Vielleicht haben Sie die Diskussion über Uber auch schon mitbekommen oder haben Uber, den „neuen“ Dienst aus dem Silicon Valley, schon selbst genutzt. Falls nicht, dann noch einmal eine kurze Zusammenfassung. Hinter Uber verbirgt sich ein 5 Jahre altes Start-Up aus dem Silicon Valley, welches mit Hilfe einer App Privatleute mit Auto und Zeit mit anderen Privatleuten zusammenbringt, die weder das eine noch das andere haben. Kurzum, eine Art Taxi-Alternative, die es Nutzern ermöglicht, anstatt ein Taxi zu rufen, sich von der App einen passenden in der Nähe befindlichen privaten Fahrer an eine Adresse zu bestellen und sich von diesem zu seinem gewünschten Ziel kutschieren zu lassen. Die Fahrer warten in der Zwischenzeit in einem Radius in einer Stadt. Dabei nutzt Uber eine Gesetzeslücke, denn indem Uber selbst nicht als Dienstleister auftritt, sondern nur als Vermittler, müssen die privaten Fahrer auf Uber keinen Personenbeförderungsschein und keine Taxilizenz erwerben, die z. B. in Frankfurt am Main auf dem Schwarzmarkt bis zu 100.000 Euro wert sein soll. Das Geschäftsmodell ist aktuell heftig umstritten und wurde bereits in einigen Städten verboten. Uber jedoch wehrt sich und so läuft der Dienst noch immer in allen Städten, u. a. Hamburg, Berlin, Düsseldorf und Frankfurt.

So viel zu den allseits bekannten Fakten, jedoch wollte ich mich in diesem Artikel etwas tiefer mit der Idee hinter Uber beschäftigen, die Funktionalität in einem Selbsttest austesten und Risiken sowie Chancen dieser Idee aufzeigen und somit jeden ein wenig zum Nachdenken und zu einer Diskussion anregen.

Bewertungen & Informationen zum Fahrer

Uber bietet aktuell in Deutschland zwei Dienste an. Zum einen der oben beschriebene und rechtlich umstrittene Uber Pop und Uber Black, hinter dem sich ein Limousinen-Service verbirgt. Der Fokus der Kritik liegt zurzeit auf Uber Pop. Besonders der Taxiverband läuft gegen die vermeintliche Konkurrenz aus dem Silicon Valley mit ihren privaten Fahrern Sturm. Das Geschäftsmodell der Taxiunternehmen und Fahrer stand zu keinem Zeitpunkt jemals so in Gefahr wie mit dem neuen Dienst, denn während Unternehmen eigene Fuhrparks verwalten und anschaffen sowie Lizenzgebühren an die Städte bezahlen müssen, um heiß begehrte Taxilizenzen zu erhalten, spart Uber sich dieses Geld. Das System ist so ausgelegt, dass private Fahrer mit ihren Autos fahren. Um die Qualität jedoch zu gewährleisten, gibt es ein Bewertungs- und Informationssystem, in dem Fahrer bewertet werden und für Nutzer des Dienstes neben der Bewertung auch Informationen zum Auto etc. transparent zur Verfügung stehen. Im Gegensatz zur Taxi-App „myTaxi“, in der es möglich ist, sich ein Taxi zu seinem Ort zu bestellen, sind das viele Informationen.

Der Selbsttest mit Uber

Ich war zu Anfang jedoch trotzdem sehr skeptisch. Nachdem ich mir die App für den Selbsttest heruntergeladen hatte und diese öffnete, verstärkte sich das Gefühl, denn Uber wollte neben Handynummer, E-Mail-Adresse auch meine Kreditkarte, mit der alle Zahlungen abgewickelt werden. Bei den immer wieder aufkommenden Datenskandalen ein mulmiges Gefühl. Ich lasse die Sorgen vorerst hinter mir. Es erscheint eine Karte, auf der ich einen Pfeil zu meiner Straße bewegen kann und drücke auf „abholen“. Ein „Uber-Fahrer“ mit einer Mercedes-E-Klasse soll bei mir in fünf Minuten eintreffen, ich sehe auf der Karte, wie sich das Auto auf meinen Punkt zu bewegt. Nach fast vier Minuten winkt mir ein netter Herr zu. Das Auto scheint gepflegt zu sein, der Herr ist sympathisch und auf dem schnellsten Weg bin ich in Frankfurt Sachsenhausen angekommen. Ein nettes Verabschieden, die Kreditkarte wird automatisch belastet. Ich hatte die Möglichkeit, die Route noch einmal zu Uber zur Überprüfung zu schicken, jedoch war ich mir sicher, die angezeigte Route war die schnellste.

Offene Fragen

Noch die Bewertung für den Fahrer und fertig. So verdient Uber 20 Prozent des Umsatzes, 80 Prozent behält der jeweilige Fahrer natürlich steuerfrei, denn es handelt sich ja nicht um eine Dienstleistung, sondern um eine Art Mitfahrgelegenheit. Die versicherungstechnische Seite jedoch bleibt ungeklärt, während mir mein Uber-Fahrer versicherte, es sei mit seiner Versicherung abgesprochen. Die Versicherer jedoch wiegeln ab. Egal, ob ich mit Fachleuten oder Presseabteilungen der großen deutschen Versicherer telefoniere, keiner hat bisher eine Antwort auf das Thema Uber. Der Konzern selbst hat laut eigenen Angaben jeden Fahrer mit 3,7 Millionen US-Dollar versichert, wie weit dieses stimmt, lässt sich jedoch abschließend nicht herausfinden und bleibt zunächst eine Risikofaktor für Fahrer wie Nutzer. Trinkgeld? Fehlanzeige, aber ich tröste mich damit, dass das Trinkgeld der neuen Welt sowieso die Bewertung/Empfehlung ist.

Die Share-Economy

Grundsätzlich ist die Idee von Uber jedoch wahrscheinlich größer als „nur“ den weltweiten Taximarkt zu beherrschen. Denn das Unternehmen ist aktuell mit 18 Mrd. US-Dollar bewertet, fast jeder Wall-Street-Investor sowie Google sind mit an Bord. Aber warum? Ist dies eine aberwitzige Bewertung? Ich halte hier den Ansatz des wohl besten und renommiertesten Zukunftsforschers Jeremy Rifkin für eine gute Theorie, um diese aktuellen Bewertungen der neuen Tech-Unternehmen zu erklären. In seinem aktuellen Buch der Null-Grenzkosten-Gesellschaft erklärt er eindrucksvoll, dass wir uns aktuell an einem Punkt befinden, an dem der alte Kapitalismus in einem Transformationsprozess steckt und sich zu einer kooperativen und kommunalen Organisation der Wirtschaft wandelt. Hier leisten Uber und Co., in der sogenannten Share-Economy, einen wichtigen Beitrag. Fest steht, dass die neuen Tech-Firmen die Wirtschaft radikal verändern und so unter anderem das globale Konsumverhalten erstaunlich schnell verwandeln. Die Wirtschaft kann sich darauf einstellen, dass, wenn ein Geschäftsmodell in etablierten Industrien nicht effizient ist, es über kurz oder lang angegriffen und verschlankt werden wird, sodass es für den digitalen Konsumenten besser passt. Dieser technologische Wandel wird höchstwahrscheinlich zu fallenden Kosten, steigender Produktivität und somit zu einem allgemeinen Wohlstandsgewinn für die Gesellschaft führen sowie die Chancen für alle Bevölkerungsgruppen, insbesondere der wirtschaftlich schwächeren, positiv verändern.

Die Entstehung eines weltweiten Logistikgiganten?!

Fernab dieser Theorie zählen die Unternehmen wie Uber und Co. zu den innovativsten Unternehmen dieser Welt. So könnte Uber in Zukunft nicht nur den Taximarkt weltweit so revolutionieren, wie es Amazon mit dem Buchhandel getan hat, sondern auch den Logistik- und Transportmarkt radikal verändern. Denn eine Bewertung von 18 Mrd. US-Dollar rechtfertigt sich nicht mit einer starken weltweiten Stellung auf dem Taxi-Markt. Zum Vergleich: der gesamte Taxi-Markt in den USA wird auf ca. 11 Mrd. US-Dollar geschätzt. Uber könnte also planen, die Wartezeit der Fahrer produktiv und gewinnbringend für die Gesellschaft zu nutzen. So könnte Uber Essenslieferungen von Supermärkten oder Online Shops übernehmen, Medikamente liefern, Eilbestellungen zustellen oder wichtige Dokumente schnell und zuverlässig zustellen. Der Vorteil: Uber hätte pro Tag Tausende von Fahrzeugen weltweit auf den Straßen unterwegs. Ein gewaltiger Angriff auf den Transport- und Logistikmarkt, welcher weltweit mehrere Hundert Milliarden Dollar groß ist. Noch ist Uber weit davon entfernt, jedoch stelle man sich vor, dass in Zukunft jeden Online Shop ein „Jetzt mit Uber liefern“-Button zieren würde. So wie es Facebook bereits mit dem Like-Button geschafft hat. Schon jetzt gibt es dazu erste Pilotversuche in der Hauptstadt Washington. Die Bürger der Hauptstadt können in Zukunft einen Lieferdienst testen, welcher Medikamente und Kosmetik vorbeibringt. Der Service heißt "Uber Corner Store". In New York gibt es seit April bereits den Fahrrad-Kurierdienst "Uber Rush“. Zwei deutliche Anzeichen, wie Uber den Transport- und Kuriermarkt umkrempeln möchte. Geld ist genug vorhanden, das Unternehmen ist mit über 1,2 Mrd. von Investoren versorgt worden, darunter auch von Google, dem das Unternehmen auch ideologisch sehr nah ist.

Werden sogar die Fahrer ersetzt?

So stellte der Uber-Gründer letztes Jahr seinen Angestellten seine neue Strategie vor, langfristig alle Fahrer, also seine Angestellten, durch automatisierte Fahrzeuge ersetzen zu wollen. Dieses würde eine weitere radikale Veränderung der Branche bedeuten und deutlich zu einer steigenden Produktivität und fallenden Kosten führen. Selbstverständlich wird diese Revolution nicht von heute auf morgen passieren und kann nur Schritt für Schritt erfolgen, jedoch steht diesem Trend eigentlich nichts mehr im Weg. Uber und Co. sind Unternehmen, welche sich gezielt darauf verstehen, Geschäftsmodelle etablierter Hersteller anzugreifen und diese in das neue Zeitalter zu transformieren. Dabei schaffen es die Hersteller, gigantisch schnell zu wachsen und fast immer von Anfang an profitabel zu arbeiten. So gab es einen Aufschrei, als Facebook erstmals eine Milliarde Dollar wert sein sollte. Gerade verkündete der Konzern jedoch einen Gewinn von 800 Millionen Dollar für gerade einmal drei Monate. So gehen namenhafte Hedgefonds und Banken an der Wall Street von einer 200-Milliarden-Wette aus. Kurzum gehen einige Wall-Street-Größen also davon aus, dass Uber einmal über 200 Milliarden Dollar wert sein könnte. Gigantisch schnell, produktiv und smart, so wird Uber zurzeit ehrfürchtig im Silicon Valley von Konkurrenten wie Sponsoren bezeichnet. Also vielleicht sehen wir diesen Button in vielen Online Shops schneller, als wir uns das jetzt vorstellen können. Schon heute kooperiert Uber mit einer neu geschaffenen App mit zahlreichen renommierten Unternehmen. So setzen die Hotelkette Hyatt, die Kaffeehauskette Starbucks, die Fluglinie United Airlines – Kooperationspartner der Deutschen Lufthansa – und das Reiseportal TripAdvisor auf Uber. Dieser „Gefällt-mir-Effekt“ könnte den Wind Uber zu einem ausgewachsenen Orkan heranwachsen lassen.

Fazit

Was jedoch könnte die Quintessenz aus Uber und Co. sein? Vielleicht, dass sich unsere Welt immer schneller verändert und wir die Chance haben, unser Wirtschaftssystem deutlich produktiver und damit für unsere Gesellschaft gewinnbringender zu gestalten. Vielleicht ist es an der Zeit, nicht mehr über ein Uber-Verbot zu diskutieren, sondern ein Uber-Gebot zu beschließen. Ein Gebot, welches die Gesellschaft dazu antreibt, den Transformationsprozess unserer Wirtschaft als Chance und nicht als Risiko zu betrachten, ein Gebot, welches zum Mitdenken, besser noch Vordenken in diesem Bereich anregt und innovative Unternehmen fördert.

Bei allem Positiven jedoch bedeutet ein Transformationsprozess auch immer Einschnitte. Einschnitte für bestimmte Berufsgruppen und Personen. Hierbei fällt der Gesellschaft ebenfalls die Aufgabe zu, Einzelschicksale abzufedern. Denn sollte Uber das beschriebene Potenzial erlangen, würde dieses nicht nur für Taxifahrer schwere Einschnitte bedeuten, sondern auch für Betroffene in der Logistik. Transformation bedeutet Veränderung.