Hier noch mal Teil 1

Hier noch mal Teil 2

Hier noch mal Teil 3

Hier noch mal Teil 4

Hier noch mal Teil 5

Hier noch mal Teil 6

Manchmal spielt das Leben schon ein wenig verrückt. Da bin ich jemand, der von einem klassischen Goldstandard ohne Demurrage wenig hält und gleichzeitig wohl einer der ganz wenigen Menschen in heutiger Zeit, die eine etwas größere Rechnung vor kurzem tatsächlich in Gold bezahlt haben.

Es ging dabei um eine Ausgleichszahlung im Rahmen einer Erbschaft in Höhe von € 11.900,00, die ich mit 34 Stück 10 gr. Goldbarren bedienen durfte. Ganz ehrlich, - das war schon ein irgendwie merkwürdiges, ungewohntes Gefühl, physisches Gold tatsächlich als Zahlungsmittel zu verwenden.

Übrigens tat ich dies mit einem weinenden und lachenden Auge. Hatte ich auf der einen Seite für dieses Gold vor einigen Jahren nur € 3.706,00 auf den Tisch legen müssen, bin ich mir trotzdem ziemlich sicher, dass der Deal für mich langfristig gesehen eher negativ zu bewerten ist. Trotzdem macht es manchmal einfach Spaß, „Gewinne“ mitzunehmen. Schauen wir nun weiter, ob die Rückkehr zu einem Edelmetallstandard tatsächlich ein „Gewinn“ für die Menschheit wäre.

In einem Kommentar zum letzten Teil wurde behauptet, dass der Goldstandard über viele Jahrhunderte gut funktioniert hat. Ich möchte dem entschieden widersprechen, denn letztendlich führten Gold- und Silberwährungen immer zu heftigen Deflationen, Depressionen und Kriegen, in denen anderen Ländern das Gold geraubt wurde. Selbst die Abwürfe von „Little Boy“ und „Fat Man“ sollen nach Ansicht mancher Historiker damit zu tun haben, dass die Amerikaner in Wirklichkeit eine Invasion der Russen in Japan verhindern wollten, um sich den Zugriff auf das Raubgold, das Japan in Kriegen im südostasiatischen Raum erbeutet hatte, zu sichern. Seit dem Ende des 2. Weltkrieges fehlt von diesen Gold jede Spur.
http://www.ag-friedensforschung.de/themen/Atomwaffen/60-jahre-krueger.html

Das Hauptproblem unseres Systems, nämlich der mit dem Horten und Sparen verbundene Zins- und Zinseszinseffekt würde auch in einem goldgedeckten System langfristig zu einer ähnlichen Situation wie heute führen, - nämlich einer Vermögensverteilung, die sich immer massiver bei wenigen, glücklichen Systemgewinnern akkumuliert. Zusätzlich würde die Einführung einer Edelmetallwährung im Rahmen einer Neuordnung des Weltfinanzsystems nachhaltig der alten Geld- und Bankenelite in die Hände spielen. Man hätte einmal mehr die Macht über das Geld und könnte genau wie zu Zeiten des Bretton-Woods-System nach Gutdünken handeln, wobei gerade wieder Länder und Menschen ohne Gold zu Zinssklaven herangezüchtet würden.

Wie bereits im letzten Teil erwähnt, könnte ein goldgedecktes System tatsächlich funktionieren, wenn Banken zu reinen Depotbanken und ausschließlichen Vermittlern zwischen Kreditgeber und –nehmer gemacht würden. Zudem müssten Goldbesitzer tatsächlich bereit sein, Ihr gespartes Gold als Kredit weiterzuverleihen. Hilfreich für das Gelingen wäre die Erhebung einer Goldaufbewahrungsgebühr (Demurrage) und das Verbot, mit den Hinterlegungszetteln für Gold (Ansprüche auf Rückzahlung von Gold) zu handeln. Ein freier Marktzins könnte sich einpendeln, der bei geringer Geldnachfrage durchaus auch in den Minusbereich ausschlagen könnte und dürfte.

Natürlich ist diese Annahme utopisch, vor allem, wenn man ein weiteres Problem in einem völlig freien Geldmarkt betrachtet: Es besteht in privaten Finanzdienstleistern, die wahrscheinlich recht schnell mit der Geschäftsidee am Go(e)ld-Markt auftauchen würden, keine Goldaufbewahrungsgebühren zu verlangen, sondern im Gegenteil für überlassenes Gold Zinsen zu bezahlen, um es auf eigene Rechnung gegen höhere Zinsen weiter zu verleihen.

Wem würden Sie Ihr Gold geben? Dem Finanzdienstleister, der Zinsen verspricht, oder einer Bank, die erst einmal Aufbewahrungsgebühren verlangt, bis sie einen Kreditnehmer für Ihr Gold gefunden hat? Ich denke private Finanzdienstleister würden sich in einem freien Markt sehr schnell gegen die Depotbanken durchsetzen. Da die Österreichische Schule vom Gedanken der völligen Marktfreiheit bestimmt ist, glaube ich nicht, dass ihre Vertreter ein solches Marktangebot verbieten wollten.

Mit Hilfe von Risikoausfallprämien für platzende Kredite und Forderungen nach kreditwürdigen Sicherheiten in Form anderer Sachwerte, die zusätzlich zum Zins bei der Vergabe von Krediten anfallen und erhoben würden (Risikoausfallprämie, hinterlegte Sicherheiten und Bearbeitungsgebühr sind auch heute schon Bestandteil jeden Kreditvertrages) würde sich nicht viel zum heutigen System ändern. Für den Finanzdienstleister wäre das Risiko von Kreditausfällen in den ersten Jahrzehnten eines goldgedeckten Systems sehr gering. Eine Geldmenge M1 (Forderungen auf Gold) würde entstehen, die bei langfristig gebundenen Goldanlagen ebenfalls exponentiell bis zum unvermeidlichen Zusammenbruch anwachsen würde.

Im übrigen könnte der ursprüngliche Goldkreditgeber seine Goldforderung ebenfalls als Zahlungsmittel verkonsumieren. Anstatt physisches Gold in ein Geschäft zu tragen, würde er sein neues Auto wahrscheinlich auch mit einem zukünftigen Anspruch auf Auszahlung von Gold, - ähnlich einem heutigen Ratenkredit – bezahlen können. Ich sehe schon die Anzeigen mancher Autohersteller vor meinem inneren Auge: „Kaufen Sie Ihr Auto heute! Wir übernehmen ihre Goldforderungen!“ Die Menge an physisch vorhandenem Gold würde zwar nicht zunehmen, jedoch die Menge an verfügbaren Zahlungsmitteln, die inflationär wirken würde.

Was auch ständig seitens der Goldwährungsanhänger vergessen wird, ist die Tatsache, dass nicht nur die Menge eines bestehenden Zahlungsmittels die Preise beeinflusst, sondern auch die Umlaufgeschwindigkeit dieser bestehenden (Geld-/Gold)menge. Eine Unze Gold kann monatlich zehn Mal Waren nachfragen, aber genauso gut auch einhundert Mal. Genau aus diesem Grunde ist es so schwierig, die Geldmenge überhaupt richtig zu bestimmen. Es geht nicht nur um den Punkt, ob die Geldmenge physisch vermehrbar ist oder nicht, es ist auch überaus entscheidend, wie hoch die Umlaufgeschwindigkeit des vorhandenen Geldes ist.  

Des Weiteren könnten sehr schnell Derivate (Wetten) auf die Ausfallwahrscheinlichkeit von Goldkrediten geschlossen werden, für die ein ebenfalls nicht zu kontrollierender Markt entstehen könnte. Bitte bedenken Sie, dass Vertreter der Österreichischen Schule auch einen solchen Markt nicht unterbinden wollen, da den Menschen eine größtmögliche Freiheit gelassen werden soll.

Die österreichische Schule unterstellt, dass sich in einem solchen System bei Geldmangel und Deflation sehr schnell Barter- und Tauschhandel oder alternative Währungen entwickeln würden. Vielleicht, - ich möchte mich an dieser Stelle nicht festlegen – käme es dazu. Es ist nicht auszuschließen, doch habe ich große Bedenken: Deflationen (Gold verschwindet vom Markt bei zu hohen Kreditrisiken) haben immer fatale Auswirkungen auf die Kreditnehmer, - und welcher Goldbesitzer würde anstandslos ein Ersatztauschmittel akzeptieren, wenn er vormals Gold verliehen hat.

Es ist eher wahrscheinlich, dass sich schon nach einigen Jahren Machtstrukturen ausprägen, die genau diese Form alternativer Zahlungsmittel unterbinden würden, um die Menschen von einer Edelmetallwährung abhängig zu machen, um der Geldelite und den modernen Feudalherren genau wie in heutiger Zeit weitestgehend leistungslose Zinseinkommen zu sichern. Und trotz allem wird auch hierbei vergessen, dass es der Geldelite niemals nur um den puren Besitz von Geld geht, sondern vielmehr um nachhaltigere Akkumulation von Sachvermögenswerten und zu guter Letzt um Machterhaltung und deren Ausbau.
http://www.meudalismus.dr-wo.de/

 Hier noch ein interessantes Interview mit dem Schweizer Soziologen Ueli Mäder:

«Reich ist, wer bequem von den Zinsen leben kann»

[...] 3 Prozent besitzen so viel wie die restlichen 97 Prozent. Unter den 300 Superreichen wächst jetzt die Angst vor dem sozialen Aufstand.

work: Ueli Mäder, wann ist man wirklich reich?

Ueli Mäder: Wenn man von den Zinsen seines Vermögens bequem leben kann. Dafür genügt eine Million heute nicht mehr. Es braucht schon ein paar Millionen. Aber wenn Sie einen Superreichen fragen, lautet seine Antwort: Ab 30 Millionen beginnt man reich zu sein.

Ein Haufen Geld, den man mit Lohnarbeit nicht verdienen kann. Wie sagte einer  meiner Gesprächspartner, der mit Finanzgeschäften schon jung sehr viel Geld gemacht hatte: «Wer arbeitet, hat keine Zeit, Geld zu verdienen.» Wir haben weit über 100 Reiche interviewt. Aber längst nicht alle würden über die Arbeitenden so verächtlich sprechen. [...]
http://www.workzeitung.ch/tiki-read_article.php?articleId=1321&topic=1

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