Ist es nicht erstaunlich? Da sucht Donald Trump offensichtlich die Konfrontation mit der Volksrepublik China, obwohl Washington im erheblichen Ausmaß von Peking abhängig ist.

"Hat China uns gefragt, ob es okay ist, seine Währung abzuwerten (...), unsere Produkte stark zu besteuern (...), oder einen massiven Militärkomplex im Südchinesischen Meer zu bauen? Ich glaube nicht!“, schrieb der Republikaner auf  Twitter am Sonntagabend.

Die FAZ schreibt dazu: "Hintergrund war offensichtlich die Kritik an seinem Telefonat mit Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen. Trump hatte am Freitag als erster neugewählter amerikanischer Präsident seit 1979 mit einem Repräsentanten Taiwans gesprochen und damit für Verstimmung in Peking gesorgt. China betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz und nicht als souveränen Staat. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums appellierte an Washington, sich an die Verpflichtung zur Ein-China-Politik zu halten."

Fed-Daten: Wer sind und bleiben die größten Gläubiger der USA?

Im Umfeld des neuen Präsidenten wäre man sicherlich gut beraten, wenn man den beratungsresistenten Mann im Weißen Haus darauf hinweisen würde, dass es der Volksrepublik zu verdanken ist, dass die USA überhaupt noch finanzpolitisch atmen können und das Peking Washington am Leben hält.

Die Daten der US-Notenbank „Federal Reserve“ aus dem Jahr 2015 zeigen, dass sich nach wie vor zwei Länder als Hauptgläubiger der USA betätigen, nämlich Japan und China mit insgesamt 2,5 Billionen US-Dollar (beide fast zu gleichen Teilen). Diese Statistik bietet eine Übersicht über alle ausländischen Inhaber der Anleihen, nicht die inländischen. Die angezeigten insgesamt 6,1 Billionen US-Dollar beziehen sich auf US-Staatsanleihen – also sind hier die Schulden der Bundesstaaten und Kommunen nicht enthalten. Auch listet diese Statistik nur Anleihen auf, die von US-Verwahrstellen gehalten werden, denn ausländische Verwahrer kann die US-Notenbank nicht erfassen. Aber diese spiegeln die fiskalpolitischen Realitäten recht realistisch wieder.

Den explosiven Kern im Spannungsverhältnis zwischen China und der USA bildet weiterhin die Republik Taiwan.

Gegenüber seinem bevorzugtem Geschäftsführer Henry Kissinger äußerte der Mao-Gefährte Zhou Enlai einst folgende Warnung: “Die Internationale Lage ist gekennzeichnet  durch große Unordnung unter dem Himmel. Aber unserer Ansicht nach ist diese weltweite Unruhe eine gute und keine schlechte Sache.“
Das Außenministerium von Peking hat stets betont, dass eine Unabhängigkeitserklärung Taiwans, gegen die sich Tschiang Kaischek stets ausgesprochen hatte, einen Kriegsgrund darstellen würde.

Die Volksrepublik als außenpolitischer Akteur neigt nicht zum Säbelrasseln

In Peking ist man sich aber bewusst, dass die Amerikaner die Chinesen als Hauptrivalen, bezüglich der globalen Hegemonie, ansehen.

Der Schriftsteller Norman Mailer drückte es 2002 wie folgt aus, worauf er sich auf den damaligen Präsidenten bezog: „Bush interessiert sich nicht für die Welt, sondern für die amerikanische Kontrolle über die Welt. Amerika will die Welt nicht besetzen oder besiedeln. Amerika will die Welt in den nächsten 100 Jahren dominieren. Und die Sorge der Konservativen ist China. China hat das Potential, die USA in 30 oder 40 Jahren abzulösen - und sie wollen den Chinesen die Angst  vor uns einbleuen…“ So weit Norman Mailer.

Donald Trump, der während seines Wahlkampfes seine Abscheu gegenüber die Politik der Neokonservativen zum Ausdruck brachte, wäre gut beraten, wenn er auch im Verhältnis zur Volksrepublik China andere Töne einschlagen würde. Symbolische Gesten und Riten spielen eine große Rolle im sinischen Kulturkreis. Oder, um es mit Konfuzius auszudrücken: “Nur die Weisesten und die Dümmsten können sich nicht ändern.“