Ich hatte mit dem Buch „Machtbeben“ (2018) dieses Thema umfangreich vorgestellt. Da wir uns im Team mit den Zusammenhängen dieser Strukturen und ihrer potentiellen Auswirkungen seit Jahren intensiv beschäftigen, gehen bei uns mit den Meldungen der letzten Wochen alle Alarmglocken an.

Kaum etwas hat mehr Sprengkraft für die Weltwirtschaft und deren Börsen wie das irgendwann zwangsläufige Platzen der chinesischen Immobilienblase. Es sei an dieser Stelle – man könnte es um ein Buch erweitern – auf eine einzige Zahl hingewiesen: Der durchschnittliche Preis einer chinesischen Immobilie liegt beim 27-fachen eines durchschnittlichen Haushaltseinkommens. In den USA beim 4-fachen.

Die bislang zur Schau getragene Sorglosigkeit in den Medien und an den Börsen ist durchaus vergleichbar mit jener Anfang 2008 („Ach was, die lassen doch keine Bank Pleite gehen…“) oder auch dem Januar 2020 „Ach was … das Virus ist doch nur ein kurzfristiges China-Problem … betrifft uns nicht…“. Es ist immer wieder beeindruckend, mit welchem Chuzpe hinterher immer behauptet wird „Das konnte man nicht ahnen …“… doch ... man konnte es sehen … jedes Mal … wenn man wollte.

Selbstverständlich ist es nicht sicher, dass es in den nächsten Wochen zum großen Einbruch kommt, aber die Situation ist feuergefährlich und erst im Rückblick wird man sagen können, ob es der chinesischen Regierung gelungen ist, die Situation noch einmal zu retten und Zeit zu gewinnen, oder ob es nicht mehr gelungen ist. Die Frage ist nicht, ob die „Bereinigung“ des chinesischen Immobilienmarktes mit den dazugehörigen Folgen für die chinesische und weltweite Wirtschaft kommt, sondern lediglich wann. Wenn es also ohnehin irgendwann passiert, wieso sollte man dann ausschließen können, dass es diesmal bereits so weit ist?

Der chinesische Immobilienmarkt ist für ein Viertel der gesamten chinesischen Wirtschaftsleistung zuständig. Die Bevölkerung hat laut Schätzungen zwischen 40 % und 75 % ihrer Ersparnisse in diesem Sektor geparkt. Die Kettenreaktion aus Zusammenbruch der Immobilienentwickler – Zwangsverkäufen – Preiseinbrüchen bei Immobilien – Pleite von weiteren Immobilienentwicklern/Banken/Unternehmen/Privatpersonen – Kapitalverlust der Bevölkerung/ Einbruch der chinesischen Binnennachfrage ist jedenfalls in Gang gesetzt. Wenn es nicht gelingt, sie zu unterbrechen – was durchaus möglich, aber keinesfalls sicher ist -, wird es dramatische Auswirkungen auf den Rest der Weltwirtschaft haben, da China mittlerweile alleine für über 1/3 des weltweiten Wachstums verantwortlich ist.

Wie es auch kommen mag, wir sind uns dieser Risiken bewusst, genau dafür haben wir den Fonds gebaut und nehmen diese Situation daher naturgemäß ernster. Das Risiko muss hier jeder für sich bewerten, was richtig oder falsch war, zeigt erst die Zukunft. Wir bleiben bei unserer Grundhaltung: „Rechne mit dem Schlimmsten und hoffe das Beste“.

Erst wenn dieses Damoklesschwert „Chinesischer Immobilienmarkt“ abgehängt oder heruntergefallen ist, werden wir im Fonds deutlich aggressiver investieren und uns ebenfalls auf das Büfett stürzen, doch bis dahin bleiben wir lieber in der Nähe des Ausgangs.

Im Berichtszeitraum 31.08. - 24.09.21 fiel unser Vergleichsindex MSCI World Value Net (EUR) um 0,61 % von 138,72 auf 137,87 - der Dirk Müller Premium Aktien Fonds gab leicht um 0,19 % auf 94,09 Euro nach.

Der S&P 500 musste etwas mehr Federn lassen und sank um 1,49 %. Auf der Gewinnerliste standen Aktien von Öl- und Gasgesellschaften, so konnte beispielsweise unser Depottitel Equinor um 11,7 Prozent zulegen. Die größten Verlierer waren dagegen Aktien aus dem Kasinobereich. Auch der technologielastige Nasdaq 100 gab 1,62 Prozent nach. Hier waren es vor allem Aktien wie Biogen oder Electronic Arts, die zweistellig verloren. Parallel büßte unser heimischer Index Dax 1,92 Prozent ein.

Wir haben uns aufgrund der Schwäche des Nasdaq 100 drei der großen Technologiewerte innerhalb des Indexes genau angeschaut:

Apple

Das abgelaufene dritte Quartal, welches durch ein gebrochenes Geschäftsjahr für Apple am 26.06.21 endete, war erneut von Superlativen gespickt. Selbst erfahrene Analysten lagen mit ihren Prognosen meilenweit daneben. Umsatzseitig erwirtschaftete der Konzern 81,4 Mrd. USD, wobei der Bruttogewinn 35,3 Mrd. USD oder 43,3 % des Umsatzes betrug.

Mit einer Prognose von 19,9 Mrd. USD hatten sich die Analysten beim operativen Ergebnis deutlich verschätzt, denn dieses lag im dritten Quartal bei 24,1 Mrd. USD. Das Vorsteuerergebnis mit 24,4 Mrd. und der Nettoertrag mit 21,7 Mrd. USD wiesen jeweils ein Wachstum von 85,5 % bzw. 93,2 % zum Vergleichsquartal Q3 2020 aus. Außerdem wurde der Free Cashflow auf 19 Mrd. USD beziffert.

Zum Vergleich die Entwicklung des Free Cashflow der vergangenen Jahre:

  • Q3 2017: FCF 6,7 Mrd. USD

  • Q3 2018: FCF 11,2 Mrd. USD

  • Q3 2019: FCF 9,6 Mrd. USD

  • Q3 2020: FCF 14,7 Mrd. USD

  • Q3 2021: FCF 19 Mrd. USD

Apple verzeichnete in allen Regionen Wachstum – Spitzenreiter war China mit einer Steigerung von 58 %, wo 14,7 Mrd. USD Umsatz (18,1 % der Gesamtumsätze) erzielt wurden. Am zweitstärksten wuchs die Region Amerika mit 32,7 % auf 35,8 Mrd. USD (44 % der Gesamtumsätze), Europa verbuchte 18,9 Mrd. USD Umsätze (23,3 % der Gesamtumsätze), was einem Plus von 33,6 % gleichkam. Japan und der Rest des asiatischen Raumes wurden mit 6,5 Mrd. USD bzw. 5,4 Mrd. USD berichtet, beide verzeichneten ein Wachstum von 30 % zum Vergleichszeitraum Q3 2020.

Wie im letzten Quartalsbericht von uns angedeutet, bewahrheitet sich der Superzyklus, auch wenn Lieferkettenprobleme immer wieder zu Rückschlägen führen.

Immer wieder erheiternd, sich an die regelmäßigen Medienberichte der letzten Jahre zu erinnern, in denen es hieß, Apple hätte seine besten Zeiten längst hinter sich….

Microsoft

Auch der Technologieriese Microsoft schaffte es mit seinem Zahlenwerk einmal mehr, die Erwartungen von Analysten zu schlagen: Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2021, welches zum 30.06.21 endete, stieg der Umsatz um 21 % auf 46,2 Mrd. USD. Auch der Bruttoertrag wuchs auf 32,2 Mrd. USD, was einer Marge von 69,7 % entsprach. Operativ verdiente Microsoft 19,1 Mrd. oder 42 % mehr als noch im vierten Quartal 2020. Beim Nettoergebnis stand ein Plus von 47 Prozent auf 16,5 Mrd. USD zu Buche. Der Free Cash-Flow betrug 16,2 Mrd. nach noch 13,9 Mrd. im Vergleichsquartal.

Die Umsätze im Segment „Productivity and Business Processes“ wuchsen insgesamt 25 % auf 14,7 Mrd. USD. Enthalten sind hier die LinkedIn-Umsätze, welche um 46 % stiegen, und Office 365 mit einem Zuwachs im Konsumerbereich von 18 % und bei kommerziellen Kunden von 20 %. Im Segment „Personal Computing“ betrug der Umsatz 14,1 Mrd. oder neun Prozent mehr als noch vor einem Jahr.

Die Gaming-Umsätze wuchsen elf Prozent, wobei der Treiber die Xbox-Hardware mit 172 % war und nicht der Servicebereich, denn dieser büßte rund vier Prozent ein. Aber bekanntermaßen kommt erst die Hardware, dann der Service! Der wichtige Cloudbereich „Intelligent Cloud“ wurde mit 17,4 Mrd. Umsatz im Call berichtet, was ein Plus von 30 % bedeutet. Das Wachstum der Cloud-Computing-Plattform Azure übertraf mal wieder die Marke von 50 %.

Zu dem Zahlenwerk bleibt nicht viel sagen: Metaphorisch ausgedrückt ist der Burggraben so tief und die meterdicken Mauern und Tore so stark, dass es für Angreifer schwer bis unmöglich ist den Quasi-Monopolisten auf traditionelle Weise auch nur zu gefährden. Nur die Luft könnte im übertragenen Sinne gefährlich werden. Gemeint ist an dieser Stelle die zunehmende Bedrohung durch Hacker und Cyberattacken: Doch Microsoft will in den nächsten fünf Jahren 50 Mrd. USD in digitale Sicherheit investieren.

Alphabet

Der Google-Mutterkonzern Alphabet berichtete ebenfalls Zahlen zum abgelaufenen zweiten Quartal 2021. Mit 61,9 Mrd. USD Umsatz wurden mal wieder selbst die höchsten Analystenerwartungen geschlagen. Die Bruttomarge lag bei 57,6 % nach noch 51,6 % im Vorjahreszeitraum. Beim operativen Gewinn gelang ein Wachstum von über 200 % auf 19,4 Mrd. USD. Vor Steuern verdiente Alphabet fast 22 Mrd. USD (plus 165,6 %) und da man ohnehin kaum Steuern bezahlt, blieben netto 18,5 Mrd. USD (plus 166,2 %) hängen. Der Free Cashflow wurde mit 16,4 Mrd. USD angegeben, was einem Zuwachs von 90,6 % entsprach (Q2 2020 8,6 Mrd.).

Zu diesem Umsatzwachstum trugen u.a. folgende Geschäftsbereiche bei:

  • Google Search & Other (35,8 Mrd. USD; +68 %)

  • Google Network (7,6 Mrd. USD; +60 %)

  • YouTube Ads (7 Mrd. USD; +83 %)

  • Google Cloud (4,6 Mrd. USD; +54 %)

Die Zahlen sprechen für sich, hat man doch sogar die eigenen Prognosen schlagen können. Allein die Werbeerlöse der Videoplattform YouTube zogen nahezu mit dem kompletten Quartalsumsatz von Streaming-Riese Netflix, der 7,3 Mrd. USD betrug, gleich. Ob man die langen Tentakel der großen Datenunternehmen wie Alphabet, Amazon oder Apple & Co. mag oder nicht, als Grundausstattung gehören sie nun mal in ein gutes Depot.

Bakkafrost

Wir haben mit großem Interesse am Capital Markets Day von Bakkafrost auf den Färöer-Inseln vom 14-16. September 2021 teilgenommen. CEO Regin Jacobsen und seine Führungsmannschaft standen auf dieser Veranstaltung Rede und Antwort. Ein ausführlicher Bericht mit detaillierten Einblicken wird in Kürze veröffentlicht. Eine Kleinigkeit vorweg: das Sorgenkind Schottland fängt an zu laufen.

Herzliche Grüße und weiterhin heitere Tage

Ihr

Dirk Müller & Fonds Team