Im vierten Teil dieser Reihe kommen wir nun zur Geldmenge M1.

Schon Alan Greenspan sagte einmal, dass es äußerst schwierig ist, den Begriff Geld genau zu definieren. Man vermutet, dass der einstige Herrscher über das FED, die vielen bunten Papierscheine, die es auf der Welt gibt und das zigfach mehr vorhandene Elektro-(Giral)geld mittlerweile nicht mehr als Geld sieht: Angeblich akzeptiert er als Bezahlung für Vorträge nur noch matt glänzende Goldmünzen.

Und so scheiden sich die Geister der monetären Fachwelt an der Frage, ob es sich bei den sogenannten Sichteinlagen, - also Ansprüchen auf Auszahlung von Bargeld tatsächlich um Geld handelt. Die eine Fraktion bezeichnet nur das gesetzliche Zahlungsmittel nämlich das Bargeld als „richtiges“ Geld. Für die andere Fraktion sind die Sichteinlagen ebenfalls Geld, - aus einem einfachen Grund: Sichteinlagen sind allgemein akzeptierte Zahlungsmittel.

Ich schließe mich an dieser Stelle der Meinung an, dass Sichteinlagen Geld sind und  möchte noch einen Schritt weiter gehen: Ich behaupte, dass wir durch den technologischen Fortschritt im bargeldlosen Zahlungsverkehr der letzten 30 Jahre nun in eine Phase eingetreten sind, in der die Sichteinlagen das Bargeld allmählich als Zahlungsmittel (wahrscheinlich bald sogar als gesetzliches) ablösen. Es ist eine ähnliche Entwicklung, wie bei der Metamorphose vom Goldgeld zum Papiergeld. Zunächst waren nur Gold- und Silbermünzen gesetzliche Zahlungsmittel, bis die Banknoten, die einen Anspruch auf Auszahlung von Gold und/oder Silber darstellten selbst zu Geld und schließlich sogar zum gesetzlichen Zahlungsmittel wurden.

Dazu eine kleine Geschichte: Neulich bin ich von einem netten Herrn in grüner Uniform geblitzt worden. Ich war zu schnell unterwegs. Denken Sie jetzt nicht, ich sei ein Raser! Ich war nur zwölf Stundenkilometer zu schnell, - allerdings in einer Tempo-20-Zone. Der Beamte wollte Geld von mir, - ich meine, es waren zwanzig Euro - lehnte aber die Bezahlung in Bargeld kategorisch ab. Er wies mich darauf hin, dass die Polizei in Nordrhein-Westfalen schon seit geraumer Zeit kein Bargeld mehr als Zahlungsmittel akzeptiere. Falls ich keine EC-Karte dabei habe, bestünde die einzige Möglichkeit meine Strafe zu zahlen darin, mit Hilfe eines Zahlscheins eine Überweisung an die Stadtkasse zu tätigen.

So gibt es mittlerweile viele Bereiche, in denen Zahlungen mit dem „gesetzlichen“ Zahlungsmittel Euro nicht mehr möglich sind, obwohl eigentlich eine gesetzliche Annahmepflicht dieser Banknoten besteht. Finanzämter, viele Internethändler, aber auch immer mehr Firmen (z.B. manche Supermärkte in den Niederlanden) akzeptieren keine Barzahlungen mehr, sondern nur noch das Umbuchen von Compterzahlen zur Schuldentilgung.

Die Frage, ob diese Entwicklung gewollt und bewußt gesteuert wird, ist ungeklärt. Außer Frage steht jedoch, dass diese Entwicklung massiv vorangetrieben wird. Man denke nur an Experimente mit Supermarktkassen, die es ermöglichen mit seinem Fingerabdruck den Abbuchungsvorgang des Zahlbetrages vom Girokonto zu veranlassen. Vielleicht ergeht es uns Menschen aber auch eines Tages wie meinem Hund, der als Welpe gechipt wurde und wir mit einer implantierten Geldkarte bezahlen werden.

So einfach und bequem die Zahlung mit Karten auch ist, es bleibt festzuhalten, dass die Form des elektronischen Zahlungsverkehrs auch große Nachteile und Risiken birgt in Bezug auf die Freiheit der Menschen. Jede Zahlung und somit auch jede gekaufte Ware können einem Menschen zugeordnet werden. Als Beispiel sei hier der Online-Buchhandel genannt. Gekaufte Bücher werden in Zusammenhang mit dem Käufer gebracht und die Bücher, die ein Mensch liest lassen große Rückschlüsse auf sein Denken und seine Gesinnung zu.

Vielleicht werden Sie sagen, dass es sie nicht stört, wenn es nachvollziehbar ist, was Sie lesen, aber man sollte sich immer bewußt sein, dass es in der Geschichte immer schon zu radikalen Regierungswechseln gekommen ist und die ehemaligen Bürger der DDR können sich sicher noch daran erinnern, dass manche Bücher aus ihren Weihnachtspäckchen gefilzt wurden. Wir sollten uns bewußt sein, dass in vielen Ländern der Welt politische Oppositionelle verfolgt, verhaftet und gefoltert werden. Und auch in Deutschland gab es schon Zeiten, in denen Bücher und sogar Gemälde verbrannt wurden.

Für mich hat sich folgende Definition von Geld als sehr hilfreich erwiesen: Geld ist eine Vereinbarung zwischen Menschen, ein bestimmtes Medium als Tausch- und Schuldentilgungsmittel zu verwenden und gegenseitig zu akzeptieren. Welche Form dieses Geld hat spielt dabei ebenso keine Rolle, wie die Frage, ob Geld grundsätzlich Schuld sein muss, um Geld zu sein. Doch das ist ein  anderes Thema, auf das ich an anderer Stelle eingehen werde.

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