Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1126 (07:17 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1113 im fernöstlichen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 108.80. In der Folge notiert EUR-JPY bei 121.05. EUR-CHF oszilliert bei 1.1006.

In den letzten 24 Stunden gab es viele Anlässe, etwas zuversichtlicher nach vorne zu schauen. Entsprechend ergab sich an den Märkten eine gewisse Risikofreude.

Die Verbalakrobatik bezüglich des Themas Handelskrieg Washington/Peking erlaubt weiter Phantasie für eine Nivellierung der Auseinandersetzung mit zumindest temporär positiven Implikationen für die globale Konjunkturlage.

Chinas Wirtschaft zeigt Widerstandskraft. Per Oktober legte der Caixin Composite Index leicht von 51,9 auf 52,0 Punkte zu. Damit signalisiert der Index solides Wachstum in der Gesamtwirtschaft. Zudem hat die chinesische Zentralbank ganz zart Zinsen bei einem der Schlüsselzinsen gesenkt.

Aus den USA erreichen uns dagegen weiter divergierende Signale, die sich insgesamt als einen erkennbaren konjunkturellen Dynamikverlust klassifizieren lassen. Dagegen sind die Datensätze der Eurozone in der Tendenz gekennzeichnet von zart positiven Überraschungen.

Hinsichtlich der Daten verweisen wir auf das Datenpotpourri am Ende des Kommentars.

Neben diesen politischen und zyklischen Nachrichten, stach gestern eine Meldung positiv heraus. Es war eine Meldung über die absehbare (2020) Gründung der größten Freihandelszone der Welt in Asien. Bisher und damit bis in das kommende Jahr nimmt die Europäische Union diesen Platz ein. An dieser Entwicklung wird deutlich, dass die finanz-ökonomischen Machtachsen sich weiter zu Lasten des Westens verschieben. Asien macht den "Aristoteles", was machen wir?

Fünfzehn Länder aus Asien und der Pazifik-Region wollen 2020 ein umfangreiches Handelsabkommen unterschreiben. Das teilten die Regierungschefs der beteiligten Staaten gestern in Bangkok mit. Damit entstünde die größte Handelszone der Welt. Indien wird das Abkommen zunächst nicht mittragen. Mit Indien würde der Pakt für ein Drittel der globalen Wirtschaftsleistung und fast die Hälfte der Weltbevölkerung stehen. Indien wurde zugesagt, jederzeit beitreten zu können.

Die Länder seien sich in entscheidenden Fragen einig. Teilnehmerstaaten sind China, Japan, Südkorea, Australien, Neuseeland und die zehn ASEAN-Staaten Indonesien, Malaysia, Thailand, die Philippinen, Vietnam, Myanmar, Brunei, Laos, Kambodscha und Singapur.

Wir haben immer wieder betont, dass die Zukunft im Osten liegt, um über Jahre weitgehend ignoriert zu werden. Die Fakten und vor allen Dingen die Strukturen weisen einen eindeutigen Weg, wo Zukunft liegt. Wer glaubt mit dem westlich dominierten Organigramm von gestern, dessen finanzökonomische Basis dramatisch reduziert ist und weiter erodiert, Zukunft ohne Anerkennung der Veränderungen gestalten zu können, kann nicht zu den Erfolgreichen von morgen gehören.

Wo will Kontinentaleuropa stehen? Nehmen wir das Beispiel Klimaabkommen. Die USA werden kommendes Jahr austreten. Der französische Präsident Macron sagte diesbezüglich, dass es ob des US-Austritts entscheidend sei, die Kooperation Chinas und der EU zu stärken. Dem stimmen wir voll zu (Standards und Harmonisierung).

Was hören wir aber aus Berlin? Außenminister Maas schießt gegen Huawei, die Quellcodes und Betriebssysteme offenlegen, um sich faktisch US-Unternehmen unterzuordnen, die genau das nicht tun und von denen wir seit Snowden wissen, dass sie das tun, was Herr Maas Huawei unterstellt (grotesk?)

Er sollte sich für den europäischen IT-Airbus stark machen. Ich könnte mir vorstellen, dass Herr Macron einen derartig konstruktiven Vorschlag positiv begleiten würde! Das würde Europa strukturell helfen, so wie der Airbus half!

Big-Data ist das Geschäft von heute und noch mehr von morgen. Hier weiter zögerlich zu zaudern, heißt die Zukunft unseres Standorts zu riskieren! Fehler können auch durch Nichtstun und vermeintliches Aussitzen gemacht werden.

Hoffnungsschimmer für Deutschland:

Der Pkw-Absatz in Deutschland ist im Oktober nach einem Rückgang vor Jahresfrist stark gestiegen. Die Zahl der Neuzulassungen lag mit circa 285.000 Pkw im Oktober 12,7 % über dem Vorjahresmonat (Quelle KBA). Die gewerblichen Neuzulassungen, auf die 2/3 entfallen, erhöhten sich um 16 %. Private Kfz-Käufe nahmen um knapp sieben Prozent zu. Im letzten Jahr hatten Zulassungsprobleme durch die neuen Abgasmessregeln WLTP den Absatz reduziert (exogener Faktor). Von Januar bis Oktober 2019 verkauften die Hersteller in Deutschland 3,02 Mio. Kfz und damit 3,4 % mehr als im Vorjahr.

Übrigens gilt die positive Tendenz nicht nur für Deutschland, sondern auch für die Eurozone. Totgesagte (deutsche Autobauer) leben bisweilen länger. Nun, das ist fraglos nur eine Schwalbe, es ist noch kein Schwalbenschwarm.

Datenpotpourri:

Eurozone: Erfrischend bezüglich Erwartungshaltung

Der von Markit ermittelte Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe stellte sich laut finaler Berechnung auf 45,9 (Prognose 45,7) nach 45,7 Punkten. Der Sentix-Index legte per November sportlich von zuvor -16,8 auf -4,5 Zähler zu (Prognose -13,8).

USA: Ein wenig Sonne, aber viel Schatten

Der ISM New York Business Conditions Index stieg per Oktober von sehr schwachen 42,8 (schwächster Wert seit Mai 2016) auf 47,7 Punkte. Der US-Auftragseingang der Industrie wies im Monatsvergleich per September eine Kontraktion um 0,6 % nach zuvor -0,1 % aus. Die Prognose lag bei -0,5 %. Im Jahresvergleich ergab sich ein Rückgang um 3,5 % (höchste Kontraktion seit Juli 2016).

China: Durchwachsen und Zinsimpuls

Der von Caixin ermittelte Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor sank per Oktober von zuvor 51,3 auf 51,1 Punkte. Der Caixin Composite Index stieg per Oktober von 51,9 auf 52,0 Zähler. Die PBOC senkte den Satz für mittelfristige Darlehen an Finanzinstitutionen um fünf Basispunkte auf 3,25 %. Der Schritt impliziert voraussichtlich, dass die Notenbank den neuen Referenzzins, die Loan Prime Rate, von 4,2 % am 20. November gleichfalls geringfügig senken wird.

Hongkong: Zunehmend prekär

Die aggressiven Proteste in Hongkong haben ihren Preis. Der Einkaufsmanagerindex sank per Oktober von 41,5 auf 39,3 Punkte und markierte den tiefsten Wert seit 2008.

Australien: Jetzt aber Politik der ruhigen Hand!

Nachdem die RBA das Leitzinsniveau per 2019 in zwei Schritten von 0,50 % und 0,25 % von 1,50 % auf 0,75 % senkte, veränderte die Notenbank das Leitzinsniveau nicht bei der aktuellen Sitzung. Das entsprach der Markterwartung.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Ein Überwinden der Widerstandszone bei 1.1160 - 80 negiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!