In den letzten Wochen haben wir oft von der Veränderung der Zinslandschaft geschrieben und wie sich die einzelnen Branchen und Aktien darauf einstellen müssen. Technologieunternehmen sind schon seit Monaten unter Druck, vor allem jene, die noch kein Geld verdienen oder deren Bewertung in schwindelerregende Maße gestiegen waren. Seit dem Hoch im November 2021 fiel der Nasdaq 100 Index um rund 20 %. Der US-Semiconductor Index (SOX) musste Kursverluste von über 25 % seit dem Hoch im Januar 2022 hinnehmen. Doch ein Blick nach China, wo der Technologieindex HSTech seit seinem Höchststand 65 % eingebüßt hat und weiter in hohem Tempo fällt, zeigt was auch bei uns zumindest denkbar ist. Die US-Zinserhöhungen bringen - wie seit langem angekündigt - Wirtschaft und Börsen ins Straucheln, auch wenn man nur allzu gerne den Ukraine-Krieg als Ausrede nutzt. Die Bewegungen der US-Börsen in den letzten 10 Jahren wurden zu 90 % durch die Notenbankpolitik ausgelöst, wie die Statistiken eindrucksvoll zeigen. Alles steht und fällt also mit den US-Zinsen und der Liquiditätspolitik der Notenbank.

Die zehnjährigen US-Zinsen tendieren aktuell in Richtung drei Prozent. Wenn auch mit Schwankungen ist der Weg, die Inflation zu bekämpfen, noch lange nicht zu Ende. Die US-Zentralbank tagt Anfang Mai wieder. Die Entscheidung ist für den 04. Mai 2022 vorgesehen. Einige Mitglieder dieses Gremiums verlangen eine Zinserhöhung von 75 Basispunkten und selbst der sonst beschwichtigende FED-Chef Powell hat 50 Basispunkte ins Spiel gebracht. Die Zinskurve preist mittlerweile für Ende des Jahres 2,3 % für die FED Funds ein, aber ist das genug!?

Von vielen weitgehend noch unbemerkt braut sich dadurch an den tektonischen Bruchstellen der Weltwirtschaft übles zusammen. Der japanische Staat ist mit über 250 % des BIP der am dritthöchsten verschuldete Staat der Welt, nur getoppt von Venezuela und dem Sudan, aber noch vor Griechenland. Das ist nur tragfähig, solange es der Zentralbank gelingt die Zinsen weiter wie seit über 25 Jahren nahe null Prozent zu halten. Doch null Prozent Zinsen in Japan, drei Prozent in USA sorgen für einen dramatisch beschleunigten Kapitaltransfer von Japan (man nimmt hier Geld zu 0,25 % auf) in die USA (und legt es dort für drei Prozent an). Dadurch sinkt der Wert des japanischen Yen immer tiefer. In nur wenigen Wochen ist der Yen auf den tiefsten Stand der letzten 20 Jahre gefallen. Je tiefer der Yen, desto schneller steigt die Inflation in Japan, da beispielsweise Energieimporte (in USD zu bezahlen) immer teurer werden. Mit jedem US-Zinsschritt kommt die japanische Notenbank in größere Schwierigkeiten. Wird sie die Zinsblockade (derzeit bei 0,25 %) aufheben, einen sprunghaften Anstieg der Zinsen und somit die Gefahr einer Staatsschuldenkrise ala Griechenland riskieren, oder die Zinsen gegen den massiven Abwertungsdruck mit Gewalt tief zu halten und eine galoppierende Inflation riskieren? Ich tippe auf ersteres. Der Hilferuf an die FED vor wenigen Tagen, doch bitte mit der BOJ koordiniert den Yen zu stützen wurde aus New York klar abgelehnt.

Ähnliche Problem haben derzeit viele Länder der Welt inklusive China und die EZB.

Die langjährigen Leser werden sich dabei an meine alte, oft wiederholte Aussage erinnern:

China ist die größte Wirtschaftsblase aller Zeiten und steigende US-Zinsen werden sie zum Einsturz bringen“. Genau das geschieht gerade. Wir sind genau auf dieses Szenario vorbereitet und die Stabilität des Fonds gerade auch während der jüngsten Kurseinbrüche zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Aber auch die Berichtssaison nimmt diese Woche volle Fahrt auf. Am Dienstag (26.04.22) kommen die ersten Tech-Schwergewichte aus unserem Portfolio. Microsoft und Alphabet berichten über das abgelaufene Quartal. Hier wird vor allem der Cloudbereich wieder für Spannung sorgen und wie sich die Werbeeinnahmen bei Google entwickelt haben.

Qualcomm, Meta und PayPal sind am Mittwoch (27.04.22) dran. Nach dem Netflix Debakel liegt die volle Aufmerksamkeit auf den Meta Nutzerzahlen und wie sich PayPal durch die größer werdende Konkurrenz manövriert. Bei Qualcomm wird man auf die nächste Generation von Snapdragon Chips schauen, wie die chinesischen Lockdowns verkraftet wurden und ob sich der Autosektor weiterhin positiv entwickelt.

Amazon und Apple öffnen ihre Bücher am Donnerstag (28.04.22). Apples neue „Privacy Rules“ haben schon in Q4 2021 für Aufregung gesorgt und Amazon rollt den Markt für Zahlungsmöglichkeiten außerhalb seiner eigenen Webseite weiter auf. Der Zündstoff für eine volatile Börsenwoche ist also gegeben!

Der S&P 500 ist im Berichtszeitraum (06.04. bis 22.04) um 4,67 % gefallen. Netflix und die Match Group führten die Verliererliste an. Luftfahrtunternehmen konnten hingegen zweistellig zulegen. Der technologielastige Nasdaq 100 fiel um 7,88 %. Durch das Doppellisting einiger Aktien, trugen auch hier Netflix und die Match Group die rote Laterne. Auf der Gewinnerliste fand man Bekleidungsunternehmen und Hotelketten, die wohl von der wiedergewonnenen Freiheit der Reiselust profitierten.

Unser Vergleichsindex MSCI World Value Net (EUR) fiel 0,36 % von 153,99 auf 153,43. Der Dirk Müller Premium Aktien Fonds konnte leicht auf 91,02 Euro zulegen.

Einige Unternehmen aus unserem Portfolio haben bereits ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Hier ein kurzer Auszug. Mehr und detailliertere Informationen finden Sie wie gewohnt im Forum.

Johnson & Johnson

Im ersten Quartal 2022 lieferte der US-Pharmakonzern durchwachsene Zahlen ab. Der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr stieg um fünf Prozent auf 23,4 Mrd. USD. Analysten hatten etwas mehr erwartet. Der Bruttogewinn lag bei 15,8 Mrd. USD, was einer Bruttomarge von 67,6 % entsprach. Vor Steuern verdiente man 5,86 Mrd. USD (7,42 Mrd. USD in Q1 2021) und netto konnten 5,15 Mrd. USD ausgewiesen werden. Dies entsprach einem Rückgang von 16,9 % gegenüber dem ersten Quartal 2021. Die Nettomarge schrumpfte entsprechend von 27,8 % auf nur noch 22 %.

Grund für den Rückgang waren vor allem gestiegene allgemeine Kosten und Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Lagen die allgemeinen Kosten noch bei 24,3 % des Umsatzes (Q1 2021), waren es im abgelaufenen Quartal 25,4 %. Die Aufwendungen für Forschung lagen bei 14,8 % des Umsatzes nach noch 14,2 % im Vergleichsquartal.

Das Unternehmen konnte solide Zahlen abliefern, auch wenn der Markt mehr erwartet hatte. Der eher defensive Charakter der Aktie half der Kursentwicklung in den letzten Monaten. Die Bewertung ist immer noch nicht teuer, auch nach dem Anstieg seit März 2022. Der Gesamtmarkt muss aber beobachtet werden.

ABB

Auch die ABB Ltd öffnete die Bücher für das abgelaufene erste Quartal 2022 (Bilanzierung in USD). Der Umsatz betrug 6,97 Mrd. USD und wurde damit, vom Vergleichsquartal 2021 ausgesehen, leicht gesteigert. Die Bruttomarge lag bei 32,7 % nach noch 32,9 % ein Jahr zuvor. Der operative Ertrag von 857 Mio. USD nach 797 Mio. USD lag über den Schätzungen der Analysten. Beim Nettogewinn konnte ABB nur intern punkten. 604 Mio. USD wurden verdient, was einer Marge von 8,7 % entsprach.

Der Auftragseingang für das erste Quartal 2022 verzeichnete ein Plus von rund 21 % auf 9,37 Mrd. USD. Die geografische Verteilung der Auftragstätigkeit lag bei 3,53 Mrd. USD in Europa, gefolgt von 2,94 Mrd. USD für die Region Asien/Afrika/Mittlerer Osten. In Amerika wurden 2,90 Mrd. USD neue Aufträge gewonnen.

ABB hat die Kosten und Herausforderungen bis jetzt gut im Griff. Der Auftragseingang zeigt die Stärken und auch die Preissetzungsmacht der Eidgenossen.

Intuitive Surgical

Unser Depotwert Intuitive Surgical (ISRG) berichtete ebenfalls Q1 2022 Zahlen. Der Umsatz stieg im Vergleich zum ersten Quartal 2021 um 15,1 % auf 1,49 Mrd. USD. Der Bruttogewinn lag bei rund 1 Mrd. USD, was einer Bruttomarge von 67,9 % entsprach. Der operative Gewinn fiel leicht auf 408 Mio. USD und netto verdiente man 366 Mio. USD. Die Marge hier belief sich auf 24,6 %, nach noch 33 % im Vorjahreszeitraum. Das Unternehmen verkaufte 311 Da-Vinci-Systeme, immerhin ein Plus von vier Prozent im Jahresvergleich – für ein erstes Quartal ein guter Wert. Die installierten Systeme belaufen sich nun auf 6.920 Stück per Ende März 2022 (6.142 per März 2021). Im Servicebereich betrugen die Umsatzkosten 80,7 Mio. USD bei 249 Mio. USD Umsatz, also rund 67,6 % Bruttomarge. Im konsolidierten Produktsegment (Instrumente und Systeme) lagen die Kosten bei 397,3 Mio. USD, was einer Marge von 67,9 % entsprach.

Mehr installierte Da-Vinci-Systeme heißt auch mehr Service und vor allem mehr Zubehör. Die Systeme sind zwar nicht preiswert, aber mit den Instrumenten und dem nötigen Zubehör verdient man eben das Geld. Günstig ist die Aktie nicht, aber dafür ist Intuitive in seinem Segment einfach Weltklasse.

herzlichst

Ihr

Dirk Müller & Fonds Team