Der EUR eröffnet gegenüber dem USD bei 1,0679 (05:43 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,0607 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 154,25. In der Folge notiert EUR-JPY bei 164,72. EUR-CHF oszilliert bei 0,9715.

Märkte: Zarte Stabilisierung

An den Finanzmärkten kam es gestern zu einer zarten Stabilisierung, insbesondere an den Aktienmärkten. Die Zwischenhochs (DAX 17.907), die im Tagesverlauf markiert wurden, konnten nicht gehalten werden und wurden abverkauft. Die Bewegung war von der Qualität her zunächst eine technische Reaktion.

Es bleibt bei einem hohe Maß an Verunsicherung. Mitentscheidend ist dabei die veränderte Positionierung der US-Notenbank in der Zinspolitik bezüglich Start und Umfang von Zinssenkungen. Gestern wurde sogar das Thema des vollständigen Verzichts auf Zinssenkungen an den Märkten diskutiert. Anders in der Eurozone. Portugals Notenbankpräsident sagte, dass auch nach zwei Zinssenkungen der EZB, die Geldpolitik noch straff ausgerichtet wäre.

Der Markt schaut aber stärker auf die Zinsentwicklung des USD, der Welt-Leitwährung. So wie der Stern der politischen Bedeutung Kontinentaleuropas durch Nichtwahrnehmung eigener Interessen sinkt, sinkt eben auch die Bedeutung des Euros in der Wahrnehmung.

Hintergründig wirkt sich das Thema Geopolitik latent als Belastungsfaktor aus. Gestern konstatierten die G-7 Finanzminister: "Geopolitische Konflikte sind großes Risiko für die Weltwirtschaft." Korrekt, dann bemüht Euch doch einmal ernsthaft im Feld der Kunst der Diplomatie. Ist dann "bellender Bellizismus" nach Art Strack-Zimmerman, Kiesewetter und Hofreiter & Co. zielführend? Was sagen der Artikel 26 des Grundgesetzes und der 2 + 4 Vertrag?

An der Datenfront (siehe Datenpotpourri) ergaben sich keine neuen marktrelevanten Erkenntnisse.

Aktienmärkte zeigten keine eindeutige Richtung. Der Late-Dax stieg um 0,07%, der EuroStoxx 50 verlor 0,32%. US-Märkte verloren an Boden. Der S&P 500 sank um 0,59%, der Dow Jones um 0,18% und der Citi US Tech 100 um 1,18%. In Fernost ergab sich stand 7:37 Uhr folgendes Bild: Der Nikkei (Japan) stieg um 0,31%, der CSI 300 (China) um 0,33% und der Sensex (Indien) um 0,46%. 10-jährige Bundesanleihen rentieren mit 2,46% (Vortag 2,48% ), 10-jährige US-Staatsanleihen mit 4,57% (Vortag 4,66%).

Der USD verlor gegenüber dem EUR und Silber leicht an Boden, gewann aber gegenüber Gold.

Federal Reserve "Beige Book": Wirtschaft läuft verhalten positiv

Hintergrund: Das "Beige Book" liefert aus den 12 regionalen Bezirken der Federal Reserve monatlich eine Bestandaufnahme der regionalen Wirtschaftsmodalitäten. Es fließen nicht nur Daten in die Bewertung ein, sondern auch Erkenntnisse durch Netzwerke und Kontakte.

Zum Kontext des aktuellen "Beige Book": Die wirtschaftliche Aktivität habe sich von Ende Februar bis Anfang April leicht ausgeweitet. Die Preisanstiege wurden von Unternehmen insgesamt als moderat eingestuft. Sechs der zwölf Bezirke meldeten leichte Energiepreis-Erhöhungen. In einigen Bezirken sahen Unternehmen kurzfristig Aufwärtsrisiken bei Einkaufs- und Verkaufspreisen. Insgesamt würde erwartet, dass sich die Inflation auf einem ermäßigtem Niveau einpendeln werde.

Kommentar: Die US-Wirtschaft erweist sich trotz der hohen Zinsen als robust. Nach dem Einzelhandelsumsatz legte im März auch die Produktion weiter deutlich zu. Es gibt aber auch Schwachstellen, unter anderem die Bau- und Immobilienwirtschaft.

Die Robustheit der Wirtschaftslage hat viele Gründe. Es ist das nicht WTO-konforme IRA-Subventionsprogramm (Rechtsbruch!), dass den Investitionssektor forciert (Aristoteles – Strukturaufbau). Es sind öffentliche Haushaltsdefizite in Höhe von circa 8% des BIP (kritische Einlassungen mehren sich), ohne die das aktuelle Wachstumsbild nicht möglich wäre. Es sind internationale Konflikte, die den bedeutenden Sektor der US-Waffenindustrie massiv nach vorne bringen (temporäre Phänomene). Es ist die US-Energiebranche, die massiv von der seitens der USA forcierten Sanktionspolitik (Rechtskonformität?) profitiert.

Alle diese Merkmale, die US-Wachstum treiben, sind in Europa unausgeprägter oder kaum vorhanden. Auch das erklärt die Wachstumsdifferenz. Diese Treiber der US-Wirtschaft sind politischer Natur, sie sind politisch gewollt.

Diese das Wachstum forcierende Maßnahmen unterwandern faktisch aber die Folgen der Geldpolitik der US-Notenbank. Das ist ein Grund, warum es die Divergenz zwischen der Inflationsentwicklung der Eurozone (2,4%) und der USA (3,5%) gibt.

Es gilt, die Frage zu stellen, ob diese politisch induzierten Wachstumstreiber dauerhafter Natur sein können oder sein werden (endogen oder exogen?). Es werden so viele Fragen im aktuellen Diskurs nicht gestellt. Sie sind aber mittel- und langfristig von hoher Bedeutung.

Präsident Biden "macht" den "Zoll-Trump"!

Der amtierende Präsident Biden beabsichtigt, Zölle gegen China in den Sektoren Stahl und Aluminium zu verhängen. Das Weiße Haus verkündete, dass Stahl das Rückgrat der US-Wirtschaft und Grundlage der "Nationalen Sicherheit" sei. Der gegenwärtig bei 7,5% angesiedelte Zoll soll demnach verdreifacht werden. Inflationsdruck will das Weiße Haus aus diesen Maßnahmen nicht erkennen.

Kommentar: Der Begriff der "Nationalen Sicherheit" ist nicht definiert. Er ist auf alles anwendbar. Deswegen wurde dieser nicht definierte Begriff (ähnlich bei "Krieg gegen den Terror", wer hat die Definitionsmacht, wer kann überprüfen) vor Jahrzehnten in der US-Politik etabliert. Sind demnächst auch "Haribo-Gummibärchen" eine Gefährdung, weil sie US-Bürger nicht schlanker machen und damit Wehrkraft zersetzen? Fakt ist, dass damit entgegen der Meinung des Weißen Hauses Inflationsimpulse gesetzt werden, denn die Importe verteuern sich und geben den vor Ort produzierenden Unternehmen die Möglichkeit, in diesem Zusammenhang Preise zu erhöhen. Wird damit der Wirtschaftsstandort langfristig gestärkt?

Nein, das wird er nicht. Die historische Erfahrung zeigt, dass damit Standortbedingungen nicht verbessert werden. US-Politik zielt auf Kurzfristigkeit, das wird mittel- und langfristig einen Preis haben.

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden

Eurozone: Verbraucherpreise bei +0,8% (M) und 2,4% (J) bestätigt

Die Verbraucherpreise legten laut finaler Berechnung per März erwartungsgemäß im Monatsvergleich um 0,8% und im Jahresvergleich um 2,4% zu. Gleiches gilt für die Kernrate. Hier wurde der Monatswert bei 1,1% und der Jahreswert bei 2,9% bestätigt.

UK: Inflation schwächer, aber höher als erwartet

Die Verbraucherpreise nahmen per März im Monatsvergleich um 0,6% (Prognose 0,4%, Vormonat 0,6%) und im Jahresvergleich um 3,2% (Prognose 3,1%, Vormonat 3,4%) zu. Die Kernrate stieg im Monatsvergleich um 0,6% (Prognose 0,5%, Vormonat 0,6%) und im Jahresvergleich um 4,2% (Prognose 4,1%, Vormonat 4,5%).

USA: Hypothekenmarktindex höher trotz des Zinsanstiegs

Der MBA-Hypothekenmarktindex stellte sich per Stichtag 12. April 2024 auf 202,1 nach zuvor 195,7 Punkte.

Russland: Erzeugerpreise weiter extrem hoch

Die Erzeugerpreise verzeichneten per Berichtsmonat März im Monatsvergleich einen Anstieg um 2,4% nach zuvor 0,9%. Im Jahresvergleich ergab sich eine Zunahme um 19,1% nach zuvor 19,5%.

Derzeit ergibt sich für den EUR gegenüber dem USD eine negative Tendenz. Ein Überwinden des Widerstandsniveaus bei 1,0950 – 1,0980 negiert das für den EUR negative Szenario.

Viel Erfolg!

 

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