Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1904 (06:01 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,1883 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 109,18. In der Folge notiert EUR-JPY bei 129.88. EUR-CHF oszilliert bei 1,1019.

Die Finanzmärkte werden eine abwartende Haltung vor der Sitzung des Offenmarktausschusses der Fed einnehmen. Eine Veränderung der Zins- und Geldpolitik ist unwahrscheinlich. Der Finanzmarkt ist auf die Verbalakrobatik fokussiert. Wie geht man mit dem Thema der temporär anziehenden Inflation um? Es handelt sich maßgeblich um Basiseffekte und exogene Einflüsse, auf die die Notenbank keinen Einfluss hat.

Reagiert man seitens der Fed aktionistisch auf die beachtliche Zinsversteifung am US-Kapitalmarkt, die daraus resultiert, dass Märkte auf quantitative und nicht qualitative Größen kalibriert zu sein scheinen (auch temporäres Helikoptergeld - keine endogene Qualität!)?

Es ist im höchsten Maße wahrscheinlich, dass die Fed, wie zuvor die EZB als auch die BoE, nicht auf den "Marktzirkus" reagiert. Der Schwanz wackelt ja auch nicht mit dem Hund. Fakt ist, dass der Markt aggressiv auf weitere Zinsversteifungen positioniert ist. Das Risiko, dass diese Spekulation am eigenen Gewicht zerbricht, ist nicht unerheblich. Die Notenbanken kennen den Positionierungsgrad des Marktes.

US-Aktienmärkte als auch der DAX oszillieren aktuell bei Höchstwerten, aber bei unterschiedlichen Bewertungen. So liegt das KGV des DAX bei gut 15, das des S&P 500 bei circa 22. Auch der Buchwert unterscheidet sich. Zahlt man beim DAX den 1,8- fachen Buchwert, muss man beim S&P 500 den 4,1-fachen Buchwert berappen. Die Dividendenrendite des DAX liegt bei 2,9 %, während die des S&P 500 bei mageren 1,6 % oszilliert. Die zyklische Erholung (IP) spiegelt sich wo stärker?

Brexit: Polly Toynbee mit Klartext

Das britische Pfund hat sich seit dem 11. Dezember 2020 gegenüber dem Euro von 0,9230 auf derzeit 0,8570 um gut sieben Prozent befestigt. Dieser Anstieg mag in Teilen technischen Korrekturen, die immer wieder notwendig sind, geschuldet sein. Unter politischen, strukturellen und fundamentalen Gesichtspunkten ist diese Bewertung des GBP ambitioniert. Warum das so ist, klärt Polly Toynbee in Teilen auf.

Polly Toynbee ist eine Kolumnistin des Guardian. Ihr Kommentar ist sehr lesenswert, da er Fakten und nicht irrationale Gefühle bedient. Aus der deutschen Geschichte wissen wir, dass Hybris und irrationale Gefühle das Risiko in sich bergen, falsche Politiken umzusetzen. Ergo ist nachfolgender Kommentar ein "must read"!

Ich wünsche Ihnen eine erkenntnisreiche Lektüre (englisch)!

https://www.theguardian.com/commentisfree/2021/mar/16/brexit-deal-bad-evidence-trade

Ein Blick nach Berlin: Deutschland, quo vadis?

Politik bestimmt die Rahmen für Wirtschaft und Märkte. Aus diesem Grund ergibt sich die Pflicht in diesem Report politische Themen von Bedeutung aufzunehmen.

Im Jahr 2007 habe ich in meinem Buch "Endlich Klartext" im Vorwort und Nachwort gemahnt, dass wir erst die freien Märkte verlieren würden, dann die Demokratie (westliche Welt). Eine derartige Entwicklung findet sukzessive statt. Das ist wie bei dem Frosch, der gekocht wird. Erst ist das Wasser angenehm warm, das ändert sich im Zeitverlauf. Seit 2007 sind die Demokratieverluste in allen westlichen Ländern markant (erkennbar ab 9/11 2001). Selbst der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts Papier bestätigte das jüngst in einem Interview. Danke!

Ich sehe mich veranlasst, einen Blick in das 19. Jahrhundert zu werfen. Heinrich Heine hat im Exil in Paris im Jahr 1844 im Zyklus Zeitgedichte als Abschluss dieser Reihe das Gedicht Nachtgedanken verfasst. Der erste Vers beschreibt die Situation treffend:

„Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht, ich kann nicht mehr die Augen schließen, und meine heißen Tränen fließen.“

Sie sehen mich sehr bekümmert, da die entscheidenden Werte der Freiheit, die auch immer Eigenverantwortung voraussetzt, markant geschliffen werden. Unter Anderem wird der Pluralismus, der als gesellschaftlicher Diskurs bitter notwendig ist, stark beeinträchtigt. Frau Merkel und Herr Altmaier wissen genau, worüber ich rede (2017). Toleranz und notwendige Sachlichkeit sind "out". Verurteilung und Verunglimpfung stehen abseits des politisch kalibrierten Mainstreams häufig auf der Agenda.

Kommen wir zu den Fakten:

Laut aktueller Forsa-Umfrage verliert die CDU/CSU. Sie kommt jetzt auf 29 %. Die Grünen stehen bei 21 %, die SPD bringt es auf 16 %, die AFD liegt bei zehn Prozent, die liberale FDP kommt auf acht Prozent, wo auch der Stimmanteil der Linken steht.

Welche der Parteien steht für Freiheit und Liberalität? Welche Parteien stehen für Ideologie, die nicht rot oder braun sein muss? Welche Parteien stehen für Opportunismus und einen verwaltenden und nicht gestaltenden Stil?

Deutschland, quo vadis?

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Eurozone: Starke ZEW-Indices

Der ZEW Sentiment-Index für Deutschland stieg per Berichtsmonat März von zuvor 71,2 auf 76,6 Zähler (Prognose 74,0) und markierte den höchsten Indexstand seit September letzten Jahres, während der ZEW-Lageindex von zuvor -67,2 auf -61,0 Punkte zulegte (Prognose -62,0, Höchstwert seit Oktober 2020). Der ZEW-Erwartungsindex für die Eurozone verzeichnete per März eine Zunahme von zuvor 69,6 auf 74,0 Zähler. Hier wurde der höchste Wert seit Februar 2004 erreicht.

USA: Temporär schwache IP und schwacher Einzelhandel

Die Einzelhandelsumsätze sanken im Monatsvergleich unerwartet stark per Februar um 3,0 % (Prognose -0,5 %) nach zuvor +7,6 % (revidiert von 5,3 %). Im Jahresvergleich ergab sich ein Anstieg um 6,27 % nach zuvor 9,51 % (revidiert von 7,43 %). Die Einzelhandelsumsätze sind eng mit den Subventionsschecks des Staates korreliert. Die aktuelle Schwäche ist temporär, da die nächste „Scheckrunde“ (Helikoptergeld) auf der Agenda steht.

Die Importpreise legten per Februar im Monatsvergleich um 1,3 % (Prognose 1,2 %) nach zuvor 1,4 % zu. Im Jahresvergleich kam es zu einem Anstieg um 3,0 % nach zuvor 1,0 % (revidiert von 0,9 %). Exportpreise nahmen im Monatsvergleich um 1,6 % (Prognose 0,9 %) nach zuvor 2,5 % zu.

Die Industrieproduktion fiel per Februar im Monatsvergleich unerwartet um 2,2 % (Prognose +0,3 %) nach zuvor +1,1 % (revidiert von 0,9 %). Im Jahresvergleich ergab sich ein Rückgang um 4,25 % nach zuvor -1,95 % (revidiert von -1,87 %). Auch diese Entwicklung ist wie bei dem Einzelhandel quantitativ nicht extrapolierbar, da das steigende Auftragsvolumen dem vollständig entgegensteht. In der Folge der aktuellen Entwicklung sank die Kapazitätsauslastung der Industrie per Februar von zuvor 75,5 % (revidiert von 75,6 %) auf 73,8 % (Prognose 75,5 %).

Der NAHB Housing Market Index sank per Berichtsmonat März von zuvor 84 auf 82 Punkte (Prognose 83). Der Index bewegt sich damit weiter auf historisch hohem Niveau (Allzeithoch 90 Punkte per 11/2020).

Japan: Starke Reuters Tankan Indices

Der von Reuters ermittelte Tankan Index für das Verarbeitende Gewerbe stieg per März von 3 auf 6 Punkte (Höchstwert seit Juni 2019). Der Index für den Dienstleistungssektor legte von -7 auf -5 Zähler zu. Exporte sanken per Februar im Jahresvergleich um 4,5 % nach zuvor +6,4 %, während Importe um 11,8 % zulegten (Vormonat -9,5 %).

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Ein Überwinden der Widerstandszone im Währungspaar EUR/USD bei 1.2220 - 50 neutralisiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!