Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1771 (06:10 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,1746 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 105.22. In der Folge notiert EUR-JPY bei 123.83. EUR-CHF oszilliert bei 1,0784.

Die Konsolidierung an den Finanzmärkten setzt sich fort. Dabei werden die erhöhten Niveaus an den Aktienmärkten bisher weitgehend gehalten. Das passt zu den aktuellen Konjunkturerwartungen per 2021.

An den Devisenmärkten kann der USD gegenüber den westlichen Hauptwährungen etwas Terrain gewinnen. Der beachtenswerte, aber bisher nicht trendfähige Anstieg der Renditen am US-Kapitalmarkt mag ein Katalysator dieser Entwicklung sein. Ein anderer und bedeutenderer Faktor ist, dass sich mit einem Präsident Biden (Wahrscheinlichkeit jetzt 85 % nach zuvor 90 %, Ungereimtheiten bei US-Wahl nachweislich gegeben) positive Erwartungshaltungen verbinden. Dabei dreht es sich um ein Ende des politischen Isolationismus der USA, der von Trump forciert wurde.

Politische Kooperation in der westlich geprägten Hemisphäre mit der Folge besserer Grundlagen für Multilateralismus und Wachstum stünde auf der Agenda. Biden ist determiniert, die bilateralen Beziehungen zu den westlich orientierten Ländern zu stärken und globale Probleme, darunter die Coronavirus-Pandemie und das Thema Klimawandel, anzugehen. Auch wären die Chancen für Konfliktlösungen außerhalb der westlichen Welt größer, da die USA möglicherweise stärker Interessen der westlichen Partner ("Partner" nicht "Freunde" Frau Merkel! Dafür ist zu viel au7c vor Trump vorgefallen!) honorierten.

Die Edelmetalle Gold und Silber konnten den Einbruch vor diesem Hintergrund nicht wettmachen. Hier dominiert zunächst Seitwärtsbewegung auf dem ermäßigten Niveau.

EU/USA: Außenminister Maas will mehr Souveränität Europas

Wir stimmen Außenminister Maas zu. Er will die Notwendigkeit einer größeren Verantwortung für Deutschland und die EU in der Außen- und Sicherheitspolitik erkennen, weil sich die USA unter einem Präsident Biden stärker um Asien kümmern würden. Er hätte mit seinem französischen Kollegen Jean-Yves Le Drian über das Verhältnis zur US-Regierung beraten. Es wäre trotz der Wahl Bidens falsch, nun das Streben nach größerer europäischer Souveränität aufzugeben.

Exakt, die Erfahrungen der letzten 30 Jahre machen das erforderlich, wenn europäische Interessenvertretung nicht nur ein inhaltsleeres Lippenbekenntnis sein soll.

Biden hätte die Überzeugung, dass internationale Probleme nur durch Kooperation gelöst werden könnten.

Auch hier stimmen wir zu. Die Kunst der Diplomatie bekommt voraussichtlich eine größere Chance für westlich geprägte Länder. Ob das auch für dritte Länder gilt, ist offen. "Regime-Change" (Ignoranz der Souveränität, des internationalen Rechts und politischer Konventionen) hat mit dieser Kunst nichts zu tun und wurde unter den dem Multilateralismus zugewandten US-Präsidenten ausschweifend gelebt. Ergo bleiben Risiken. Wegen dieser Risiken bedarf es größerer Souveränität Kontinentaleuropas!

Brexit-Verlängerung

Die stockenden Brexit-Verhandlungen werden voraussichtlich nicht bis Mitte November abgeschlossen. Das war bisher die "EU-Deadline".

Brüssel ist nach den massiven britischen Affronts der letzten vier Jahre bemerkenswert konziliant, nett und kooperativ. Man sieht in Brüssel über den Tellerrand. Die Farages, Johnsons und Cummings kamen und gehen auch wieder. Das UK bleibt, die Menschen auch. Dieser Verantwortung kommt man in Brüssel nach. Das ist weitsichtig.

Der Brexit hat seine Basis in einem Lügengebilde. Es war ein nicht bindendes Votum 2016, das von den Brexiteers in ein bindendes Votum verwandelt wurde. Nahezu alle Versprechen des Brexit sind gebrochen worden (u.a. NHS). Das Parlament ist in der Folge partiell zur "Comedy-Show" verkommen. Etablierte politische Regeln der britischen Demokratie sind geschliffen worden. Die Schäden sind immens. Das gilt für die Ökonomie, es gilt aber auch für den Ruf und es gilt bezüglich der Verlässlichkeit des UK (Brechen internationaler Verträge).

Johnson setzte auf Trump, was sind das nur für Freunde! Hoppla, die US-Trump-Karte, die Johnson meinte, in seiner Tasche zu haben, hat die Farbe gewechselt. Die Position Johnsons ist vor diesem Hintergrund zunehmend inhaltsleer und absurd.

Ergo macht die Bereitschaft der EU Sinn, die Gespräche fortzusetzen, um einen Handelsdeal "light" auf die Beine zu stellen. Damit wäre den Ökonomien und den Menschen Europas, nicht nur Kontinentaleuropas, gedient.

Als Fazit lässt sich ziehen, dass diese Verlängerung der "Last Minute" Verhandlungen hinsichtlich der durch die US-Wahl gegebenen Rahmendaten weise ist. Sie kann als Kunst der Diplomatie und als Ausdruck verantwortlichen Handelns interpretiert werden, die der Stumpfheit des Populismus den Rang abläuft.

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden

China: Kfz-Absatz stark- gut für China, gut für D!

Der Automobilabsatz nahm im größten Kfz-Markt der Welt per Berichtsmonat Oktober im Jahresvergleich um 12,5 % zu. Damit kam es zum siebten Anstieg in Folge. Die Geldmenge M2 stieg per Oktober im Jahresvergleich um 10,5 % (Prognose 10,9 %) nach zuvor 10,9 %. Das Wachstum der Kredite stellte sich per Oktober auf 12,9 % (Prognose 13,0 %) nach zuvor 13,0 %.

Russland: Hoher Handelsbilanzüberschuss

Die Handelsbilanz lieferte per Berichtsmonat September einen Überschuss in Höhe von 10,05 Mrd. USD (Prognose 6,6 Mrd. USD) nach zuvor 3,23 Mrd. USD (revidiert von 3,23 Mrd. USD).

Japan: Leicht enttäuschend

Die Erzeugerpreise verzeichneten per Oktober im Monatsvergleich einen Rückgang um 0,2 % (Prognose -0,2 %) nach zuvor -0,2 %. Im Jahresvergleich ergab sich ein Minus in Höhe von 2,1 % (Prognose -2,1 %) nach zuvor -0,8 %. Die "Machinery Orders" fielen im Monatsvergleich per Berichtsmonat September um 4,4 % (Prognose -0,7 %) nach zuvor +0,2 %. Im Jahresvergleich ergab sich ein Rückgang um 11,5 % (Prognose -11,6 %) nach zuvor -15,2 %.

Eurozone: Keine neuen Erkenntnisse

Die Verbraucherpreise Deutschlands nahmen per finaler Berechnung um 0,1 % im Monatsvergleich per Oktober zu. Sie sanken im Jahresvergleich um 0,2 % (beides entsprach Prognosen und den vorläufigen Werten). Die Verbraucherpreise Portugals sanken per Berichtsmonat Oktober im Jahresvergleich um 0,1 % nach zuvor -0,1 % (Monatsvergleich 0,1 % nach 0,1 %).

UK: "Old summer news" - Corona und Brexit ante portas

Im 3. Quartal 2020 legte das BIP im Quartalsvergleich um 15,5 % (Prognose 15,8 %) nach zuvor 7,9 % zu. Das BIP nahm per September im Monatsvergleich um 1,1 % (Prognose 1,5 %) nach zuvor 2,2 % (revidiert von 2,1 %) zu. Im Jahresvergleich ergab sich ein Rückgang um 8,4 % nach zuvor -9,3 %.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten des Unterstützungsniveaus bei 1.1580 - 1.1610 negiert den positiven Bias.

Bleiben Sie gesund, viel Erfolg!