Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1015 (07:14 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.0984 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 107.97. In der Folge notiert EUR-JPY bei 118.95. EUR-CHF oszilliert bei 1.0990.

In den letzten 24 Stunden erreichte uns eine Phalanx an Entspannungssignalen bezüglich diverser virulenter Krisenherde, die als ermutigend, jedoch noch nicht als belastbar klassifiziert werden müssen.

Das Krisenpotential der militärischen Aggression der Türkei gegen Syrien scheint sich zu nivellieren. Es geht um eine 30 Kilometer tiefe Zone, die Ankara etablieren will. Die diplomatischen Töne aus Washington werden konzilianter, während Moskau im Hintergrund aktive Diplomatie zwecks Deeskalation forciert.

Bezüglich des Brexits steigen die Hoffnungen auf einen Deal in zeitlicher Nähe. Der Ministerpräsident Irlands hält eine Brexit-Vereinbarung noch vor Ende Oktober für möglich. Er hätte ein sehr positives und vielversprechendes Treffen mit Boris Johnson gehabt. Er betonte, dass es keine harte Grenze zwischen Irland und der britischen Provinz Nordirland geben dürfe. Das Pfund zog in der Folge sportlich an.

Der primäre Krisenherd ist der Handelskrieg der USA gegen China. Donald Trump zog eine positive Zwischenbilanz bezüglich der ersten Verhandlungsrunde mit China. Die Gespräche sollen sehr gut verlaufen. Der Druck auf Donald Trump steigt, denn die Folgen der Handelspolitik hinterlassen in den USA merkliche und größere Bremsspuren als in China. Mehr noch verlieren US-Konzerne nicht nur im Bereich von Handys und Co. Marktanteile an dem bedeutenden chinesischen Markt. Der Absatz von General Motors bleibt am größten Automarkt der Welt auf Talfahrt.

Der zweitgrößte ausländische Hersteller setzte in China im 3. Quartal 17,5 % weniger ab. Auch Ford steht in China unter Druck. Dagegen profitiert die Konkurrenz aus Deutschland und Japan: Der Marktanteil der US-Hersteller sank nach Daten des chinesischen Autoverbandes CAAM bis Ende August in diesem Jahr auf 9,5 % von 10,7 %. VW, Daimler, BMW, Audi und Porsche legten im Vergleich zum Vorjahrszeitraum um gut zwei Prozent auf 23,8% zu, während Japans Marken den Absatz um 3,5 % auf 21,7 % steigerten.

Eine Fortsetzung des Handelskonflikts der USA gegen China in der bisherigen Form riskierte zunehmend die Stellung der US-Konzerne in der euro-asiatischen Wirtschaftszone, die Taktgeber der Weltwirtschaft ist (Wachstum 4,5% - 5,5%).

Wie lange kann die US-Administration diese Frontlinie gegen China und die Konzerne als auch US-Arbeitgeberverbände in der Form der letzten 18 Monate halten, insbesondere wegen des nahenden Wahltermins im kommenden Jahr?

Fazit: Sachlich basierte Hoffnungen sind berechtigt, mehr nicht!

Die EZB kommt unter Druck!

Der laute Knall des Rücktritts des EZB-Ratsmitglieds Sabine Lautenschläger als auch die kritischen und berechtigten Einlassungen ehemaliger EZB-Ratsmitglieder in fester Papierform nebst kritischen internen EZB-Dokumenten zu den Anleiheankäufen unterstreichen, dass die EZB sich mit dem aktuellen Kurs in der Zins- und Geldpolitik in den unruhigsten Zeiten seit ihrer Gründung befindet. Nie hat es mehr interne Kritik in dieser Form gegeben.

Die von EZB-Chef Mario Draghi auf den Weg gebrachten Maßnahmen der EZB sind laut Protokoll intern auf großen Widerstand gestoßen. Vor allem zur Wiederauflage der Anleihekäufe und zur Einführung von Staffelzinsen gab es auf der letzten Sitzung erheblichen internen Gegenwind. Der EZB-Rat war zwar der Auffassung, dass wegen der anhaltenden Konjunkturschwäche eine Lockerung der Geldpolitik angemessen sei, aber es wurden Vorbehalte zu Elementen des geldpolitischen Pakets zum Ausdruck gebracht. Mehrere Ratsmitglieder, unter ihnen Bundesbank-Chef Jens Weidmann und Frankreichs Zentralbank-Gouverneur Francois Villeroy de Galhau, machten ihre Kritik an Teilen des Pakets öffentlich.

Vor diesem Hintergrund sind die beschwichtigenden Worte von Finnlands Notenbank-Chef Olli Rehn zu interpretieren, die gestern das Licht der Welt erblickten. Olli Rehn hat die EZB-Politik verteidigt. Solange die wirtschaftliche Abkühlung anhalte, gebe es keine ökonomische Alternative zu der ultralockeren Geldpolitik.

Unsere Einlassung: Die EZB kann so viel kaufen und senken, wie sie will. Damit hat die EZB keinen Einfluss auf die exogenen Risiken der US-Geo- und Handelspolitik. Endogen ist die Wirtschaft der Eurozone stark. Sie ist getrieben von maßgeblich wiederkehrenden Einkommen.

Es sei besser, auf Nummer sicher zu gehen als es später zu bedauern. Er bekräftigte seine jüngsten Warnungen, dass sich wie in Japan sinkende Inflationserwartungen auf einem permanent tiefen Niveau einpendeln könnten.

Unsere Einlassung: Die Kerninflationsrate, die einzige Rate, die durch EZB-Politik beeinflussbar ist, ist seit Jahren stabil um ein Prozent. Wo ist das Problem? Und: Alternde Gesellschaften haben tendenziell weniger Preisauftrieb, EZB hin oder EZB her …

Datenpotpourri:

Eurozone: Keine neuen Erkenntnisse

Per Berichtsmonat September legten die deutschen Verbraucherpreise erwartungsgemäß im Jahresvergleich um 1,2 % zu (Prognose 1,2 %).

In Griechenland sank die Arbeitslosenquote per Juli von zuvor 17,1 % auf 16,9 %. Sie markierte den tiefsten Wert seit Mai 2011!

UK: Verdunkeltes Bild

Das BIP per August sank im Monatsvergleich um 0,1% (Prognose 0,0 %).

Die Industrieproduktion fiel per August im Monatsvergleich um 0,6 % (Prognose -0,1 %). Im Jahresvergleich lag der Rückgang bei 1,8 % (Prognose -1,1 %) nach zuvor -1,1 % (revidiert von -0,9 %).

Das Handelsbilanzdefizit stellte sich per August auf 9,81 Mrd. Pfund (Prognose -10,0 Mrd.) nach zuvor -9,62 Mrd. Pfund (revidiert von -9,14 Mrd.)

USA: Keine neuen Erkenntnisse

Die US-Verbraucherpreise legten per September im Jahresvergleich um 1,7 % nach zuvor 1,7 % zu (Prognose 1,8 %). Im Monatsverglich war das Ergebnis unverändert (Prognose +0,1 %).
Die Kernrate der Verbraucherpreise nahm im Jahresvergleich um 2,4 % nach zuvor 2,4 % zu (Prognose 2,4 %). Im Monatsvergleich kam es zu einem Anstieg um 0,1 % (Prognose 0,2 %).

Russland: Zuversicht gewährleistet

Die Devisenreserven legten per Berichtswoche 4. Oktober von zuvor 531,8 auf 532,9 Mrd. USD zu und erreichten das höchste Niveau seit Mai 2013.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Ein Überwinden der Widerstandszone bei 1.1160 – 80 negiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!