Liebe Leserinnen, liebe Leser,

bis zur Fed-Entscheidung am Mittwochabend bewegten sich die Märkte weiterhin in einer engen Handelsrange, die erst nach der – wie erwartet moderaten – Zinsanhebung durch die US-Notenbank nach oben verlassen wurde. Viele Marktteilnehmer positionierten sich bis dahin recht eng an wichtigen Marken, die dann nach Bekanntwerden der Fakten rasch geknackt wurden. Nach Überschreiten der 12.000-Punkte-Marke im DAX gilt auf der Oberseite als nächstes Ziel das Allzeithoch bei knapp 12.400 Punkten. Die wichtigste Unterstützung befindet im Bereich der 200-Tage-Line bei rund 11.900 Punkten.

US-Schuldenobergrenze: Ein durchaus heißes Thema, aber kaum eine Schlagzeile wert!

Ein spannendes und durch die hiesigen Medien viel zu wenig beachtetes Thema ist die US-Schuldenobergrenze. Diese wurde wieder einmal in dieser Woche erreicht. Vor zwei Jahren hatte man sich, als man sich auf einen neuen Haushalt nicht einigen konnte und ein „Government Shutdown“ folgte, entschieden, dieses Problem ins Jahr 2017 zu verschieben. Bis zum 15. März d.J. sollte diese Schuldenobergrenze also nicht beachtet werden. Nun ist dieser Zeitpunkt gekommen und ein Staatsschuldenstand von rd. 20 Billionen US-Dollar erreicht. Die US-Regierung muss also jetzt die letzten Milliarden zusammenkratzen, um ihre laufenden Zahlungen tätigen zu können. Es dürfen von nun an also keine neuen Schulden aufgenommen werden.

Der neue US-Präsident versucht das jetzt in seinem Sinne zu drehen und den US-Kongress davon zu überzeugen, dass er wieder neue Schulden machen darf. Nun, damit hat er sich bereits einige Feinde gemacht. Viele gehen seine Themen nicht mit. Seine Widersacher könnten also alle Pläne des Weißen Hauses von Steuersenkungen über Infrastrukturinvestitionen bis hin zum Mauerbau zu Mexiko schlicht über die Schuldenobergrenze torpedieren. Das wird sehr spannend zu sehen sein, spielt in der Berichterstattung momentan allerdings kaum eine Rolle.

Saudische Ölforderung steigt – dabei sollte sie doch fallen...

Saudi-Arabien hat zuletzt seine Ölförderung wieder erhöht. Ach nee, mag man sagen! Erst Ende letzten Jahres hatte man mit großem Getöse verkündet, man habe sich bei der OPEC nun endlich auf Förderbegrenzungen geeinigt und man werde den Ölpreis stabilisieren. Kurzfristig schien das auch gelungen zu sein. Man glaubte wohl allzu gerne an diese Förderdrosselungen und an wieder steigende Notierungen für den Energierohstoff. Und nun: Pustekuchen! Es wundert einen nicht wirklich, dass sich die OPEC in diesen Themen letztlich nicht einig sein kann. Selbst auf große Ankündigungen folgten am Ende keine handfesten Taten. Das Hemd war eben stets näher als die Hose. Unterm Strich schaut jeder auf seinen eigenen Geldbeutel.

Hinzu kommt, dass sich die Saudis eine Drosselung auch gar nicht leisten können, da sie auf jeden (Petro-) Dollar dringend angewiesen sind. Den Saudis geht nämlich das Geld langsam aus. Nach eigenen Meldungen haben sie im Februar ihre Ölförderungen wieder nach oben gefahren. Noch immer kommt also mehr Öl auf den Markt als nachgefragt wird. Noch immer sehen wir Rekordstände bei den Öllagern und es sieht nicht danach aus, dass sich das ändern sollte. Dementsprechend herrscht Enttäuschung an den Ölmärkten: Der Preis geht in dieser Woche wieder nach unten und erreicht wieder die 50-Dollar-Marke. Am Markt wird bereits wieder darüber diskutiert, ob dieser sich wieder in Richtung 35 Dollar pro Fass bewegen wird.

Dieses Niveau würde sich übrigens dann auch wieder bei den Inflationsraten bemerkbar machen. Denn die etwas anziehende (offizielle) Inflation der letzten Monate war im Wesentlichen auf eine zwischenzeitliche Stabilisierung des Ölpreises und anderer Rohstoffpreise zurückzuführen. Das könnte sich nun wieder ändern, nämlich im Sinne einer erneuten Preisdämpfung.

Dubai: Immobilienkrise reloaded?

Auch bei den Nachbarn am Golf spielt sich z.Z. Interessantes ab. So waren etwa in Dubai in den vergangenen Wochen sehr viele Baustopps sowie Entlassungen von Bauarbeitern zu beobachten. Die Immobilienkrise scheint in großen Schritten nach Dubai zurückzukehren. Es liegt auf der Hand: Wenn in der Region das Geld aus dem Ölverkauf ausbleibt, dann wird es auch mit den Investitionen eng. Es werden Projekte zurückgefahren oder gestoppt bzw. es nehmen die Sorgen darüber zu, ob man sein Geld überhaupt wieder zurückbekommt. Natürlich handelt es sich dabei nur um eine Momentaufnahme und man muss im Laufe der nächsten Monate verifizieren, wie sich die Situation weiterentwickelt. Interessant ist allemal zu sehen, dass diese Probleme am Immobilienmarkt in Dubai, die wir vor einigen Jahren schon einmal gesehen haben, nun wieder akut werden könnten.

Das Schicksal der EU und des Euro entscheidet sich in Frankreich

Nicht nur bei unseren niederländischen Nachbarn, sondern auch in Frankreich werden die Wähler zu den Urnen gerufen. Die Herausforderer von Marine Le Pen zerlegen sich selbst. Gegen den republikanischen Kandidaten François Fillon wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Veruntreuung von Staatsgeldern eingeleitet. Fillon soll seine Frau und seine Kinder ohne Gegenleistung auf Staatskosten beschäftigt haben. Man versucht offenkundig alles, um Le Pen ins Präsidentenamt zu hieven. Das ist definitiv eine weitaus spannendere Geschichte als ein Wahlgang in den Niederlanden! Denn sollte Le Pen tatsächlich französische Präsidentin werden, könnte das einen sehr schwerer Schlag für Europa und den Euro bedeuten und sehr weitreichende Folgen nach sich ziehen. Diese Wahl wird daher der spannendste Termin in diesem Jahr werden. Nachdem wir im letzten Jahr mit der Wahl Donald Trumps die Ablösung der Globalisierung durch eine eher nationalistische Wirtschaftspolitik gesehen haben, wäre Le Pen diejenige, die dafür in Europa verantwortlich zeichnen könnte. Warten wir also umso gespannter die nächsten Wochen ab!

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein ruhiges und erholsames Wochenende und viel Spaß beim Lesen der Beiträge.

Ihre Cashkurs-Redaktion