Finanziert aus dem Bruchteil eines hohen Verkaufserlöses – Leider keine Hinweise für die geplante Verwendung dieser eigenen Aktien

Aktienrückkäufe von Börsengesellschaften sind nicht Jedermanns Sache. Das übliche und immer schnell hervorgeholte Argumente, dass durch den Rückkauf die Zahl der Aktien sinke und damit der auf die Aktie umgerechnete Gewinn je Aktie steige und damit dann auch der Kurs positive Impulse erhalte, ist letztlich unter Bewertungsaspekten nicht unbedingt schlüssig. Es kommt immer auf den Einzelfall an und Aktionäre sollten bei der Bekanntgabe eines solchen Aktienrückkaufs durch ihre Gesellschaft nicht gleich ins Jubeln ausbrechen sondern erst einmal genau hinschauen, wie der einzelne Fall gestrickt ist. (vergl. hierzu meine früheren Beiträge auf Cashkurs: „Aktienrückkäufe immer kritisch betrachten“ (14.3.2017) oder „Aktienrückkäufe – auch bei Siemens – kritisch betrachten“ vom 5.9.2012).

Jetzt hat die Deutsche Börse einen solchen Aktienrückkauf für die anstehende Hauptversammlung am 17. Mai 2017 vorgeschlagen. Für den Autor ein Anlass, die Börse, nicht nur als börsennotiertes Unternehmen, sondern als Veranstalter einer der großen Börsen in der Welt nach den Intentionen für einen solchen Aktienrückkauf zu befragen. Dazu die Fragen und die leider etwas sehr kurz und formalistisch ausgefallenen Antworten der Börse:

1 – Werden die Aktien aus dem Aktienrückkauf eingezogen, das Kapital also herabgesetzt? Oder werden diese Aktien im Bestand gehalten, um sie später zu verwenden, sei es als quasi Tauschwährung z.B. bei einer Übernahme, für Belegschaftsaktien oder sonstige Zwecke?

Verwendungszwecke sind in der Tagesordnung der Hauptversammlung ausführlich erläutert.

Aber diese aktienrechtlich basierten Erläuterungen nun hier auszubreiten würde aus diesem Beitrag eine Broschüre machen. Zwei Teilaspekte:

Tagesordnungspunkt 5, Absatz d) :

.“.können über ein Angebot an alle Aktionäre veräußert werden und zu allen gesetzlich zulässigen Zwecken:

(1) ..gegen Sachleistungen, als Gegenleistung im Rahmen von Unternehmenszusammenschlüssen, ..zum Erwerb von Unternehmen, Beteiligungen...

(2) ..Ausgabe an Arbeitnehmer und Pensionäre

(3) Aktien können eingezogen werden ...ohne neuerlichen HV-Beschluss...

Soweit die Tagesordnung, also ein breites Spektrum an theoretisch bestehenden Verwendungsmöglichkeiten von eigenen Aktien. Aber was konkret geplant ist, wäre das Interessante gewesen.

2 – Warum wählen sie die Form des Aktienrückkaufs und nicht die Form einer direkten Ausschüttung an die Aktionäre, wobei mit einem Bonus der a.o Charakter dieser Ausschüttung dokumentiert werden könnte.

Dazu: Hat die derzeitige Akltionärsstruktur der Deutschen Börse zu der Entscheidung für einen Aktienrückkauf – und keinen Bonus – beigetragen?

Die Entscheidung über Dividende wurde schon vor Scheitern des Zusammenschlusses mit der LSE getroffen (Mitte Februar).

Der Autor hatte mehr an einen Einfluss durch den hohen, über 80 Prozent liegenden Anteil ausländischer Aktionäre gedacht, eigentlich nicht an die geplatzte Fusion mit der Londoner Börse.

3 – Erwarten sie durch den Aktienrückkauf einen (nachhaltigen) Einfluss auf den Aktienkurs? Bekanntlich mögen Bondholder und Kreditgeber Aktienrückkäufe nicht unbedingt, weil dadurch der Leverage steigt. Wird deshalb nur ein relativ kleiner Betrag in die Hand genommen, und das nur aus Sondererlösen?

Unser „Leverage“ verändert sich dadurch nicht, da Ratingagenturen die verfügbaren Barmittel nicht berücksichtigen. Der Betrag ergibt sich aus der Balance zwischen Investitionen und Ausschüttungen.

4 – Teilen sie das oft zu hörende Argument, dass infolge von Aktienrückkäufen der Gewinn je Aktie (rein mathematisch) steigt und das dann positiv auf denn Aktienkurs wirkt?

Grundsätzlich ja, aber da gibt es natürlich viele andere und wichtigere Faktoren.

5 – Würden sie auch ohne Sondererlöse bei entsprechender Ertragsentwicklung generell zu Aktienrückkäufen tendieren oder dann doch eventuell Barausschüttungen vorziehen?

Grundsätzlich ist unsere Ausschüttungspolitik rund 50% in Form der regulären Dividende. Wenn es Mittel gibt, die nicht investiert werden, kann man über andere Formen nachdenken.

6 – Sind sie, mit mir, der Meinung, dass eine solche Kapitaltransaktion einer Börse eine ganz besondere Vorbildfunktion für alle anderen börsennotierten Unternehmen hat, also ganz besonders gut überlegt und durchdacht sein muss?

Ist üblich unter börsennotierten Börsen (LSE, ISE, Nasdaq, etc.) und es gibt klare gesetzliche Rahmenbedingungen.

7 – Sind in ihren Augen Aktienrückkäufe, die nur auf eine positive Reaktion des Börsenkurses setzen, und vielleicht auch noch mit Fremdkapital finanziert werden, nicht unsinnig und können darüber hinaus eventuell sogar negativ für den Börsenkurs ausfallen?

Bei Einsatz von Fremdkapital eventuell ja, aber hängt stark vom Einzelfall ab.

(Und gerade zu dem Einzelfall Deutsche Börse hätte der Autor – und der Leser sicher auch - gerne konkretere Hinweise erhalten.)