Die USA und die Nato wollen ihren Afghanistan-Einsatz verstärken und auch Deutschland soll mitmachen. Die Präsenz der USA und von Nato-Truppen in Afghanistan soll gemäß der Entscheidung von US-Präsident Trump verstärkt werden. Im Wahlkampf ließ er ja noch verbreiten, er würde die globale Militär-Präsenz der USA massiv reduzieren.

Amerikanische Medien berichten jedoch von ziemlich weitgediehenen Plänen, die in der US-Regierung auf Zustimmung stoßen. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg bläst in das gleiche Horn und auch die von den Wählern abgestrafte britische Premierministerin May signalisierte ein Einlenken.

Afghanistan als Spielball fremder Mächte

Angesichts des intellektuellen Potentials der genannten Staatsoberhäupter und des Generalsekretärs, ist es sicherlich nicht zu erwarten, dass irgendwelche Schlüsse aus der jüngeren Vergangenheit gezogen werden, bezüglich des Afghanistan-Abenteuers, welches 2002 begann  und heute -immerhin 15 Jahre später- keines der damals formulierten strategischen Ziele erreicht hat. Afghanistan gilt aufgrund seiner geographischen Lage als Spielball fremder Mächte. Welche Mächte sind das?

Alle Nachbarländer Afghanistans sind involviert. Vor allem aus wirtschaftlichen Gründen: Afghanistan hat Bodenschätze und ist ein Durchgangsland. Pakistan hat zudem militärische Gründe, weil es das Afghanistan-Engagement von Erzfeind Indien fürchtet. Saudi-Arabien träumt immer noch von einem wahabitisch-sunnitischen Gottesstaat Afghanistan, als Pendant zu seinem großen Konkurrenten, dem schiitischen Gottesstaat Iran.

Der Iran wiederum sieht sich an seiner Ostgrenze von den Taliban und US-Truppen am Hindukusch bedroht und Russland möchte die Hegemonie über seinen zentralasiatischen Hinterhof behalten. Deutschland ist ausschließlich aus Gründen unerschütterlicher NATO-Bündnistreue dabei gewesen. Das Märchen, wonach unsere "Freiheit am Hindukusch verteidigt wird", kommt im Bundestag niemanden mehr über die Lippen.

Rückzug der Sowjets führte zur “Wiedergeburt des Islams”

Vor über 28 Jahren, am 15. Februar 1989, vollzog sich der sowjetische Rückzug aus Afghanistan. 10 Jahre zuvor, als die UdSSR noch eine Supermacht war, begann die Invasion der “ruhmreichen Roten Armee” im südlichen Nachbarland.

Eine Dekade später lag das kommunistische Weltreich, welches Helmut Schmidt einmal als Obervolta mit Atomwaffen, also als eine Nuklearmacht auf Drittwelt-Niveau, tituliert hatte, im Todeskampf. Es hatten sich Risse im Roten Imperium gebildet. Nach zehnjähriger Okkupation -durch 130 00 Sowjetsoldaten- mitsamt einem Aufgebot von Hunderten, vielleicht Tausenden von Panzern, waren sie dem Zermürbungskrieg der Mudschaheddin erlegen.

In Moskau hoffte man damals, einem Übergreifen des islamischen Flächenbrandes auf das eigene Territorium, bzw. auf die eigenen muslimischen Ethnien, durch diesen Rückzug, entgegenwirken zu können. Das Gegenteil war der Fall. Vom Nordkaukasus bis nach Zentralasien kam es, trotz jahrzehntelanger atheistischer Indoktrination und kommunistischer Propaganda, zu einer “Wiedergeburt des Islams”, die den Niedergang des “Gottlosen” Imperiums beschleunigte.

Blutige Abrechnung mit „Stalin aus Afghanistan“

Die muslimischen Völker -des zerfallenen Eurasischen Riesenreiches- betrachteten die “Höllenfahrt” ihrer entmachteten kommunistischen Kolonialherren mit Verwunderung und fassungslosem Staunen. In das hinterbliebene ideologische Vakuum und die katastrophalen ökonomischen und ökologischen Hinterlassenschaften des Sowjetsozialismus,  fielen die Koranverse, demzufolge Allah den Geduldigen, den Standhaften, beisteht, auf einen fruchtbaren Boden.

Die sowjetische Soldateska hinterließ ein zerstörtes Afghanistan und kehrte in eine Heimat zurück, die gerade dabei war zugrunde zu gehen. 15.000 sowjetische Soldaten blieben auf den Schlachtfeldern zurück, mehr als 1, 5 Millionen Afghanen waren ums Leben gekommen.

Einige Monate später sollten die kommunistischen Regime in Mitteleuropa, von Warschau bis Sofia, stürzen, beziehungsweise die Mauer in Berlin fallen. 1991 kam es dann zur Auflösung der Sowjetunion selbst. 1996, nach der Einnahme Kabuls durch die Steinzeit-Islamisten der Taliban, fiel Nadschibulla, der sowjetische Stadthalter in Kabul, auch als Stalin von Afghanistan bekannt, einer blutigen Abrechnung  zum Opfer. Wie ein Stück Vieh ließen ihn die Taliban durch die Straßen von Kabul schleifen.

Ohne die Saudis hätte es niemals ein Taliban-Regime gegeben

Die sunnitischen Steinzeit-Islamisten der Taliban übernahmen die Macht in Afghanistan. Saudi-Arabien und Pakistan waren nach dem Abzug der Sowjettruppen Gründer und Motor des Taliban-Regimes. Ohne die massive finanzielle, ideologische und politisch-diplomatische Unterstützung durch Saudi-Arabien und Pakistan hätte es nie ein Taliban-Regime in Afghanistan  gegeben.

Nur Shah Massoud, der wahre Vater Afghanistans, hielt ihnen, bis zu seiner Ermordung durch die Schergen Bin Ladens, tapfer stand. Shah Massoud starb 2 Tage vor dem 11. September 2001. “Den Friedhof der Imperien” nennt man Afghanistan schon seit den Tagen Alexander des Großen. Afghanistan zu erobern ist leicht, es zu beherrschen ist unmöglich. Diese Weisheit hat der Westen seit 2002 konsequent ignoriert.

Eine historische Mahnung

Dabei hätten es gerade die  Briten besser wissen sollen, vor ihrem Engagement in der Provinz Helmand, dass man keinen Krieg in Afghanistan gewinnt. Gewiss, das Desaster von 1842, als die aus Kabul ausbrechende Garnison Ihrer Majestät mitsamt Familien und Hilfskräften in den Schluchten des Hindukusch durch Stammesangehörige massakriert wurde, gehört einer anderen Epoche an. Aber wie heiß es doch so treffend: ”Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht begreifen und die Zukunft nicht meistern”.

Das damalige Ereignis war immerhin so sensationell, dass Theodor Fontane dem einzigen Überlebenden, einem Militärarzt, der bis Jalalabad gelangte, eine Ballade widmete: ”Mit Dreizehntausend der Zug begann; einer kam heim aus Afghanistan”. Bei ihren Expeditionen dürften den Soldaten der Bundeswehr die Vielzahl der zerstörten sowjetischen Tanks -im Norden Afghanistans- aufgefallen sein. Dieses ausgebrannte Kriegsgerät, eines Imperiums, vor dem vor 20 Jahren die Welt noch erzitterte, beziehungsweise dessen Ideologie ein Fünftel der Menschheit-von Ost-Berlin-bis Pyönyang-beherrschte, ist dort wie eine historische Mahnung anzusehen. Als eine Mahnung für das Scheitern von Supermächten, in der rauen Gebirgslandschaft von Afghanistan.