Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1720 (06:19 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,1717 im fernöstlichen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 106,77 In der Folge notiert EUR-JPY bei 125,13. EUR-CHF oszilliert bei 1,0774.

In den letzten 24 Stunden ergaben sich viele elementare Entwicklungen, die wirtschafts- und marktrelevant sind.

Russland hat als erstes Land einen Impfstoff gegen das Coronavirus zugelassen. Derzeit gibt es weltweit 167 Projekte für einen Corona-Impfstoff (28 in klinischer Erprobung an Menschen). Zunächst kam es zu positiven Marktreaktionen.

Losgelöst davon, ob man Impfungen mag oder nicht, befürwortet oder ablehnt, ist diese Entwicklung für die Gesellschaft, die Wirtschaft und die Finanzmärkte grundsätzlich positiv zu bewerten, unabhängig davon ob das erste Mittel aus Timbuktu oder Moskau kommt. Die Welt wird gegen Corona-Risiken tendenziell resistenter. Das nimmt Ängste und mindert perspektivisch Risikoaversion.

Der Impfstoff, der vom Moskauer Gamaleja-Institut entwickelt wurde und unter dem Namen Sputnik V vermarktet werden soll, sei laut Präsident Putin sicher und wirksam. Das nehmen wir wohlwollend zur Kenntnis, denn nach unserer Kenntnis gehört Präsident Putin zu den Schach- und nicht zu den Pokerspielern. Gleichwohl sind wir nicht bereit, unkritisch oder blind zu vertrauen.

Die Weltgesundheitsorganisation erklärte, man stehe in sehr engem Kontakt mit den Gesundheitsbehörden Russlands über einen möglichen Präqualifizierungsprozess für den Impfstoff, für den eine strenge Überprüfung erforderlich sei. Dieses Vorgehen der WHO ist professionell und im Gegensatz zu manchen Einlassungen so genannter Experten nicht ideologisch durchseucht.

Die Genehmigung des Impfstoffs durch das russische Gesundheitsministerium erfolgte vor der entscheidenden Phase-3-Studie, an der normalerweise Tausende Probanden beteiligt sind. Eine erfolgreiche Phase-3-Studie wird als wesentliche Voraussetzung für eine Zulassung angesehen. Die Vorgehensweise Russlands ist unüblich und impliziert von daher mögliche Risiken.

Experten äußerten sich besorgt, dass die Regierung Russlands fundierte Wissenschafts- und Sicherheitsaspekte ignoriert haben könnte. Aufsichtsbehörden auf der ganzen Welt haben darauf bestanden, dass die Geschwindigkeit bei der Entwicklung eines Covid-19-Impfstoffs die Sicherheit nicht beeinträchtigen dürfe.

Nur wird bei einem Impfstoff gegen Covid-19 global auf Tempo und damit auf Regelverstöße bezüglich der normalen Vorgehensweise gesetzt, denn im Regelfall braucht es bis zu acht Jahre, bis ein Impfstoff zulassungsfähig ist. „Food for thought!

Als Fazit bleibt, dass es zeitnah Impfstoffe geben wird. Global werden die normalen Zeitraster für die Entwicklung eines Impfstoffes verkürzt. Das impliziert nicht nur russische, sondern globale Risiken. Sollte ein sicherer und potenter Impfstoff gefunden werden, sollte nicht die Herkunft über Erfolg oder Misserfolg bestimmen.

Präsidentschaftskandidat Biden wählte die Senatorin Kamala Harris als mögliche Vizepräsidentin aus. Wir sehen das als klugen Schachzug an. Kamala Harris hat einen guten Ruf und hohe Intellektualität. Sie steht nicht nur durch ihren Hintergrund als Afroasiatin für gesellschaftlich verbindende Politik. Aus unserer Sichtweise erhöht sich damit das Akzeptanzniveau für Biden als Präsidentschaftsalternative zu Trump.

China läuft! In China kam der Kfz-Absatz per Berichtsmonat Juli stark in Fahrt. Gegenüber dem Vorjahr war der Absatz um 16,4 % höher (Vormonat +11,6 %, Quelle CAAM). Damit kam es den vierten Monat in Folge zu Zunahmen im Jahresvergleich. Die Geldmenge M-2 stieg per Berichtsmonat Juli im Jahresvergleich um 10,7 % (Prognose 11,1 %) nach zuvor 11,1 %. Das Kreditwachstum stellte sich per Juli im Jahresvergleich auch 13,0 % (Prognose 13,2 %) nach zuvor 13,2 %.

Der Interventionsaufwand in China im Rahmen der Corona-Krise ist auffällig geringer als in der westlichen Welt. Das darf als Ausdruck innerer Stabilität gewertet werden trotz der Anfechtungen durch die US-Aggressionen.

Gestern kam es zu einer massiven Korrektur an den Edelmetallmärkten, die nach dem starken Anstieg der vergangenen Wochen technisch anfällig waren. Forciert wurde das durch einen Anstieg der US-Erzeugerpreise laut "Mainstream" (Stagflation ist gut für Edelmetalle, nicht schlecht! Historische Evidenz!), Hoffnung auf den russischen Impfstoff gegen Covid-19 und zusätzlich durch eine Erhöhung der bei der Comex zu hinterlegenden Sicherheitsleistungen für den Handel in Futures am Vortag.

Nicht die Korrektur an sich, aber sehr wohl die Amplitude des Abverkaufs impliziert, dass hier nicht nur marktkonforme Kräfte am Werk waren. Die Probleme des USD haben sich in den letzten 24 Stunden nicht ansatzweise geändert. "Food for thought!"

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden

Eurozone: ZEW-Erwartungen "hui"- ZEW-Lage "pfui"

Der deutsche ZEW Geschäftsklimaindex stieg per August unerwartet stark von zuvor 59,3 auf 71,5 Punkte (Prognose 58,0) und markierte den höchsten Wert seit Januar 2004.

© Reuters

Der ZEW-Lageindex sank dagegen per August von zuvor -80,9 auf -81,3 Zähler (Prognose -68,8) und atmet im Takt der Angst der zweiten Corona-Welle unweit der Allzeittiefstände (-98,5 11/1993, -96,1 03/2003, -92,8 05/2009, -93,5 05/2020).

Diese Differenz zwischen Erwartungswert und Lagewert muss und wird sich wieder reduzieren. Vor dem Hintergrund der verfügbaren Daten sind die extremen Werte der Lagebewertung überschaubar temporärer Natur, aber die hohen Erwartungswerte werden auch nicht durchzuhalten sein.


UK: Starker Arbeitsmarkt - BIP so lala …

In Großbritannien verharrte die Arbeitslosenquote (Basis ILO) per Berichtsmonat Juni unerwartet bei 3,9 % (Prognose 4,2 %). Das BIP sank im 2. Quartal 2020 im Quartalsvergleich um 20,4 % (Prognose -20,5 %) nach zuvor -2,2 %. Im Jahresvergleich ergab sich per 2. Quartal 2020 ein Rückgang um 21,7 % (Prognose -22,4 %) nach zuvor -1,7 %.


USA: Optimismus bei kleineren Unternehmen wackelig

Der NFIB Business Optimism Index, der Auskunft über die Gemütslage in kleineren US-Unternehmen gibt, sank per Berichtsmonat Juli von zuvor 100,60 auf 98,80 Zähler. Die Erzeugerpreise legten per Juli im Monatsvergleich um 0,6 % (Prognose 0,3 %) nach zuvor -0,2 % zu. Im Jahresvergleich ergab sich ein Rückgang um 0,4 % (Prognose -0,7 %) nach zuvor -0,8 %.


Russland: Im internationalen Vergleich resilient

Die Handelsbilanz wies per Juni einen Überschuss in Höhe von 5,29 Mrd. USD (Prognose 4,1 Mrd. USD) nach zuvor 3,67 Mrd. USD aus. Das russische BIP sank per 2. Quartal im Jahresvergleich um 8,5 % (Prognose -9,0 %) nach zuvor +1,6 %.


Südkorea: Arbeitsmarkt widerstandsfähig

Die Arbeitslosenquote stellte sich per Berichtsmonat Juli auf 4,2 % nach zuvor 4,3 %.


Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten des Unterstützungsniveaus bei 1.1400 - 30 neutralisiert den positiven Bias des Euros.

Bleiben Sie gesund, viel Erfolg!