Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1558 (07.26 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1480 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 112.10. In der Folge notiert EUR-JPY bei 129.57. EUR-CHF oszilliert bei 1.1403.

Nachdem die durch die USA ausgelösten Unsicherheiten in der Geo- und Handelspolitik in den letzten neun Monaten latent die Realwirtschaft und Finanzmärkte ex USA verunsicherten, setzten die zunehmenden Zinsspekulationen gestern den Aktienmärkten inklusive denen der USA markant zu und führten zu einer Neubewertung. Ob diese Neubewertung temporärer Natur ist oder nicht, wird sich in den kommenden Tagen und Wochen zeigen.

Fakt ist, dass das Momentum und die Markttechnik ein klarer Belastungsfaktor für einen schnellen Wiederanstieg darstellen.

Dabei ist das Konjunkturbild nach wie vor so gut wie 2011 nicht mehr (Wachstum global 3,7% / Skaleneffekte für Unternehmen). Auch gestern erreichten uns einmal mehr positive Daten von der Konjunkturfront.

Italiens Industrieproduktion nahm per August im Monatsvergleich um 1,7% zu. Die Prognose lag bei 0,8%. Der Anstieg in den Niederlanden lag per August bei 1,3% im Monatsvergleich. Frankreich verzeichnete einen Zuwachs im Monatsvergleich um 0,3% (Prognose 0,1%). Der Vormonatswert wurde von +0,7% auf +0,8% revidiert.

Um die "Sportlichkeit" der aktuellen Bewertung exemplarisch darzustellen, bedienen wir uns der Daten des KGV des DAX.

Das viel beachtete Kurs/Gewinnverhältnis des DAX stellt sich aktuell auf 12,6 auf Basis der aktuellen Gewinnschätzungen.

In der größten Krise seit 1929/32 zum Tiefpunkt des DAX per März 2009 bei circa 3.600 Punkten lag das KGV bei 10. Der Durchschnitt seit Auflage des DAX im Jahr 1988 lag bei 14,6. "Food for thought!"

Schwäche der britischen Industrie impliziert Druck im Brexit-Konflikt!

Die britische Industrie hat ihre Produktion im August verringert. Es wurde laut ONS 0,2% weniger produziert als im Vormonat. Der Markt hatte einem Anstieg um 0,1% unterstellt. Wegen der schwächeren Industrieproduktion und einer sinkenden Bauproduktion stagnierte die Wirtschaftsleistung per August. Positive Impulse setzten dagegen der Einzelhandel und das Gastgewerbe.

Die erkennbare Schwäche der britischen Wirtschaft unterstreicht den Druck insbesondere auf Whitehall, einen geordneten Brexit auf die Beine zu stellen. Die beiden Elemente Einzelhandel und Gastgewerbe würden ansonsten wohl kaum dauerhaft Stützen der britischen Wirtschaft sein können.

Scholz kontert Kritik an Handelsüberschüssen überzeugend!

Vor der Jahrestagung von Weltbank und IWF hat Bundesfinanzminister Scholz Kritik an Deutschlands Handelsüberschüssen gekontert. Im weltweiten Maßstab müsse man die EU als Ganzes betrachten und nicht die einzelnen Staaten. O-Ton: "Bei den USA pickt sich auch niemand Kalifornien heraus und vergleicht die Handelsbilanz mit der von Frankreich oder Deutschland."

Wir stimmen Herr Scholz vollständig zu. Außerdem könnte man den Aspekt Dienstleistungsbilanz, der auch vom IFO-Institut und der Bundesregierung sachlich thematisiert wurde, anbringen, um dieses Thema einer unbestechlichen Würdigung zu unterwerfen und die Anwürfe gegen Deutschland zurückzuweisen.

Gehen wir anders an das Thema heran: Hätten die USA und andere Kritiker diesen komparativen Vorteil, den wir in Deutschland insbesondere dank des innovativen Mittelstands (Hidden Champions) haben und der hart erarbeitet wurde, hätten unsere Freunde in den USA damit sicher kein Problem und würden uns zurufen, uns doch etwas mehr Mühe zu geben an den freien Märkten dieser Welt.

Waren es nicht die US-Amerikaner (und London), die uns in den 90er Jahren wegen des Festhaltens an unserer Industriekultur als "Old Europe" billig abkanzelten und uns einer vermeintlichen Lächerlichkeit preisgaben?

Es ist an den USA (und dem UK - hilft da der Brexit?), die Fehler der Vergangenheit auszubügeln. Trump bemüht sich darum. Das Mittel, freie Märkte dabei zu unterminieren, steht übrigens im Widerspruch zu dem Mantra der freien Märkte, das die USA so oft auf den Lippen trugen, um sich Märkte zum Teil auch mit fragwürdigen Methoden zu erschließen. Die Beliebigkeit, mit der die USA sich elementarer Themen bedienen, verdient mehr Kritik, als es derzeit der Fall ist.

In einem Punkt sind uns die USA überlegen. Sie würden die daraus resultierenden Cash-Flows primär in Aktien/Equity anlegen. Das ist übrigens ein Fingerzeig an deutsche Eliten in der Wirtschaft, Politik als auch auf der Zentralbankebene. Hat nicht auch die deutsche Vergangenheit bewiesen, dass Geld gefährlich ist? Siemens wurde 1871 gegründet und hat Hyperinflation, Währungswechsel und Weltkriege überlebt. Das deutsche Anlegerverhalten ist eine Negation der eigenen Geschichte!

Starkes Finanzvermögen in Deutschland!

Das Finanzvermögen des deutschen Staates ist wegen der starken Konjunktur mit entsprechenden Steuer- und Beitragseinnahmen merklich um 5,4% oder 47,7 Mrd. Euro auf 932,1 Mrd. Euro per Ende 2017 im Jahresvergleich zu 2016 gestiegen. Dank der guten Lage in den ersten 10 Monaten 2018 sollte sich diese positive Tendenz fortgesetzt haben. Dieses Finanzvermögen steht einer Staatsschuld von knapp 2000 Mrd. Euro gegenüber. "Food for thought!"

Datenpotpourri USA:

Die Erzeugerpreise stiegen per September im Monatsvergleich um 0,2% und im Jahresvergleich um 2,6% (Prognose 2,8%) nach zuvor 2,8%. Die Lagerbestände im Großhandel verzeichneten per August eine Zunahme um 1,0% (Prognose 0,8%), während der Absatz im Großhandel um 0,8% zulegte (Prognose 0,2%). Fazit: Weniger Preisdruck und starker Zyklus im Großhandel!

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das eine neutrale Haltung in der Währungsrelation EUR/USD favorisiert. Erst ein Ausbruch aus der Bandbreite 1.1300 - 1.1600 eröffnet neue Opportunitäten.

Viel Erfolg!

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