Herr Professor Werner, Sie sind Freund der Sozialen Marktwirtschaft. Was beinhaltet das für Sie?

Soziale Marktwirtschaft ist, wenn man für andere Menschen da ist. Wirtschaft ist ein „Füreinander Leisten“. Sie leisten beispielsweise gerade für Ihre Leser. Die Sache wird dann nicht sozial, wenn die Menschen meinen, sie leisten für sich selbst.

Sie praktizieren dies auch in Ihrem­ Unternehmen selbst und das sehr drastisch. Zahlt es sich denn am Ende aus?

Wenn man etwas Vernünftiges macht, zahlt es sich am Ende immer aus. Sie wissen ja auch nicht, wie es anders gewesen wäre. Sie können nur das machen, was Sie vertreten können, was Sie verantworten können. Es ist für mich nicht die Frage, ob es sich auszahlt sondern, ob ich es vertreten kann.

Sie sprechen in Ihrem Buch über das „Sinn finden”. Kann es auch für ein Unternehmen Werkzeug sein, beispielsweise beim Kunden oder beim Mitarbeiter durchzudringen?

Das ist doch die Grundlage! Wenn etwa das, was Sie hier tun, nämlich mich interviewen, keinen Sinn macht, dann lassen Sie es lieber bleiben. Darauf müssen Sie achten: Vor allem, was ich in meinem Leben tue, steht die Frage: Kann ich es verantworten? Verantworten kann ich es nur, wenn es einen Sinn macht. Einen Sinn muss es für den machen, für den ich es tue.

Wie sehen Sie die Soziale Marktwirtschaft gerade in Deutschland denn momentan aufgestellt?

Immer unzulänglicher. Deswegen hat sich schon Ludwig Erhard die Haare ausgerauft. Wir brauchen Zielsetzungen, eine Art Polarstern, an dem wir uns messen. Und da muss sich jeder Einzelne fragen: ,,Halt mal, woran messe ich mich denn?”

Was wir tun ist ja immer suboptimal. Maximal, das schaffen wir nicht, wir sind nicht der Schöpfer aber wir können gucken und innerhalb der Rahmenbedingungen tun, was Sinn macht.

Sie lernen nun auch viele Unternehmen in Deutschland kennen, zum Beispiel Ihre Zulieferer. Wie ist es denn da mit der Unternehmenskultur? Nehmen sich viele schon ein Beispiel an Ihrem Wirken oder geht es da doch teilweise etwas sehr hart zu?

Kurze Antwort: Einer ist besser als der Andere. Das können Sie schlicht nicht so einfach sagen, denn das sind ja die Wechselfälle des Lebens. Es kommt immer auf den Einzelfall an. Die Frage ist, was die Menschen sich zum Ziel setzen. Ob sie sich auch die Frage stellen: ,,Warum tun wir das, was wir tun?” In dem Moment, in dem sie die Frage nicht nach dem Know-how sondern nach dem Know-why stellen, müssen sie die Sinnfrage beantworten. Und wenn die Menschen die erstmal beantwortet haben, sind sie schon ein ganz großes Stück weiter, nämlich wie es bei Goethe heißt: ,,Ein guter Mensch in seinem dunklen Drange ist sich des rechten Weges wohl bewusst.” Und das müssen Sie sich fragen, von morgens bis abends.

Sehen Sie denn in Deutschland trotzdem die Tendenz, dass man sich sehr in Details verliert und weniger über das Große und Ganze nachdenkt?

Ja, das ist immer die Gefahr, dass wir uns in Details verlieren. Das merken Sie, wenn sie morgens zwar pünktlich aufgestanden sind, aber trotzdem zu spät dran sind. Was haben Sie gemacht? Sie haben sich in Details verloren. Das war ein ganz banales Beispiel aber das machen wir von morgens bis abends. In das, was wir tun, mehr Bewusstsein hineinzustecken, das ist die Aufgabe unserer gegenwärtigen Zeit.

Würden Sie denn sagen, Ihnen war es in die Wiege gelegt, dass sie so denken können oder mussten Sie das lernen? Können das andere lernen?

Man muss darauf aufmerksam werden. Und wenn man darauf aufmerksam wird, dann kann man das auch. Wie der Fichte, der gesagt hat: ,,Der Mensch kann, was er will. Kann er nicht, dann will er nicht.” Also: Man muss wollen!

Vielen Dank, Herr Prof. Werner.

Dieses Interview ist in der Zeitschrift "ERFOLG" erschienen. Die vollständige Ausgabe finden Sie unter dem nachfolgenden Titelbild.