Welche „Anzeichen der Gefahr und der Eskalation“ sieht Bolton?

Sich desselben Arsenals von Lügen bedienend, das auch schon im Vorfeld der Kriege gegen den Irak, Libyen, Syrien und Venezuela gesponnen wurde, holt Bolton nun gegen den Iran aus, indem er „Anzeichen der Gefahr und der Eskalation“ eines bevorstehenden iranischen Angriffs auf amerikanische Militärkräfte im Mittleren Osten an die Wand malt.

Um sich gegen einen solchen Angriff zu schützen, hat Bolton angeordneten, Patriot-Raketen, eine Flugzeugträgerflotte sowie ein Bombergeschwader in die Region zu entsenden. Selbst die israelische Zeitung Haaretz wies darauf hin, dass Bolton es bislang ausgelassen habe, die „Anzeichen für Gefahr und Eskalation“ hinsichtlich der iranischen Maßnahmen zu benennen. Auch niemand anderes hat solche Anzeichen bisher ausmachen können.

Wird eine False-Flag-Attacke vorbereitet?

Der Grund für eine Verbringung von Patriot-Raketen in die Region resultiert nicht aus dem Wunsch, den Iran von einem Angriff auf amerikanische Militärkräfte abzuhalten, sondern Teheran von einer erfolgreichen Reaktion auf einen Angriff gegen den Iran abzuhalten.

Die aktuelle Situation stellt sich aus meiner persönlichen Sichtweise wie folgt am wahrscheinlichsten dar: Das Abkommen zwischen den Ziocons in Washington und (Israels Premier) Netanyahu beruht darauf, dass entweder Israel amerikanische Schiffe - oder was auch immer dafür auserkoren worden sein sollte - attackieren wird, um einen solchen Angriff hernach dem Iran in die Schuhe zu schieben.

Trump sähe sich dann dazu gezwungen, „Amerika zu verteidigen“ und zurückzuschlagen. Oder Israel wird den Iran im Angesicht einer amerikanischen Rückversicherung und mit Rückendeckung Washingtons angreifen, um den Iran in die Schranken zu weisen. Im Rückspiegel der Ereignisse sieht sich der Iran bereits seit einiger Zeit exzessiven und anhaltenden Provokationen durch Washington ausgesetzt.

Ausstieg aus Atomabkommen als Provokation

Allen voran gehört hierzu der einseitige Ausstieg des Weißen Hauses aus dem Atomabkommen mit dem Iran, eine Wiedereinführung von US-Sanktionen samt einer endlos langen Kette von falschen Behauptungen und Anschuldigungen gegen den Iran, so wie es Washington auch in Bezug auf Russland, Syrien, den Irak, Libyen, Venezuela und den Jemen vorexerziert hat.

Es braucht gewiss nicht mehr allzu viel, um die Emotionen der Iraner anzustacheln. Trump hat sich in diese Situation hineinmanövrieren und manipulieren lassen. Er scheint in eine Falle gegangen. Falls Bolton und Netanyahu die Vereinigten Staaten in einen Krieg gegen den Iran hineinziehen wollen, so wird es fortan ihnen obliegen, darüber zu entscheiden.

Hisbollah-Unterstützung soll gebrochen werden

Und beide wollen die USA in einen Krieg gegen den Iran verwickelt sehen. Sowohl der Iran als auch Syrien stehen hinter der Hisbollah - und es ist die Hisbollah, die Israel bislang mit Erfolg von einer Annexion des Südlibanons abhält.

Israel hat bereits zwei Mal einen solchen Versuch unternommen, nur um die Erfahrung zu machen, dass seine Armee, die sich insbesondere im Töten von unbewaffneten Frauen und Kindern im Gaza-Streifen hervortut, auf recht schnelle Weise durch die Hisbollah besiegt wurde.

Aus diesem Grund gehört es zu den höchsten Prioritäten Israels und dessen neokonservativen Verbündeten in Washington, die Unterstützung der Hisbollah zu brechen. Washingtons Neocons blicken darüber hinaus auf eine Reihe von anderen Gründen, um Chaos im Iran auszulösen.

Russland drohen hohe Selbstkosten im Falle der Unterstützung des Iran

Falls Bolton sich dazu in der Lage sähe, im Iran eine ähnliche Situation – gleichsam jener der durch die USA geschaffene Lage in Libyen, im Irak und in Syrien – zu kreieren, ließen sich durch Amerika ausgerüstete und unterstützte Dschihadisten in diversen Muslim-Provinzen der Russischen Föderation infiltrieren.

Washington drängt auf eine Bestrafung Russlands aufgrund von dessen unabhängiger Außenpolitik in globalen Angelegenheiten. Aus Sicht Russlands sind die drohenden Gefahren im Iran größer als seinerzeit im Falle Syriens. Russland könnte dem Iran nur zu immens hohen Selbstkosten zur Seite stehen. Auch China blickt auf die Wahrung von eigenen Interessen.

Erdöl: China abhängig von Iran – Krieg hätte enorme Dimensionen!

Solange die russische Energie-Pipeline von Russland nach China nicht fertiggestellt worden ist, benötigt China Erdöllieferungen aus dem Iran. Indem Chaos im Iran ausgelöst wird, sähe sich China durch sinkende Energielieferungen stranguliert.

Der Krieg, den Bolton und Netanyahu vorbereiten, um Trump in diesen Krieg letztendlich hineinzumanövrieren, wird voraussichtlich von weit größerem Ausmaß sein als es sich beide zum jetzigen Zeitpunkt vorzustellen vermögen.

Gastbeitrag für CK*Wirtschaftsfacts / © 2019 Dr. Paul Craig Roberts / Institute for Political Economy