinden ließ.

Nur Wenige in Russland scheinen zu verstehen, dass sowohl das astronomische Budget als auch die politische Macht des militärisch-industriellen Komplexes in Amerika, vor denen selbst US-Präsident Ike Eisenhower im Jahr 1961 warnte, stets einen äußeren Feind zur Aufrechterhaltung der eigenen Existenzberechtigung benötigt.

Der Untergang der Sowjetunion hatte diesen Feind auf dem Haufen der Geschichte beerdigt. In jenem Moment, in dem Russland für seine nationalen Interessen eintrat, füllte Washington diese entstandene Lücke und Abhandenkommen eines äußeren Feindes durch Putins Russische Föderation.

Sowohl die russische Regierung als auch die Oberklasse des Landes erwiesen sich als extrem langsam dabei, dieser Realität ins Auge zu blicken. Und in der Tat erweckt es nach wie vor den Eindruck, als ob in Russland noch immer nur einige Wenige am Aufwachen seien.  

Feind Nummer 1

Trotz der sich klar und deutlich abzeichnenden Entwicklungen,  erklärte Russlands neuer UN-Botschafter Wasili Nabenzya am 29. Juli, dass Russland über keine anderen Alternativen verfüge als „den Bau von Brücken unter allen Umständen zu ermöglichen. Wir werden kooperieren. Die Amerikaner können nicht ohne uns handeln, so wenig wir es ohne die Amerikaner können. Dies ist die sich darstellende Realität“.

Auf mich machte diese Aussage den Eindruck einer russischen Kapitulation. Russlands stellvertretender Außenminister Ryabkov weigert sich ebenfalls, die sich am Horizont abzeichnenden Zeichen zu lesen. Er ist der Ansicht, dass Washington und Moskau „den schädlichen Kreislauf der Vergeltung verlassen müssen, um neu zu beginnen“.  

Am 30. Juli reagierte Präsident Putin dann schlussendlich auf die durch die Obama-Regierung einst angeordnete und orchestrierte Ausweisung von russischen Diplomaten aus Washington zur Weihnachtszeit des letzten Jahres, und die damit verbundene illegale Beschlagnahme russischen Regierungseigentums in und im Umland von Washington, indem Putin jetzt 750 „amerikanische Diplomaten“, bei denen es sich de facto großteils um Agenten mit dem Ziel einer Unterwanderung der russischen Regierung handelt, aus seinem Land auswies.

Putin hätte dieses Botschaftspersonal auch verhaften können. Es brauchte „nur“ 7 Monate, um Russland auf Washingtons feindliche Aktionen gegenüber russischen Diplomaten reagieren zu lassen. Manchmal erweckt es jedoch auch den Anschein, als ob sich Russlands Regierung darüber bewusst sei, dass sie dazu auserkoren wurde, um als Washingtons permanenter Feind Nummer 1 zu dienen.

Lassen wir Putin zur jüngst erfolgten Ausweisung von US-„Diplomaten“ aus Russland selbst sprechen: „Wir haben für einen recht langen Zeitraum gewartet, denn wir hatten die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sich manches zum Besseren wenden könnte. Unsere Hoffnungen basierten darauf, dass sich die Situation zwischen unseren beiden Ländern verändern würde.

Wie sieht die Zukunft aus?

Doch es erweckt den Anschein, als ob sich die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern auch in der absehbaren Zukunft nicht verbessern werden. Ich entscheid mich dazu zum Ausdruck zu bringen, dass es für uns an der Zeit ist, dass wir keine Aktion der anderen Seite unbeantwortet lassen werden.“

Nachdem diese Aussagen getroffen wurden, nahm Putin seine Ausführungen wieder zurück: „Hauptsache ist, dass wir über eine vielfältige Kooperation auf vielen Gebieten verfügen. Selbstverständlich hat Moskau in vielen Dingen ein Sagen, während es eine ganze Anzahl von Sphären der Kooperation gibt, die wir zukünftig minimieren könnten, und worauf die US-Seite sensibel reagieren würde. Doch ich bin nicht der Überzeugung, dass wir so weit gehen sollten. Denn auf diese Weise würde die Entwicklung der internationalen Beziehungen beeinträchtigt. Ich hege die Hoffnung, dass es nicht dazu kommen wird. So wie ich die Dinge aus heutigem Blickwinkel sehe, bin ich dagegen.“ 

Hier der Link zum Originalartikel: https://www.rt.com/news/398019-putin-us-diplomats-sanctions/  

Eine etwas realistischere Reaktion als jene von Präsident Putin kommt von Dmitri Suslow, seines Zeichens stellvertretender Direktor des russischen Rats für Außen- und Verteidigungspolitik sowie Programmdirektor von Präsident Putins Valdai Diskussionsrat.

Suslow versteht, dass die in den USA neu verabschiedeten und illegalen Sanktionen gegenüber Russland – unter Berücksichtigung des sich daraus ergebenden Vorteils zugunsten von US-Energieunternehmen – als nichts anderes als ein Akt der Aggression gegenüber Russland zu verstehen sind.

Ziel dieser neuen Sanktionen ist es, eine Verbesserung in den bilateralen Beziehungen zwischen den USA und Russland unmöglich zu machen. „Heute“, so Suslow, ist endgültig klar geworden, dass die USA unser Feind sind. Und die USA werden über einen langen Zeitraum unser Feind bleiben. Russland muss sein staatliches Waffenprogramm adjustieren, worin sich die unvermeidliche militärisch-politische Konfrontation mit den Vereinigten Staaten widerspiegelt. Wir sind aufgefordert, in strategische Abschreckung und in die Wartung des Systems zur garantierten gegenseitigen Zerstörung zu investieren.“

Und Suslow fährt wie folgt fort: „Vielleicht ist es unausweichlich, die Kooperation mit den Vereinigten Staaten im Hinblick auf Fragen zu beenden, die in erster Linie für die USA selbst wichtig sind. Beispielsweise erweisen sich die Vereinigten Staaten auf dem Gebiet der Weltraumforschung von Russland abhängig. Vielleicht ist es notwendig, Adjustierungen vorzunehmen und Teile des Kooperationsprogramms einzustellen. Gleichzeitig dürfte es sich als vorausschauend erweisen, unsere militärischen Kooperationen auf dem amerikanischen Kontinent auszuweiten. Und ich meine damit in erster Linie den Aufbau von Kooperationen mit Venezuela“, wie Suslow abschloss.

In Washington würde jedermann, der derart weit von der offiziellen Leitlinie abweicht, längst gefeuert worden sein. Es wird interessant sein zu beobachten, ob Suslow dazu in der Lage gewesen sein mag, den Russen ihren Blick auf die sich darstellende Realität zu schärfen. Denn momentan scheint in Russland noch kein ausgereiftes Bewusstsein im Hinblick auf die Gefahr  vor zu herrschen, dem sich Russland seitens Washingtons ausgesetzt sieht. Handelt es sich im Falle Russlands um eine Nation, die derart verzweifelt Teil des Westens sein möchte, so dass das Land mittels Selbsttäuschung und Illusionen regiert wird? Falls dem so sein sollte, ist ein Krieg unausweichlich.

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