Der amerikanische Immobilienmarkt war der Auslöser in 2007, der mit seinem Platzen die Finanzkrise auslöste und damit die gesamte Weltwirtschaft ins Wanken brachte. Gerne wird dieser als Maßstab für den Zustand und die Erholung der US-Wirtschaft herangezogen.

Nachdem dann die großen Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac nach zu spekulativen Geschäften durch den Staat gerettet werden mussten, haben diese sich nun wieder vollständig erholt und verdienen bereits wieder prächtig! Im letzten Quartal konnte der Hypothekenfinanzierer Freddie Mac den zweitgrößten Gewinn seiner Unternehmensgeschichte vermelden. Jedoch werden 4,4 Milliarden Dollar oder 88% des Gewinns direkt in Form von Dividenden an die US-Regierung gezahlt, welche sich mit 190 Milliarden Dollar an der Rettung beteiligt hatte. Damit sind von beiden Banken bereits 131 Milliarden Dollar zurückgezahlt worden.

Das Schwesterinstitut Fannie Mae hatte bereits im Juni die Rekordsumme von 59,4 Milliarden Dollar an den Staat zurückgezahlt. Gegensätzlich zum deutschen Standard, wie im Falle der Commerzbank, ist es den beiden zuvor börsennotierten Unternehmen jedoch untersagt den Staat als Anteilseigner wieder herauszukaufen. Wenn man diesen Vergleich weiter dreht, fällt auch auf, dass die Commerzbank die Rückzahlung an den Staat zum großen Teil nur durch kursschädigende Kapitalerhöhungen schaffte, anstatt wie die beiden US-Banken durch hohe Gewinne.

Nun plant Obama jedoch noch einen Schritt weiterzugehen und will die beiden aktuell hochprofitablen Unternehmen liquidieren.

Grundsätzlich stellen sich hier nun zwei Fragen:

  • Wie konnten die Hypothekenfinanzierer sich so schnell erholen und welche Gefahren birgt dieser schnelle Wandel?
  • Welchen Hintergrund hat die von Barack Obama geplante Liquidierung der beiden Institute?

Zur ersten Frage: Wie bereits vor der Krise betreiben beide Institute wieder exakt das gleiche Geschäftsmodell, welches daraus besteht Hypothekenkredite von Banken aufzukaufen, um diesen neuen Spielraum für weitere Kredite an Verbraucher zu geben. Dies stimuliert den Immobilien-markt und so lange die Preise stabil bleiben oder sogar steigen sind Sicherheiten garantiert und Gewinne vorprogrammiert! (Und wie man in den USA ja bereits weiß geht die Preisspirale unaufhörlich nach oben.) Daher bestehen also erste Gefahren für eine erneute Blasenbildung im gleichen Sektor, der bereits die Krise in 2007 auslöste! Die beiden Grafiken sind zwei Indikatoren für den Aufschwung des Immobilienmarktes.

Sowohl die Anzahl der Häuser in Privatbesitz, sowie der „Wilshire REIT Price Index“, welcher angibt, wie sich die Investment Trusts spezialisiert auf Immobilien entwickeln haben, legen kräftig zu. Dieses schnelle Wachstum ist für viele Kritiker ein Dorn im Auge, da dies häufig zu unkontrollierbaren Blasen führt. Ebenso ist es als kritisch anzusehen, dass nach vielen Zwangsvollstreckungen Immobilien in den Händen der Banken liegen, die den Markt und seine Preise damit vollständig kontrollieren. Dies ist sicher auch ein Grund warum die Investmentaktiengesellschaften mit ihrer Spezialisierung auf Immobilien bereits wieder kräftig verdienen.

Schlussendlich lässt sich also die Vermutung anstellen, dass ein Teil der scheinbaren Erholung nur auf dem Gerüst der Bankgeschäfte basiert, die wieder ordentlich Kasse machen und vielleicht sogar schon in die nächste Blase schliddern.

Nun stellt sich zum zweiten die Frage warum Barack Obama plant, die beiden größten Hypothekenfinanzierer in den kommenden Jahren zu liquidieren. Nachdem der Präsident der USA den Investmentbanken den Kampf erklärt hat steht dieser nun natürlich in der Bringschuld, den beiden Schwesterinstituten nicht wieder die alten Freiheiten zu gewähren. Über die Hälfte aller Hypothekenschulden liegen bei Freddie Mac und Fennie Mae, sodass bereits wieder eine hohe, ja vielleicht zu hohe Abhängigkeit besteht. Da sich auch Hedgefonds mittlerweile in das Spiel um die Aktien der beiden Unternehmen eingeschaltet haben, und die Mühle der Spekulation wieder voll und ganz zu laufen scheint, darf der US-Regierung nicht noch einmal ein solches Malheur gerade jetzt unter staatlicher Aufsicht passieren. Sei es aus Gründen des Populismus in Bezug auf die US-Bürger, die mit ihren Steuereinnahmen damals einspringen mussten oder tatsächlich ein schlauer Schachzug, um endlich die notwendige Umstrukturierung des gesamten US-Immobilienmarktes voranzutreiben bleibt abzuwarten. Jedoch wird auch Obama am Ende nicht darum herum kommen der mächtigen Finanzlobby ein Stück entgegenzukommen.

Ihr Andreas Meyer

Quelle: Handelsblatt, Federal Reserve Bank of St.Louis


Dirk Müller sowie die Finanzethos GmbH haben sich verpflichtet, den Kodex des Deutschen Presserates für Finanz- und Wirtschaftsjournalisten einzuhalten. Der Verhaltenskodex untersagt die Ausnutzung von Insiderinformationen und regelt den Umgang mit möglichen Interessenkonflikten. Die Einhaltung des Verhaltenskodex wird jährlich überprüft. Dies gilt auch für die für Dirk Müller oder für Finanzethos GmbH tätigen freien Journalisten.