Geld und Immobilien und umgekehrt

Geld

In letzter Zeit häufen sich die Diskussionen und Publikationen um unser Geld. Durchaus zu Recht. Oft wird zwischen Giralgeld und realem Geld unterschieden. Der treffende Begriff „Fiat Geld“ (fiat=es werde) taucht immer wieder auf.

So weit möchte ich in meiner Betrachtung heute gar nicht gehen. Wollen wir uns einfach mal klar machen, was Geld grundsätzlich ist, was es bewirkt und wie seine aktuelle und möglicherweise künftige Wechselwirkung zu Immobilien ist.

Geld ist schlicht ein allgemein (und übrigens gesetzlich verordnetes) akzeptiertes Tauschmittel. Geld ist ein Gut wie jedes andere Gut auch. Allerdings lässt es sich ausschließlich zu Tauschzwecken einsetzen. Nun kann man Geld auch zur Seite oder auf die hohe Kante legen, also sparen, wird mancher einwenden. Zweifelsohne ist Geld auch ein Wertaufbewahrungsmittel. Allerdings ist dies eine Unterfunktion der Tauschfunktion. Genauso wie die Funktion als Recheneinheit.
Die  Recheneinheitsfunktion ermöglicht das Tauschverhältnis zwischen Gütern in Form von Geld auszudrücken. Beispielsweise könnten zwei Hinkelsteine gegen ein Wildschwein getauscht werden. Wenn Geld (Recheneinheit) existiert, dann könnte man sagen, der Hinkelstein kostet eine Recheneinheit, das Wildschwein zwei. Nun geben wir der Recheneinheit noch einen Namen. Nennen wir Sie „Draghit“. Ein Hinkelstein in Draghistan kostet einen Draghit, ein Wildschwein zwei Draghit. Dies zeigt die Funktion des Geldes als Recheneinheit. Sie bleibt aber nichts anderes als ein Ausdruck der Tauschmittelfunktion.

Wenn nun ein Bürger Draghistans sein Geld zum Zwecke des Sparens nicht ausgibt, dann wird es zu einem Wertaufbewahrungsmittel. Allerdings spart es der Draghistaner letztlich auch nur, weil er es in der Zukunft ausgeben, also wieder als Tauschmittel einsetzen möchte. Es geht dabei nur um eine zeitliche Verschiebung der Tauschmittelfunktion.

Es bleibt dabei, Geld ist ein Tauschmittel.

Der Einsatz dieses Tauschmittels schafft gewaltigen Nutzen. Gäbe es in Draghistan nur den Warentausch, dann hätte unser Bürger mit den Hinkelsteinen ein Problem, wenn er ein Wildschwein möchte, der Wildschweinbesitzer jedoch keine Hinkelsteine. So müsste der Hinkelsteinbesitzer erst jemanden finden, der Hinkelsteine möchte und die eintauscht gegen ein Gut, welches der Wildschweinbesitzer möchte. Möglicherweise müsste unser Hinkelstein-Mann x Tauschvorgänge durchführen, bis er endlich das Gut bekommt, das der Wildschwein-Mann bereit ist gegen ein Wildschwein einzutauschen. So ausgehungert wie unser Hinkelstein-Mann bis dahin ist, braucht er vielleicht schon zwei Wildschweine.

In Draghistan gibt es jedoch Geld, den Draghit. Deshalb ist dort alles einfacher. Nun können Marktteilnehmer miteinander handeln, die vollkommen verschiedene Ziele verfolgen. Der Wildschwein-Mann will keine Hinkelsteine. Er will Blaubeeren. Er verkauft für zwei Draghit das Wildschwein an den Hinkelstein-Mann und von dem eingenommenen Geld seine Blaubeeren. Da er gar nicht so großen Hunger hat, gibt er dafür nur einen Draghit aus. Den anderen Draghit gibt er für Milch aus.

Die Verwendung von Geld vergrößert die Tauschmöglichkeiten enorm. Sie schafft neue Märkte und macht dadurch das arbeitsteilige (und damit produktive) Wirtschaften noch produktiver. 


Professor Dr. Polleit sagt dazu im Marktreport der Degussa Goldhandel GmbH:
„Die Verwendung von Geld hat jedoch noch einen weiteren Vorteil: Nur mit der Verwendung von Geld lässt sich die Wirtschaftlichkeit von aufwendigen Produktionswegen ermessen. Das Rechnen mit Geld beziehungsweise Geldpreisen liefert eine Antwort auf die Frage, wie die Menschen knappe Mittel einsetzen müssen, um ihre Ziele bestmöglich zu erreichen. Die moderne arbeitsteilige Produktion wäre ganz und gar unmöglich, wenn es keine Wirtschaftlichkeitsrechnung unter Verwendung von Geld gäbe. 
Moderne arbeitsteilig organisierte Volkswirtschaften zeichnen sich durch "Umwegsproduktion" aus, die in der Regel viel Zeit beansprucht.“

Dr. Polleit beschreibt den Sachverhalt in seinem Marktbericht dann mit dem Bau einer Brücke.  Ich möchte jedoch in Draghistan ein Miethaus bauen. Dafür  ist eine Vielzahl von vorangehenden Produktionsschritten notwendig. So müssen Arbeitswerkzeuge erstellt werden, es bedarf eines Transports von Material und von Arbeitskraft, der Produktion von Stahl-, Beton-, Stein-, Rohr-, Elektro-, Isoliermaterialien und vielem mehr. Technisch lässt sich die Produktion des Gebäudes genau beschreiben: Man braucht eine bestimmte Menge   Stahl, Zement, Rohre, Kabel, Arbeitsstunden etc.
Die "technische Bauanleitung" liefert dem Häuslebauer keine Information darüber, ob die verfügbaren Ressourcen ausreichen, die Produktion überhaupt erfolgreich durchgeführt werden kann. Sollte er vielleicht besser ein Parkhaus bauen oder doch ein Haus zur Eigennutzung?

Die technische Bauanleitung liefert diese Einschätzung nicht.

Dr. Polleit dazu wörtlich:

„Durch die  Verwendung von Geld und Geldpreisen (also das Ausdrücken der Produktionsfaktorpreise in Geld) kann der Handelnde kalkulieren. Er kann abschätzen, welche Produktionswege für ihn überhaupt durchführbar sind, welche sich für ihn lohnen und welche nicht. Nur mit einer Geldrechnung kann er seine knappen Produktionsfaktoren so einsetzen, dass dabei kein wichtigeres Ziel unerreicht bleibt. Ohne die Verwendung von Geld könnte der Handelnde auch nicht bestimmen, ob ihn die Durchführung einer Produktion besser oder schlechter stellt. 
Er könnte die in der Regel vielfältigen, nicht selten unüberschaubaren Verwendungsmöglichkeiten, die ihm offenstehen, nicht erfassen und gegeneinander abwägen. Ohne Geldrechnung könnte er nicht beurteilen, ob ihn eine Handlung besser stellt oder nicht, weil er den "Gewinn" beziehungsweise die "Kosten" seiner Anstrengungen nicht ermitteln kann. Mit anderen Worten: Ohne Geldrechnung könnte er nicht kalkulieren, er könnte keine Wirtschaftsrechnung anstellen. (…)
Ohne Geld wäre vor allem auch die heutige, international weit verzweigte Arbeitsteilung nicht durchführbar. Könnte man kein Geld verwenden, ließe sich auch die erreichte Produktionsleistung nicht aufrechterhalten - und damit auch nicht der materielle Lebensstandard vieler (…) auf diesem Globus. „

Der effektive Einsatz von Geld erfordert das Vorhandensein von Produktionsmitteln und Arbeitsteilung in einer freien Marktwirtschaft, in der Geldpreise für Waren und Leistungen  durch die Marktteilnehmer festgesetzt werden. Unternehmen können so schnell feststellen, ob sie bestimmte Güter überhaupt produzieren können oder nicht und ob diese konkurrenzfähig wären.

In Draghistan gibt es eine Zentralbank, die Geld erzeugt und den Preis, den Zins dafür festsetzt. Produziert die Zentralbank sehr viel Geld, verzerrt sie den freien Wettbewerb und kann durch diese übermäßige Produktion die Preise in Geld für Immobilien stark steigen lassen. Die Häuslebauer bauen dann noch mehr, da man so schön gewinnbringend verkaufen kann.  Die Nachfrage nach dem offensichtlich knappen Gut „Immobilie“ ist ja da. Irgendwann steigen jedoch alle Preise und die Investoren erkennen, dass die Knappheit eine Täuschung war. Tatsächlich sind genügend Immobilien da. Für viele zeigt sich nun, dass Investition eine Fehlinvestition war.


Der Wettbewerb ist (…) unlöslich Bestandteil, ja innerstes Element einer marktwirtschaftlichen Ordnung, so dass eine Eliminierung, Beeinträchtigung oder Behinderung schlechthin zu einer Sprengung des Systems überhaupt führen müssten. Ein Gleiches gilt hinsichtlich der Funktion des freien Preises. Er allein macht Leistungen messbar und vergleichbar, und nur über das Barometer der Preisentwicklung wird die Richtigkeit oder werden die Fehler unternehmerischer Dispositionen aufgezeigt. Nur an den Preisen ist abzulesen, ob im einzelnen zu viel oder zu wenig, ob Richtiges oder Falsches produziert worden ist. Aus diesem Grunde ist die fortdauernde Anpassung der Produktion an die Wandlungen des Verbrauchs eben nur über den freien Preis möglich. Darum müssen auch alle Maßnahmen, die zu einer Bindung oder Erstarrung der Preise führen, als mit dem Wesen der Marktwirtschaft unvereinbar konsequent abgelehnt werden.“

Aus: Erhard, Ludwig (1992) Die Ziele des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen [Rede in der Sitzung des Deutschen Bundestages am 24. März 1955], in: ders.: Deutsche Wirtschaftspolitik, Düsseldorf, S. 267-275.