Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,2098 (06:03 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,2093 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 109,77. In der Folge notiert EUR-JPY bei 132.81. EUR-CHF oszilliert bei 1,0876.

In den letzten 24 Handelsstunden dominierte überwiegend Stabilität an den Märkten. Der USD konnte leicht an Boden gewinnen. Aktienmärkte sind weitgehend freundlich. Die Korrektur des vorherigen Zinsanstiegs an den Kapitalmärkten setzt sich fort (Zehnjährige Bunds bei -0,28 %, Zehnjährige Treasuries 1,46 %).

Bundesbank zuversichtlicher

Die Bundesbank sieht die deutsche Wirtschaft vor einem kräftigen Aufschwung. Bereits im Sommer könnte das BIP wieder das Vorkrisenniveau erreichen. Im Zuge des Aufschwungs würde auch die Inflation anziehen.

Für das laufende Jahr erwartet die Bundesbank einen kalenderbereinigten Anstieg des BIP um 3,7 % (bisher 3,0 %). Per 2022 wird ein Wachstum in Höhe von 5,2 % (bisher 4,5 %) unterstellt. Bereits ab 2022 würden die gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten überdurchschnittlich ausgelastet sein. Das Wirtschaftswachstum schwächte sich im Jahr 2023 auf 1,7 % (bisher 1,8 %) ab.

Die Bundesbank rechnet 2021 mit einer Inflationsrate von 2,6 % (bisher 1,8 %). Es seien zum Jahresende vorübergehend Inflationsraten um vier Prozent möglich. Preistreiber seien unter anderem die erhöhten Mehrwertsteuern (Einmaleffekt) und die stark gestiegenen Rohölpreise (exogener Effekt). Die Sondereffekte würden 2022 auslaufen. Per 2022 erwarten die Bundesbank-Ökonomen einen Anstieg der Lebenshaltungskosten von 1,8 % (bisher 1,3 %) und für 2023 von 1,7 % (bisher 1,6 %).

Die Anpassung der Prognosen teile ich vollkommen.

G-7: Viele Symbole

Das Treffen in Cornwall war symbolträchtig. Einträchtigkeit war das Ziel nach den Verwerfungen mit den USA unter Präsident Trump. Die wurde auf ersten Blick im Rahmen vieler Absichtserklärungen geliefert.

Auf zweiten Blick ergeben sich in vielen Bereichen weniger stark ausgeprägte Gemeinsamkeiten bezüglich der Positionierung. Das wurde unter anderem an diversen Einlassungen der Staats- und Regierungschefs deutlich.

So konnten die USA Europa nicht zu einer noch verschärfteren Gangart gegenüber China verleiten. Gegenüber China und Russland lieferten die westlichen Staaten dennoch ein verbales Signal weitgehender Geschlossenheit und Handlungsfähigkeit auf der Basis des bekannten Status quo. Indien, Südkorea, Südafrika und Australien waren eingeladen worden, um G-7 skalentechnisch mehr Potenz zu verleihen. Da die G-7 Länder weltwirtschaftlich an Bedeutung verlieren, will man Länder außerhalb der G-7 an sich binden, um Machtpositionen pro G-7 zu erhalten.

Die Staats- und Regierungschefs der G-7 Staaten einigten sich auf folgende Punkte:

Grundsätze: Die G-7 Staaten werden Demokratien und freie Gesellschaften unterstützen. Rechtsstaatlichkeit sowie internationale Zusammenarbeit seien die beste Grundlage auf der Welt. Diese offene und widerstandsfähige internationale Ordnung wäre die beste Garantie für Sicherheit und Wohlstand für unsere eigenen Bürger.

Ich stimme grundsätzlich zu, nur wer hat internationale Rechtsstaatlichkeit (u.a. Regime-Change, Völkerrechtsbrüche durch Drohnenmorde, Folter im Irak, Guantanamo) und internationale Zusammenarbeit denn unterminiert? Wird Pluralismus als unumgängliche Essenz der Demokratie im Westen gelebt (diese Frage geht an Frau Dr. M. und Herrn A., Causa 2017) Wie glaubwürdig ist der Westen im Rest der Welt? Können flinke Worte nachhaltiges Fehlverhalten auf kurze Sicht heilen?

China: In der Abschlusserklärung wird jegliche Form der Zwangsarbeit kritisiert. Andererseits wurde die Notwendigkeit der Zusammenarbeit mit China bei dem Klima-Thema und auch der Mindeststeuer betont. Gleichzeitig beschlossen die G7 eine Task Force, die eine Alternativ-Initiative zur chinesischen Belt and Road Initiative vorantreiben soll.

Der Westen richtet China auf Basis von Vorwürfen oder von stichhaltigen Beweisen (Uiguren)? Der Westen greift in Chinas innere Angelegenheiten mittels NGOs und offenem außenpolitischen Drucks ein (Hongkong),ignoriert die UN-Charta und verbietet sich selbst jede Einmischung von außen (Einhaltung der UN-Charta). Der Westen will gleichzeitig Kooperation, die zwar global sinnvoll ist, dennoch zunächst westliche Interessen befriedigt. "Chapeau!"

Ich begrüße die Task-Force. Der Aufbau der Infrastruktur ist unabdingbare Voraussetzung, nicht erschlossene Wirtschaftsräume zu entwickeln oder konkurrenzfähig zu machen. Aber sind die Infrastrukturen des Westens nicht zu weiten Teilen selbst Sanierungsfälle? Halten die westlichen öffentlichen Haushalte ein Volumen wie BRI aus? Wird das Programm dann so altruistisch, wie man es von China laut und vorwurfsvoll eingefordert hat oder will man das Projekt machtpolitisch ausgestalten?

Ich bin auf die Details sehr gespannt. Sollte man globale Infrastrukturpolitik unter Umständen mit China zur Effizienzsteigerung abstimmen, wenn es wirklich nur um die Sache geht?

Russland: Russland wird aufgefordert, Cyberattacken zu unterlassen und gegen Gruppen vorzugehen, die Attacken im Westen unternehmen. Es wird für ein destabilisierendes Verhalten kritisiert. Spannungen in der Ostukraine seien nicht zu verschärfen.

Ich weise darauf hin, dass die Vorwürfe der Wahleinmischung 2016 widerlegt sind. Die Vorwürfe gegen Russland werden erhoben, werden sie eigentlich auch bewiesen? Ich frage, ob das westliche Verhalten seit 1990 nicht das Vertrauens Russlands in den Westen unterminierte. Was ist Aktion, was ist Reaktion?

Corona: Den ärmeren Staaten versprechen die G7 die Lieferung von mehr als zwei Milliarden Impfdosen bis Ende 2022. Impfstoff-Produktion in Afrika und freiwillige Lizenzierungen sollen vorangetrieben werden.

Das ist ohne Wenn und Aber zu begrüßen.

Klima: Die G7-Staaten einigten sich auf kein Kohle-Ausstiegsdatum. Die G7-Staaten wollen ihren Beitrag leisten, dass ärmere Länder die zugesagten 100 Mrd. USD jährlich für Maßnahmen gegen den Klimawandel erhalten

Im Kohlethema ist Heterogenität deutlich erkennbar. An den Zuwendungen für die ärmeren Länder wird deutlich, dass man sich "grüne" Politik leisten können muss. Warum denke ich jetzt an das Programm der Grünen in Deutschland …

Steuern: Die G-7 Staaten übernehmen den Beschluss einer 15 % Mindeststeuer der Finanzminister.

Das begrüße ich sehr. Aber ohne G-20, also ohne China und Russland kann es nicht funktionieren. Dass das UK für den Finanzsektor in London schon wieder eine Extrawurst verlangt, ist grotesk.

Wirtschaft: Die Bedeutung des internationalen Reisens für die Weltwirtschaft wurde betont (Standards). Eine Reform der Welthandelsorganisation WTO wurde gefordert.

Bei beiden Themen kommt kein Widerspruch auf. In der Tat muss China erkennen, dass sich Chinas Rahmenbedingungen so positiv verändert haben, dass Nachsteuerungen erforderlich sind.

Internet und Weltall: Künftig gelte es, Regeln für die Bereiche Internet und Weltall zu definieren. Es müsse bei dem Mobilfunknetz 5G ein sicheres Netzwerk garantiert werden.

Bei dem 5G-Standard ist zunächst zu gewährleisten (kontrollierbar), dass US-Missbrauch der US-Technik (Snowden) vollständig ausgeschlossen ist.

China ließ verlauten: Die Zeiten in denen weltweite Entscheidungen von einer kleinen Gruppe von Ländern getroffen wurden, seien lange vorbei. Alle Staaten, egal ob groß oder klein, stark oder schwach, arm oder reich, seien gleich. Weltpolitische Angelegenheiten sollten durch Beratungen aller Länder geregelt werden. Klingt smart!

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Eurozone: Großhandelspreise "sportlich"

Die Großhandelspreise Deutschlands legten per Mai im Monatsvergleich um 1,7 % nach zuvor 1,1 % zu. Im Jahresvergleich kam es zu einem Anstieg um 9,7 % nach zuvor 7,2 %.

In Irland legte der Einkaufsmanagerindex des Konsumsektors per Mai von zuvor 49,3 auf 66,4 Zähler zu.


UK: Basiseffekte und Lieferengpässe

Das BIP nahm per April im Monatsvergleich um 2,3 % (Prognose 2,2 %) nach zuvor 2,1 % zu. Im Jahresvergleich ergab sich ein Anstieg um 27,6 % (Prognose 27,6 %) nach zuvor 1,4 %. Die Industrieproduktion sank per April im Monatsvergleich um 1,3 % (Prognose +1,2 %) nach zuvor 1,8 %. Im Jahresvergleich stellte sich eine Zunahme um 27,5 % (Prognose 30,5 %) nach zuvor 3,6 % ein.


Russland: Zentralbank erhöht Leitzins

Die Zentralbank Russlands hat den Leitzins erwartungsgemäß um 0,5 % auf 5,50 % erhöht. Sie reagiert damit auf das inflationäre Umfeld. Die entspannte Lage des öffentlichen Haushalts als auch das Niveau der öffentlichen Gesamtverschuldung (circa 14 % des BIP) spielen in der Zinspolitik erkennbar keine wesentliche Rolle. Der Handelsbilanzüberschuss stellte sich per April auf 10,59 Mrd. USD (Prognose 11,00 Mrd. USD) nach zuvor 10,02 Mrd. USD.


USA: Verbraucher besser gestimmt

Der Index des Verbrauchervertrauens nach Lesart der Universität Michigan legte laut vorläufiger Berechnung von zuvor 82,9 auf 86,4 Punkte zu (Prognose 84,0).


Japan: Starke IP

Die Industrieproduktion verzeichnete per April im Monatsvergleich einen Anstieg um 2,9 % nach zuvor 2,5 %. Im Jahresvergleich ergab sich eine Zunahme um 15,9 % nach zuvor 14,4 %.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten der Unterstützungszone im Währungspaar EUR/USD bei 1.2020 - 1.2050 negiert den positiven Bias des EUR.

Viel Erfolg!