Die Zeit nach dem Erwachen Anfang und Mitte der 2000er Jahre war für mich persönlich ein völliger Neubeginn in meinem Leben. Es folgten sehr spannende und in Bezug auf das Verstehen unseres Geld- und Wirtschaftssystems auch äußerst lehrreiche Jahre mit einem ständigen Auf und Ab der Gefühle. Es begann die Zeit der unnützen, nervenaufreibenden Missionierung von Menschen, welche nicht das geringste Interesse daran hatten, in irgendeiner Form über unser Geld- und Wirtschaftssystem nachzudenken, geschweige denn, es überhaupt in Frage zu stellen. Und so stießen ich und meine wenigen Mitstreiter heftigst mit unseren Köpfen von der einen Wand vor die nächste. Meistens fühlte man sich wie die silberne Spielkugel in einem Flippergerät. BONG!! BÄM!! DOING!! ZABADONG!! Das tat weh und schmerzte des Öfteren – besonders wenn man das Desinteresse und die Ablehnung der Lokalpolitik und örtlichen Presse deutlich zu spüren bekam.

Und doch gab es schon damals eine kleine Gruppe weniger Menschen, die über Mailinglisten und Foren ihre Gedanken nicht nur über das Zinseszinssystem und den Sinn oder Unsinn eines neuen Goldstandards austauschten. Intensiv wurden beispielsweise die unausweichlichen Folgen der Option-ARM-Hypothekenkredite in den USA diskutiert, die dem gemeinen US-Häuslebauer nicht nur eine variable Verzinsung, sondern meist in den ersten fünf Jahren der Laufzeit auch eine optionale Tilgung von Kredit und Zinsen boten. Das Volumen dieser Kredite war so gewaltig, dass das Platzen der US-Immobilienblase nach etwa fünf bis sechs Jahren schon im Jahr 2003 vorhersehbar war und den Eingeweihten den Angstschweiß auf die Stirn trieb.

Irgendetwas musste geschehen, um das Thema Geld und die Problematik, die im derzeitigen System steckt, an die Öffentlichkeit zu bringen. Für mich war es damals schon fast ein Zwang, mich der Regiogeldbewegung anzuschließen, die damals als Kontrabewegung – nicht nur zur Einführung des Euro, sondern auch zum Gesamtsystem – aufkam. Doch selbst bei meiner Ehefrau sorgte diese Idee zunächst für – um es vorsichtig auszudrücken – Irritationen.

Als ich eines Abends nach Hause kam und ihr die ersten Entwürfe „meines“ Geldes zeigte, war ihre Reaktion eindeutig von purer Fassungslosigkeit geprägt. Zugegeben, der erste Entwurf der Scheine war recht peinlich, doch sollte später ein richtig hübsches, neues Geld aus ihnen entstehen.

Nachdem ich ihr diese recht stümperhaft entworfenen Zettel begeistert in die Hand drückte, reagierte meine Frau recht verhalten. Sie begann plötzlich in einem Tonfall mit mir zu reden, der eindeutig darauf hindeutete, dass sie annahm, ich hätte den Verstand verloren. „Lieber Helmut“, begann sie mit sanfter, wohlwollender Stimme, mit der man normalerweise ein kleines Kind anspricht, „es ist ja schön, dass du dich mit Finanzen und dem Geldsystem beschäftigst, aber horch jetzt mal genau hin: DU KANNST NICHT EINFACH DEIN EIGENES GELD DRUCKEN!“ Im Folgenden wurde ihre Stimme noch etwas milder und fast zärtlich sagte und fragte sie: „Weißt du, da gibt es Gesetze, die verbieten dir, selbst Geld herzustellen ... und jetzt mal ganz ehrlich: Irgendetwas stimmt doch nicht in deinem Oberstübchen. Du bist doch nicht mehr ganz dicht, oder?“

Hm, was soll man dazu sagen? Ich meine, nun gut – mittlerweile war man trainiert, mit Ablehnung umzugehen… Trotz allem tat die abweisende Haltung wieder einmal ein wenig weh. Also verbrachte ich den ganzen Abend, meine Angetraute von der Sinnhaftigkeit des Projekts zu überzeugen, wobei sie dann ungefähr um Mitternacht mit den Worten „Na dann mach mal und viel Glück!“ einwilligte.

Nun, ich empfand die Idee, ein eigenes Regionalgeld zu drucken, um Menschen zum Nachdenken über das derzeitige System zu bewegen, als äußerst verlockend. Was sollte schon passieren? Im Übrigen würde es in wenigen Jahren sowieso zum Crash kommen, obwohl ich mir zu der damaligen Zeit niemals hätte vorstellen können, welche unglaubliche Rettungsmaschinerie von Politik und Zentralbanken aufgefahren werden würde, um das System zu erhalten und virtuelle Guthaben und digitale Verrechnungseinheiten weiterhin exponentiell vermehren zu können. Und so zieht es sich bis heute so dahin: Game ooooooooooooovveeeeeeeerrrrrrrr.........

Damals – wie auch heute noch – stand für mich auf jeden Fall fest, dass Regionalgelder sich für die jeweilige Region als nützlich erweisen könnten. Sozusagen als Rettungsboote, wenn das Eurosystem unkontrolliert auseinanderbrechen und die Welt aus den Fugen geraten sollte.
http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/finanz/interview-wenn-die-titanic-absaeuft-braucht-man-rettungsboote/1442164.html

Interview "Wenn die Titanic absäuft, braucht man Rettungsboote"

Wenn ich an die damalige Zeit und die ersten Treffen der Geldaktivisten vor fast zehn Jahren zurückdenke, überkommt mich ein wenig Wehmut. Die erste Vorstellung unseres neuen Regiogeldes fand bei einem Treffen in Norddeutschland in Form einer recht lustigen PowerPoint-Präsentation vor etwa fünfunddreißig Menschen aus ganz Deutschland statt. Unsere Initiative wurde begeistert aufgenommen, da wir unser Projekt mit viel Spaß und Esprit angingen. Im Übrigen verfügte unser neu gegründeter VolmeTALER e.V. über sehr kompetente Mitglieder in Form eines Steuerberaters, zwei selbstständigen Unternehmern, einem Rechtsanwalt, zwei Unternehmensberatern, einem Lehrer und sogar einem Mitglied der SPD-Fraktion im Hagener Rathaus. Und auch die Scheine hatten wir zwischenzeitlich neu gestaltet, wobei mir der Zehner am besten gefiel:

Trotz allem erforderte das Projekt eine Unmenge an freiwilliger, ehrenamtlicher Arbeit. Ein Programm, mit dem die Seriennummern verwaltet werden konnten, musste geschrieben werden. Die Gestaltung von Werbeflyern und einer Informationszeitung, die zum Start erscheinen sollte, nahm eine Menge Zeit in Anspruch. Zusammen mit der ortsansässigen Druckerei wurde über Sicherheitsmerkmale diskutiert, wobei der Druck der Scheine aus der eigenen Tasche in Euro vorfinanziert wurde. 500.000 VolmeTALER mit einem fiktiven „Wert“ in Höhe von 500.000 Euro verursachten etwas mehr als 2.000 Euro Druckkosten, die über Anzeigeneinnahmen in der VolmeTALER-Zeitung gegenfinanziert wurden. Den Druck der Scheine einfach mit eben diesem neu gedruckten Geld zu bezahlen, erschien zunächst noch als zu dreist und hätte das Geldverständnis nicht nur der Druckerei überfordert.

Überraschend und als sehr angenehm empfand ich die wohlwollende und freundliche Berichterstattung, die zum Start unseres Projektes im Herbst 2005 einsetzte. Bis dahin hatten wir bereits eine ansehnliche Menge von 120 Geschäften und Unternehmen für das Projekt gewinnen können, wobei auch Supermärkte, Tankstellen und viele verschiedene Einzelhandelsgeschäfte zum Teilnehmerkreis zählten. Der Kreislauf des neuen Geldes war zunächst einmal sicher gestellt und am 8. Oktober 2005 ging es los mit unserem neuen Regionalgeld. Viele Zeitungsartikel erschienen nicht nur in der örtlichen Presse, sondern auch später in überregionalen Zeitungen wie der Financial Times Deutschland und Welt am Sonntag. Und auch das WDR-Fernsehen und verschiedene Radiosender besuchten uns und berichteten sehr positiv:

WDR Servicezeit Geld - Der VolmeTALER Oktober 2005

Aufstieg der bunten Regionoten v. 17.02.2006

Statt Euro - Mit Rheingold auf Einkaufstour v. 17.09.06

SWR2 Leben „Kein Geld? Dann macht euch welches!“ v. 7.2.2008

Ein Nachhall: Tiefenblick – Protest in bewegten Zeiten v. 12.02.2012

Das erste Ziel war erreicht, wollten wir doch nur ein klein wenig Bewusstsein für die Problematik unseres Geldsystems in die Welt bringen. Zweifel wollten wir säen und Neugierde wecken. Die Menschen sollten sich endlich mit dem Geld auseinandersetzen, um den Betrug des herkömmlichen Systems zu verstehen. 

Gab es in den ersten Monaten nach der Einführung noch eine Kopplung an den Euro, erblickte mit der GOGO-Edition des VolmeTALERS eine eigenständige, unabhängige Währung das Licht der Welt… 

... wird in Teil 5 fortgesetzt.

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