Gerade, wenn man nicht im Urlaub, oder gerade wieder daheim angekommen ist, sind die Geschichten zum Thema Urlaub oft schmerzlich. Noch schmerzlicher aber, als gerade einmal nicht wegfahren zu können, ist es, wenn man wartet, bis die Urlauber kommen, und sie kommen nicht. Da in Deutschland der Urlaub in der Heimat wieder als standesgemäß gilt, und es möglich ist, ohne gleich mit gehäkelten Klorollen auf der Hutablage in Verbindung gebracht zu werden ins schöne Emsland zu pilgern, erfreut sich dieser Urlaub zunehmender Beliebtheit. Auch die Sprachbarriere ist innerhalb des deutschsprachigen Raums – mehr oder weniger – flach und leicht zu überwinden. Doch wie es oft ist, hat auch dieses begrüßenswerte Phänomen eine Schattenseite, die sich dort zeigt, wo man eigentlich für den einen oder anderen Quadratmeter Schatten sehr dankbar ist. In Spanien. Die aktuellen Zahlen des Instituto de Estudios Turisticos in Madrid sind erneut ein Bild des Jammers, das man durchaus auf den ersten Blick mit den spanischen Häuserpreisen verwechseln kann. Zu einem „stell Dir vor es ist Urlaub und keiner geht hin“ könnte man den guten alten Friedensbewegungsschlachtruf auf der iberischen Halbinsel verbiegen.Auf Jahresbasis strömten insgesamt gut 10% weniger Touristen nach Spanien. Besonders deutlich ist der Rückgang bei den deutschen, britischen und irischen sowie den holländischen Gästen.

Angesichts der trüben Aussichten für die Konjunkur der Nachbarländer, die anhaltende Arbeitsplatzunsicherheit und der - durch den Euro bedingten - fehlenden Wechsekursflexibilität gehen im nach dem Bausektor zweitwichtigsten Wirtschaftssektor (ca. 11% des BIP) so langsam die Lampions aus. Geht man von einer Stabilisierung des Sektors aus, was wohl als optimistisch gelten darf, werden die Touristenzahlen für 2009 unter den Werten des Jahres 2000 landen. Klingt nicht schlimm, trifft aber auf eine in den Jahren gewachsene bzw. teils aufgeblasene Infrastruktur. Da schließt sich dann der Kreis zum arg in Schieflage befindlichen Bausektor.

Selbst wenn man annimmt, dass der Bausektor weder wächst noch schrumpft – wiederum ein sehr optimistischer Gedanke – müsste angesichts der Größe dieser beiden Sektoren die verbliebene Wirtschaft massiv wachsen, was weder bei der Industrie noch beim Agrarsektor realistisch ist.

Nachteilig wirkt sich neben den fehlenden Einnahmen durch die gar nicht erst anreisenden Urlauber auch die größere Sparsamkeit derjenigen aus, die ihre freien Tage unter der iberischen Sonne verbringen. Insgesamt schlagen diese Probleme direkt auf die Zimmerpreise durch, wie der spanische Hotelpreis Index in der unten stehenden Grafik verdeutlicht. Sinkende Hotelpreise bedeuten aber nichts anderes als sinkende Renditen auf die Hotelimmobilien, was sich in der Folge in niedrigeren Verkaufspreisen für die Gebäude niederschlägt.

Das Ganze setzt den bekannten Prozess in Gang: Sinkende Preise führen zu nicht mehr funktionierenden (oder uninteressanten) Finanzierungen, Zwangsversteigerungen sorgen für weiteren Druck auf die Preise. So stellt der zweitwichtigste Sektor nun dem Bausektor ein Bein, und die Reste der spanischen Ökonomie sind nicht in der Lage, diese Effekte zu mildern. Nimmt man einmal die Hotelpreise als Anhaltspunkt für die Größenordnung der sinkenden Einnahmen, so ergibt sich aus 10% weniger Touristen und der bei den verbliebenen 90% gelebten Ausgabenreduzierung von etwa einem Zehntel insgesamt ein Rückgang der Einnahmen des Tourismusgewerbes um satte 20%. Das kann man finanziell nicht lange mit dem gesamten Personalbestand überleben. Weitere Arbeitslosigkeit ist die Folge und die üblichen Ideen, die der politischen Kaste im Rahmen ihrer „Konjunkturprogramme“ so in den Sinn kommen, drehen sich meistens um öffentliche Bauprojekte. Diese traurigen Versuche einer erneuten Aufblähung des Sektors sind wenig Erfolg versprechend. Aber vielleicht neigt man in Spanien ja bald nicht mehr zum Süd- und Nordbalkon sondern ganz unbescheiden zum Süd- und Nordhaus, das würde den Überschuss an Immobilien zumindest ein wenig einschränken.

Also, wer neben seinem persönlichen Steuerbeitrag zu den Strukturbeihilfen der EU (auch „Brücken für die Welt Programm“ genannt) etwas für die spanische Wirtschaft tun möchte, kann das sogar im Liegen tun (Handtuch nicht vergessen). Obwohl die Nordsee auch auch nicht schlecht ist. Und mit dem Kauf einer Immobilie in Spanien können Sie sich noch Zeit lassen. Nach fest kommt bekanntlich ab und nach „ach wie günstig“ kommt meistens „oh, noch günstiger“. Hasta luego.