Kurse rauf oder runter? Dieses niemals abreißende Thema beschäftigt die Finanzmärkte mehr als alle andere Entwicklungen an jedem einzelnen Tag der Woche. Auffallend ist, dass sich die Warnungen vor unerwartet einsetzenden Kursrückgängen an den Vermögensmärkten in den vergangenen Wochen und Monaten deutlich gehäuft haben.

Wenn die Bullen zu Bären werden

Es sind nicht einmal so sehr die üblichen Verdächtigen, die vor dem potenziellen Einsetzen eines neuen Bärenmarktes mahnen, sondern vielmehr Persönlichkeiten, die bis dato vermehrt im Bullenlager gestanden hatten. Darunter befindet sich beispielsweise auch Bridgewater-Gründer Ray Dalio.

Laut Aussage Dalios aus der vergangenen Woche sei unverkennbar, dass die Ära des billigen Geldes ihrem Ende entgegenblicke. Wie Dalio in einem auf LinkedIn geposteten Statement bekannt gab, hätten Notenbanker rund um den Globus „klar und unmissverständlich“ deutlich gemacht, dass die über einen Zeitraum von neun Jahren vorherrschende Politik des billigen Geldes zu Ende ginge

Die Party des billigen Geldes ist bald vorbei

Das Gros der Notenbanken habe sich bereits auf eine Strategieverlagerung fokussiert, die nicht nur mit einem Auslaufen von QE, sondern auch mit Zinsanhebungen einherginge, so die Ansicht Dalios.

Die Notenbankführungen gingen das Risiko ein, den nächsten Abschwung einzuläuten, falls diese Strategieverlagerung schief ginge. Wer sich dieser Tatsache bewusst geworden sei, tanze zwar noch immer zur spielenden Musik auf der Tanzfläche, jedoch nicht ohne die Lage argwöhnisch zu beäugen, um in gegebenem Falle das Weite zu suchen, so Dalio.    

Diese Aussage Dalios fasst eigentlich alles zusammen, was wir in den vergangenen Jahren landauf, landab kritisiert hatten. Einmal mehr haben Notenbanken mittels ihrer Geldpolitik dafür gesorgt, ungeahnte Blasen an den Finanz- und Vermögensmärkten aufzupumpen.

Jetzt, wo sich langsam aber sicher ein Ziehen des (Liquiditäts-)Steckers abzeichnet, beginnt bereits das scharfe Beäugen der Konkurrenz bei generell wachsendem Misstrauen unter den großen Finanzplayern.

Moral Hazard funktioniert nicht ewig!

Kommt es letztendlich unweigerlich zum nächsten Crash der Preise an den Finanz- und Vermögenswerten, wird sogleich abermals nach Notenbanken und Staat gerufen, die seitens wettschiefliegender Institutionen und Privatinvestoren zu erneuten (Null-)Zinssenkungen und/oder der Verabschiedung von neuen QE-Programmen samt Staatsbailouts aufgefordert werden.

Was ist das für eine Welt? Unter diesen „Investoren“ hat sich eine Vollkaskomentalität breit gemacht, die zur Grundlage hat, den Steuerzahlern dieser Welt unverblümt in die Tasche greifen zu können, wenn wieder einmal Not am Mann sein sollte.

Die meisten Staatsregierungen hatten im Angesicht der letzten großen Finanzmarktkrise in den Jahren 2008 und 2009 ja auch deutliche Zeichen gesetzt, dass eine solch vollkommen abstruse Erwartungshaltung in der Zukunft en vogue und akzeptabel sei. Seitdem ist der so genannte Moral Hazard völlig aus dem Ruder gelaufen.

Niemand muss für seine eigenen Entscheidungen mehr Verantwortung übernehmen. Wenn es kracht, wird abermals der Versuch unternommen, dem arbeitenden Steuerzahler die eigens angefallenen Verluste aufzubürden.

Werte Leser, auf eine solche Weise funktioniert ein kapitalistisches System jedoch nicht – und kann auf einer solchen Basis auch nicht langfristig funktionieren!

Wenn die Musik aufhört zu spielen, wird es diesmal richtig bitter

Kehren wir an dieser Stelle zu den getätigten Aussagen von Ray Dalio zurück. Bereits im Mai teilte Dalio gegenüber CNBC mit, Angst vor der Zukunft zu haben. Diese Besorgnis resultiere vor allem an seiner persönlichen Erwartungshaltung, nach welcher die Heftigkeit des nächsten Abschwungs zu noch weit größeren sozialen und politischen Konflikten führen werde als dies momentan der Fall sei.

Aus Sicht der Finanzmärkte sei den Zentralbanken für ihre geldpolitischen Entscheidungen in Folge der Krisenjahre 2008 und 2009 zu danken. Denn Zentralbanken hätten in den letzten Jahren für ein „wundervolles Investmentumfeld“ an den Finanzmärkten gesorgt. Dass Dalio nun vor einem absehbaren Ende der spielenden Musik auf der Tanzfläche warnt, lässt gewiss tief blicken.

Manche Finanzmarktveteranen haben bislang unterschiedlich auf Dalios Statement reagiert. Denn Dalios Aussage ist zu sehr angelehnt an das einstige Statement von Chuck Prince, dem ehemaligen Vorsitzenden der Citigroup, aus dem Jahr 2007.  Damals betonte Prince in einem Interview mit der FT, dass eine kreditgetriebene Buyout-Party ihrem Ende entgegenblicke.

Als die Musik dann tatsächlich aufhörte zu spielen, wurden wir uns darüber bewusst, was dies bedeutete.