Während die einen davon ausgehen, dass die immer aggressiveren Zinsschritte der US-Notenbank sowohl die Konjunktur als auch die Märkte in große Turbulenzen bringen wird (Morgan Stanley), gehen andere davon aus, dass die Märkte das relativ unbeeindruckt verarbeiten werden. Beide Seiten argumentieren gut und wie immer wird es die Zukunft zeigen, wer Recht hatte.

Auch an den Börsen geht es derzeit zwischen diesen beiden Sichtweisen hin und her. Interessanterweise beobachten wir, dass die großen Indizes (Nasdaq 100, S&P 500) in keinster Weise mehr den breiten Aktienmarkt abbilden.

Der große Teil der amerikanischen Aktien steht deutlich tiefer als vor einigen Monaten, lediglich eine Handvoll großer Unternehmen, die jene Indices mit großem Gewicht überlagern, ziehen diese optisch nach oben und geben den Anlegern das Gefühl alles wäre in perfekter Ordnung. Grund hierfür ist ganz wesentlich, dass die Kapitalzuflüsse in ETF´s weitgehend genau in diese Unternehmen gelenkt werden.

Umgekehrt bedeutet das eine große Gefahr, wenn die Anleger – im Zuge von ersten Kursrückgängen – anfangen Geld aus den ETF´s abzuziehen. Dann würden genau diese fünf bis sechs Werte und mit ihnen die großen Indices mit hoher Geschwindigkeit fallen.

In diesem Zusammenhang ist es bemerkenswert, dass die Vorstände genau dieser Firmen in den letzten Wochen Aktienpakete ihrer Unternehmen in Größenordnung von Milliardenbeträgen veräußert haben. Die Insiderverkäufe im S&P 500 liegen bis November mit 63,5 Mrd. USD, 50 % über den Verkäufen von 2020. Es fragt sich, an wen? Offensichtlich an die breite Masse der ETF-Investoren.

Wir werden in den kommenden Monaten sehen, ob die Insider der US-Konzerne oder die Privatanleger richtiglagen. Die Reaktion der Märkte auf die Zinsentwicklung in den USA wird darüber entscheiden. Daher ist es durchaus spannend, dass in dieser Woche gleich drei wichtige Notenbanksitzungen anstehen, am 15. Dezember 2021 in den USA (Fed) und am 16.12.21 in UK (BoE) und Europa (EZB).

Einige Marktteilnehmer erwarten, dass die monatlichen Anleihekäufe der Fed nicht nur um 15 Mrd. USD zurückgefahren werden, sondern eher um 30 Mrd. USD. Das gesamte Ankaufvolumen beträgt 120 Mrd. USD pro Monat. Sollte dies passieren, könnte die Fed die Zinsschraube schon ab April/Mai 2022 anziehen und sogar drei Zinserhöhungen im nächsten Jahr anpeilen. Zudem wurde das Wort „transitory“ (vorübergehend) aus dem schriftlichen Bericht für die Inflationserwartungen im kommenden Jahr gestrichen.

Die EZB ließ verlauten, dass man auch in der Eurozone die Inflation nun ernster nimmt. Eine Zinserhöhung sei zwar für 2022 nicht geplant, aber auch hier könnten die Diskussionen rund um die Ankaufprogramme neu entflammen. Es liegen also spannende Tage vor uns!

Goldman Sachs reduzierte indes in den letzten Wochen seine Wachstumserwartungen für die USA. Statt 4,2 Prozent wird für 2022 jetzt nur noch ein Wachstum von 3,8 Prozent erwartet. Schon für das laufende Schlussquartal 2021 wird Goldman Sachs vorsichtiger und reduzierte die Erwartung von 3,3 auf 2,9 Prozent Wachstum. Die von Bloomberg befragten Analysten preisen jedoch immer noch ein Wachstum der Gewinne für den S&P 500 von 4,5 Prozent für 2022 ein!

Der S&P 500 fiel 0,30 % im Berichtszeitraum. Auf der Gewinnerseite stand mal wieder die Aktie von Apple, gefolgt von Pharmaaktien wie z. B. Moderna. Die Verliererliste der Aktien mit Verlusten von 20 % oder mehr wurde in den vergangenen Tagen immer länger. Einzelhandelsunternehmen der Mode- und Elektrobranche führten diese an.

Der technologielastige Nasdaq 100 verlor 0,66 %. Einige Aktien der zweiten und dritten Reihe verloren fast die Hälfte ihrer Marktkapitalisierung. Die Marktteilnehmer bauten gerade in hochverschuldeten Unternehmen Position ab. Auch sah man, dass kreditfinanzierte Spekulationen deutlich zurückgefahren wurden. Seit April 2021 sind fünf Aktien für die Wertentwicklung des Index maßgeblich verantwortlich: Alphabet, Apple, Microsoft, Nvidia und Tesla.

Im Berichtszeitraum 15.11. bis 13.12.21 fiel unser Vergleichsindex MSCI World Value Net (EUR) um 0,53 % von 147,40 auf 146,61 - der Dirk Müller Premium Aktien Fonds gab um 0,45 % auf 91,30 Euro nach.

An dieser Stelle möchten wir Ihnen in gewohnter Weise einige interessante Unternehmensmeldungen bzw. Quartalszahlen zusammenfassen. Auch gab es eine Depotneuaufnahme, sowie einen Komplettverkauf.

Booking Holding Q3 2021

Der Umsatz betrug 4,7 Mrd. USD nach noch 2,6 Mrd. USD im dritten Quartal 2020. Das EBITDA wurde mit 2,1 Mrd. USD nach 1 Mrd. USD gemeldet. Der Nettoertrag kletterte auf 970 Mio. nach noch minus 41 Mio. im Vergleichszeitraum Q3 2020. Der Free Cash-Flow belief sich auf 1,5 Mrd. nach nur 848 Mio. USD im Vorjahr.

Die Zimmerübernachtungen sprangen auf 183 Mio., was einem Plus von 44 Prozent entspricht. Alle relevanten Umsatz- und Gewinnsegmente konnten zulegen. CEO Fogel signalisierte zudem einen positiven ersten Ausblick für das laufende Quartal. Dies war jedoch schon am 03.11.21, also lange vor den jüngsten Ereignissen in Südafrika. Es bleibt abzuwarten, wie sich Restriktionen weiter auswirken werden.

Ball Q3 2021

Der Umsatz von Ball betrug 3,55 Mrd. USD nach drei Mrd. USD in Q3 2020. Die Bruttomarge sank leicht von 21,4 auf 19,8 Prozent. Der Nettoertrag stieg jedoch auf 323 Mio. nach 227 Mio. USD. Der Free Cash-Flow blieb mit 261 Mio. nach 341 Mio. in Q3 2020 recht stabil. Das Teilsegment „Beverage Packaging America“ wuchs 14 Prozent, EMEA (EMEA ist die engl. Abkürzung für den Wirtschaftsraum Europa, Naher Osten und Afrika) konnte 16 Prozent zulegen, „South America“ plus 6,9 Prozent, Aerospace verbuchte ein Plus von zehn Prozent beim Umsatz. Der operative Ertrag in Nord-Amerika lag jedoch elf Prozent im Minus, EMEA plus 6,8 Prozent, Süd-Amerika plus 16 Prozent und Aerospace kletterte 4,5 Prozent. Das Geschäft läuft laut CEO gut, aber Lieferketten, Lohninflation und Rohstoffe belasten. Insgesamt hält das Unternehmen an den aktuellen Zielen fest.

Berkshire Q3 2021

Der Umsatz stieg auf 70,5 Mrd. USD nach noch 63 Mrd. USD in Q3 2020. Die Bruttomarge lag bei 20,8 nach 21,8 Prozent im Vergleichszeitraum. Der Nettoertrag kletterte von 5,5 auf 6,5 Mrd. USD, der Free Cash-Flow von 8,4 auf 8,5. Allerdings sind die Zahlen von Berkshire, wie ja bekannt, durch die Aktieninvestitionen immer sehr volatil. Daher sollte mehr Augenmerk auf den operativen Ertrag gelegt werden. Dieser lag bei 6,5 Mrd. USD nach 5,4 Mrd. USD im Vergleichsquartal Q3 2020. In den Kassen befinden sich 149 Mrd. USD nach 145,7 Mrd. in Q3 2020. Im dritten Quartal wurden für 7,6 Mrd. USD Aktien zurückgekauft, für das Gesamtjahr 2021 sind es bis jetzt 20,2 Mrd. USD.

Buffett wird wohl weitere eigene Aktien kaufen, da er den Markt für zu teuer erachtet.

Portfolioveränderungen:

Neu haben wir die Aktie von Caterpillar aufgenommen und von Activision haben wir uns komplett getrennt:

Das US-Unternehmen Caterpillar entwickelt, produziert und vertreibt Bau-, Bergbau- und Forstwirtschaftsgeräte. Die Amerikaner sollten von dem geplanten Infrastrukturprogramm in den USA für die kommenden Jahre profitieren. Getrennt haben wir uns von Activision Blizzard.

Zwar waren die letzten Quartalszahlen gut, aber die andauernden negativen Schlagzeilen rund um den CEO Robert Kotick verstummen nicht. Ein vertrauenswürdiges und stabiles Management ist eines der Kernelemente unserer Unternehmensauswahl. Das Verhalten des momentanen CEOs in der aktuellen Sexismus-Krise im Unternehmen ist damit leider nicht in Einklang zu bringen. Sollte sich hier eine personelle Veränderung und damit eine grundlegende Veränderung in der Unternehmenskultur ergeben, überdenken wir eine Neuaufnahme, denn Activision Blizzard ist nach wie vor eine Macht im Gaming-Sektor und wenn sich die Firma unter neuer Leitung wieder auf ihr eigentliches Geschäft konzentrieren kann ist es sicherlich wieder ein Investment wert.

Herzliche Grüße und weiterhin heitere Tage

Ihr

Dirk Müller & Fonds Team