Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,0680 (05:42 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,0671 im fernöstlichen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 132,65. In der Folge notiert EUR-JPY bei 141,69. EUR-CHF oszilliert bei 1,0376.

Die Finanzmärkte haben über Pfingsten Widerstandskraft gezeigt. Aktienmärkte sind stabil bis freundlich. An den Kapitalmärkten kommt es zu Zinserhöhungen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe notiert mittlerweile bei 1,34 %, dem höchsten Niveau seit 2014 (US-Treasury 10 Jahre bei 3,05 %). An den Devisenmärkten wird der JPY sportlich abverkauft. Die offen artikulierte Aggressionshaltung der neuen japanischen Regierung gegen China im Fahrwasser der USA hat offenbar einen Preis, zumindest am Devisenmarkt, denn die Abhängigkeit von China im Rahmen der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen ist in Japan ausgeprägter als in der EU. Gold und Silber scheitern weiter regelmäßig bei Ausbruchversuchen auf höheres Terrain.

Ukraine-Krise: Ungewollte Konsequenzen

Die Ukraine-Krise setzt sich weiter fort. Ein Ende der militärischen Auseinandersetzung ist derzeit nicht absehbar. Vor diesem Hintergrund macht es Sinn, die Folgen der vom Westen verfügten Sanktionen zu bewerten. Fraglos wird Russlands Wirtschaft getroffen. So sanken beispielsweise die PKW-Neuzulassungen zuletzt per Mai im Jahresvergleich um 83,5 %. Die Prognose für das Gesamtjahr liegt bei -50 %. Die Umsatzsteuereinnahmen fielen per April im Jahresvergleich um circa 54 %. Die Preisinflation raubt Wohlstand in der Gesellschaft.

Die westlichen Sanktionen sollten Russland destabilisieren. Politisch hat das nicht geklappt. Während Joe Bidens Zustimmungswerte von einem Tief zum anderen Tief taumeln (derzeit 41 %) bewegt sich die Zustimmung zu Putin bei 81 %. Auch auf anderen Ebenen werden die Ziele der Sanktionen nicht erreicht. So erhöhte sich der Wert des russischen Staatsfonds massiv per 1. Juni auf 197,7 MRD. USD. Da sind dann die Kosten der Pipeline North Stream II von circa zwölf Mrd. USD zu verkraften. Voraussichtlich kann Russland diese Kosten jedoch einklagen. Im Jahresvergleich hat die Außenverschuldung Russlands um mehr als vier Prozent oder circa 2,6 Mrd. USD auf gut 57 Mrd. USD abgenommen. Die Öl- und Gaseinnahmen legten in diesem Jahr um circa 50 % zu.

Fazit: Haben Sanktionen in einer historischen Betrachtung jemals die angestrebten Ziele erreicht? Führen die Sanktionen mehrheitlich zu ungewollten Konsequenzen? Was macht man dann?

US-Botschafter: Russland sollte diplomatische Beziehungen aufrechterhalten

Der US-Botschafter in Moskau John Sullivan riet der russischen Regierung am Wochenende von einer Schließung ihrer diplomatischen Vertretung in Washington ab, nachdem derartige Gedanken thematisiert worden seien. Man müsse die Fähigkeit bewahren, miteinander zu sprechen. Die beiden größten Atommächte der Welt müssten weiter miteinander reden. Trotz vieler Krisen, Spionageskandale und Kaltem Krieg wurden die diplomatischen Beziehungen zwischen Moskau und Washington seit ihrer Aufnahme im Jahr 1933 nie abgebrochen.

Kommentar: Diese Mahnung steht im diametralen Widerspruch zu der US-Politik der letzten Jahre. Die USA und ihre befreundeten Nationen verdrängten und verdrängen Russland aus den diplomatischen Formaten. Dieser Prozess hat erkennbar spätestens 2014 begonnen. Konsulate (u.a. San Francisco) wurden losgelöst von internationalen Gepflogenheiten geschlossen. Diplomatie ist Basis von Friedensermöglichung als auch Friedenssicherung. Am Ende stellt sich die Frage, ob Moskau mit einem solchen Schritt nicht nur die Realität der längst etablierten Sprachlosigkeit akzeptierte? Steht das unter Umständen auch in Europa auf der Agenda?

USA lassen Eni und Repsol venezolanisches Öl nach Europa bringen

Die USA wollen Insidern zufolge Ölexporte aus Venezuela nach Europa freigeben, um Lieferausfälle aus Russland in Teilen zu kompensieren. Sowohl der italienische Energiekonzern Eni als auch das spanische Unternehmen Repsol könnten demnach bereits ab nächsten Monat venezolanisches Öl nach Europa verschiffen. Es würde sich jedoch um überschaubare Größenordnungen handeln.

Kommentar: Waren und sind die US-Sanktionen der USA überhaupt mit internationalem Recht vereinbar oder sind sie Ausdruck eines Handelns außerhalb des regelbasierten Systems, für das sich der Westen nach außen einsetzt? War die Anerkennung einer nicht gewählten Person als Präsident Venezuelas seitens der USA und der EU nicht eine Form des versuchten "Regime-Change"?

USA erwägen wegen hoher Inflation Aufhebung einiger Zölle auf chinesische Produkte

Die US-Regierung erwägt im Kampf gegen die Inflation die Aufhebung von einigen Zöllen auf chinesische Produkte. Präsident Biden hätte um eine Prüfung gebeten. Man analysiere derzeit, um dann eine Entscheidung zu treffen.

Kommentar: An dieser Stelle verweise ich auf meinen vorhergehenden Kommentar mit der Fragestellung, ob Sanktionen jemals das gewünschte Ziel erreicht hätten. Fakt ist, dass die Sanktionen zu Ertüchtigungen der Sanktionierten führen. So wurde Russland nach 2014 im Agrarsektor autark und sogar einer der größten Agrarexporteure. China baut die eigene Expertise in Hochtechnologie weiter aus. Ein Blick auf Auslandsinvestitionen in China zeigt, dass die Sanktionen nicht wirkten und nicht wirken werden.

Datenpotpourri der letzten 48 Handelsstunden:

Eurozone: Daten überwiegend schwächer als erwartet

Der von S&P ermittelte Einkaufsmanagerindex des Dienstleistungssektors stellte sich laut finaler Berechnung auf 56,1 (vorläufiger Wert und Prognose 56,3) Punkte. In der Folge brachte es der Composite Index auf 54,8 Zähler (vorläufiger Wert und Prognose 54,9).

Die Einzelhandelsumsätze sanken per April im Monatsvergleich um 1,3 % (Prognose 0,3 %) nach zuvor 0,3 % (revidiert von -0,4 %). Im Jahresvergleich ergab sich ein Anstieg um 3,9 % (Prognose 5,4 %) nach zuvor 1,6 % (revidiert von 0,8 %).

Deutschland: Die Exporte nahmen per Berichtsmonat April im Monatsvergleich um 4,4 % (Prognose 1,5 %) nach zuvor -3,0 % (revidiert von -3,3 %) zu, während die Importe einen Zuwachs um 3,1 % (Prognose 0,2 %) nach zuvor 3,2 % (revidiert von 3,4 %) verzeichneten. Der Handelsbilanzüberschuss stellte sich auf 3,5 Mrd. EUR (Prognose 1,6 Mrd. EUR) nach zuvor 1,9 Mrd. EUR (revidiert von 3,2 Mrd. EUR).

Frankreich: Die Industrieproduktion sank per April im Monatsvergleich um 0,1 % (Prognose 0,3 %) nach zuvor -0,4 % (revidiert von -0,5 %).

China: Dienstleistungssektor erholt sich nach Lockdown

Der von Caixin ermittelte Einkaufsmanagerindex des Dienstleistungssektors legte per Mai von zuvor 36,2 auf 41,4 Punkte zu (Hintergrund: Zarte Öffnung nach harschen Lockdowns).

USA: Payrolls setzen positiven Akzent, ansonsten schwächere Daten

• Arbeitslosenquote U-1: 3,6 % (Prognose 3,5 %) nach zuvor 3,6 %
• Arbeitslosenquote U-6: 7,1 % nach zuvor 7,0 % (vergleichbar mit europäischen Arbeitsmarktdaten)
• "Nonfarm Payrolls": 390.000 (Prognose 325.000) nach zuvor 436.000 (revidiert von 428.000)

Der von S&P ermittelte Einkaufsmanagerindex des Dienstleistungssektors stellte sich laut finaler Berechnung auf 53,4 (vorläufiger Wert 53,5) Punkte. In der Folge brachte es der Composite Index auf 53,6 Zähler (vorläufiger Wert 53,8).

Der vom ISM ermittelte Einkaufsmanagerindex des Dienstleistungssektors sackte per Mai von zuvor 57,1 auf 55,9 Zähler (Prognose 56,4). Der Index des Beschäftigungstrends sank per Mai von zuvor 120,60 auf 119,77 Punkte.

Japan: Hat der JPY Probleme?

Die Devisenreserven stellten sich per Mai auf 1.329,7 nach zuvor 1.322,2 Mrd. USD. Ausgehend von dem Höchstwert bei gut 1.424 Mrd. USD kam es seit August 2021 zu einem Rückgang der Devisenreserven unter Schwankungen. In der Phase des Beginns der dynamischen JPY-Schwäche (03/22) bauten sich die Reserven ebenfalls dynamisch ab. Die privaten Haushaltsausgaben sanken per April im Jahresvergleich um 1,7 % nach zuvor -2,3 %.

Türkei: Preisinflation auf höchstem Stand seit 1998

Die Verbraucherpreise stiegen in der Türkei per Mai im Jahresvergleich um 73,50 % nach zuvor 69,97 % und markierten den höchsten Anstieg seit Oktober 1998.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem EUR favorisiert. Ein Überschreiten des Widerstandsniveaus bei 1.0870 - 1.0900 neutralisiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!