Glaubwürdigkeit im Abseits

Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1388 (07.35 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1335 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 111.37. In der Folge notiert EUR-JPY bei 126.82. EUR-CHF oszilliert bei 1.0920.

Manchmal fällt es schwer, die richtigen Worte zu finden. Dieses Wochenende lieferte eine Reihe von belastbaren Erkenntnissen, die die Frage nach der Glaubwürdigkeit einiger unserer Institutionen und der mit den Führungsaufgaben betrauten Personen, die landläufig als Eliten bezeichnet werden, aufwerfen.
Die von Wikileaks veröffentlichten Telefonmitschnitte aus der Führungsriege des IWF, die das Thema einer Destabilisierung der Eurozone über die Lösung des Griechenlandproblems hoffähig machen, werfen Schatten auf den Komplex der Lösung des Griechenlandproblems. Frau Lagarde bemühte sich, mit einem Brief an Griechenlands Premier Tsipras Wogen zu glätten. Aus unserer Sichtweise sind auch Briefe an Brüssel und Berlin angebracht.

Deutschen Medien sind Daten über Briefkastenfirmen vieler Politiker zugespielt worden. Es soll sich um 11,5 Millionen Dokumente in Verbindung mit 214.000 Briefkastenfirmen in Panama handeln. Darunter seien Unterlagen mutmaßlicher Offshore-Firmen von zwölf aktuellen und früheren Staatschefs. Mehr noch führen Spuren zu weiteren Spitzenpolitikern, deren Familien und/oder engsten Beratern und Freunden. Es ist zu hoffen, dass dieser Datenschatz vollständig bearbeitet wird und nicht geopolitisch missbraucht wird, denn es geht um die Sache!

Das westliche System beruht nicht nur im Finanzsektor auf Vertrauen und unbestechlichen Funktionalitäten. Dieses Vertrauen wird seit geraumer Zeit in nicht unerheblichem Maße belastet. Ein innere Erneuerung erscheint durchaus wünschenswert zu sein. Ansonsten spielte dieses System mit seiner Zukunft.

Ein wenig erstaunt waren wir schon über die Einlassungen von Herrn Trump zu der US-Wirtschaftslage und insbesondere zur Qualität der US-Arbeitsmarktdaten. Herr Trump mag in vielen Bereichen massiv überziehen. An dieser Stelle liegt er laut unseren Analysen zumindest in der Tendenz richtig. Präsidentschaftsbewerber Trump sieht die US-Wirtschaft vor einer schweren Rezession. Wir reden von einem Flirt mit der Rezession.

Der US-Aktienmarkt sei überbewertet. Das ist faktisch bezüglich des KGV richtig. Aber auch die weiche US-Bilanzlegung wirft Bewertungsfragen auf. Der Arbeitsmarkt sei viel schlechter, als er offiziell ausgewisen wird. Trump sieht die Arbeitslosenquote um ein Vielfaches höher (bis zu 20%). Bezüglich der statistischen Erfassung von vor 25 Jahren trifft das den Kern (Shadow Government Statistics von John Williams).

Der finale Wert des Markit PMI für den Sektor Produktion der Eurozone leiferte mit 51,6 Punkten gegenüber der Erstschätzung bei 51,4 Zählern eine freundliche positive Überraschung. Das Niveau des Index ist als unproblematisch einzuwerten.

Der US-Arbeitsmarktbericht setzte grundsätzlich positive Akzente bezüglich der Erwartungshaltung der Marktteilnehmer. Laut BLS wurden 215.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen. Die Prognose lag bei 205.000 Jobs. So weit zur quantiativen Analyse. Die Qualität der neu geschaffenen Stellen lässt weiter zu wünschen übrig. Circa 65% der Jobs wurden im Niedriglohnsektor generiert.

Die Wochenarbeitszeit verharrte bei 34,4 Stunden. Die durchschnittlichen Stundenlöhne legten um 0,3% nach zuvor -0,1% zu. Die Partizipationsrate am US-Arbeitsmarkt nahm um 0,1% auf jetzt 63,0% zu. Damit kam es hier seit 09/2015 zu einer Verbesserung ausgehend von 62,4%. Die Arbeitslosenquote, der wir wie Herr Trump wenig Beachtung schenken, legte von 4,9% auf 5,0% zu.

Der ISM-Manufacturing Index stieg von 49,5 auf 51,8 Punkte an. Die Prognose lag bei 51,0 Zählern. Damit markierte dieser Index erstmalig seit 08/2015 wieder Wachstum. Bezüglich der harten Daten im Auftragseingang, der die Produktion der Zukunft darstellt, fällt es schwer, diesem Wirtschaftsindikator zu viel Bedeutung zum jetzigen Zeitpunkt einzuräumen.

Die US-Bausausgaben sanken per Februar unerwartet im Monatsvergleich um 0,5%. Die Prognose lag bei 0,0%.

Das US-Verbrauchervertrauen nach Berechnung der Universität Michigan sank per März 2016 auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2015. Der Index gab im Monatsvergleich von 91,7 auf 91,0 Punkte nach.

Per Berichtsmonat März sank der Kfz-Absatz in den USA unerwartet von zuvor 17,54 auf 16,57 Mio. Automobile in der auf das Jahr hochgerechneten Fassung. Die Prognose lag bei 17,50 Mio. Kraftfahrzeugen. Damit wurde der geringste Absatz seit April 2015 markiert.

Zusammenfassend bleibt das Bild der US-Konjunktur anfällig. Die strukturellen Probleme bekommen zunehmend ein in der Zyklik messabres "Gesicht".

Aktuell ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten der Unterstützungszone bei 1.0800 neutralisiert den positiven Bias.

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