Mali ist ein zentralafrikanisches Binnenland mit einer Bevölkerungszahl von ca. 12 Millionen, das dreieinhalb Mal so groß ist wie Deutschland und hauptsächlich in der Sahara liegt. Bekannte, die einige Zeit in diesem Land – der Heimat Timbuktus – verbrachten, bezeichneten es als einen der friedlichsten und schönsten Orte der Erde. Seine Einwohner sind zu 90% Muslime mit verschiedensten Konfessionen. Es verfügt über eine ländliche, zur Selbstversorgung fähige Landwirtschaft und fast die Hälfte aller Erwachsenen kann lesen und schreiben.  Trotzdem ist dieser Staat plötzlich der Mittelpunkt des neuen globalen „Krieges gegen den Terror“.

Am 11. Januar – nachdem mehr als ein Jahr insgeheim Druck auf das benachbarte Algerien ausgeübt wurde, um es in einen Einmarsch in Mali einzuspannen – beschloss Hollande einen Militäreinsatz mit US-amerikanischer Unterstützung. Seine Regierung entschied Luftschläge im von Rebellen kontrollierten Nordteil Malis gegen eine fanatisch salafistische Gruppierung Dschihadistischer Schwerverbrecher, die sich selbst als „al-Qaida im Maghreb“ (AQIM) bezeichnet. Als Begründung für die anscheinend rasche Antwort Frankreichs wurde eine gewaltsame Ausschreitung einer kleinen Gruppe Dschihadistischer Tuareg – Asnar Dine – genannt, die mit AQIM in Verbindung steht.

Thierry Meyssan – strategischer Analytiker aus Frankreich– merkte an, dass die französischen Streitkräfte außerordentlich gut vorbereitet seien: „Der vorläufige Präsident Dioncounda Traore verhängte den Notstand und bat Frankreich um Hilfe. Paris intervenierte innerhalb von Stunden, um die Hauptstadt Bamako zu schützen. In weiser Voraussicht wurden bereits Truppen des 1. Marineinfanterie-Fallschirm-Regiments und des 13. Dragoner-Fallschirm-Regiments, Helikopter des COS [des Oberkommandos für Sondereinsätze], zwei Mirage 2000Ds, zwei Mirage F-1s, drei C135s, eine C130 Hercules und eine C160 Transall in Mali stationiert.“ Was für ein glücklicher Zufall.

Bis zum 21. Januar begannen Transportflugzeuge der US Air Force, hunderte französische Elitesoldaten und Nachschub für die Streitkräfte nach Mali zu bringen – angeblich um ein außer Kontrolle geratenes Voranschreiten von Terroristen Richtung Süden zur malischen Hauptstadt zu verhindern.

Es gibt jedoch starke Anzeichen, dass der französische Einsatz in Mali alles andere als humanitär ist. Präsident François Hollande gab an, dass die französischen Truppen in Mali verbleiben würden bis „der Terrorismus besiegt“ sei. Die Vereinigten Staaten, Kanada, Großbritannien, Belgien, Deutschland und Dänemark sicherten Frankreich bei seiner Operation gegen Mali ihre Unterstützung zu.

Mali verfügt – wie der Großteil Afrikas – über ausgedehnte Rohstoffvorkommen. In ihm schlummern große Mengen Gold, Uran und – obwohl die westlichen Ölkonzerne die Allgemeinheit darüber im Dunkeln lassen wollen – Öl; sehr viel Öl. Frankreich bevorzugte es, Malis enorme Ressourcen zu ignorieren und es ein armes Agrarland bleiben zu lassen. Mali ist bereits einer der führenden Goldförderer – direkt hinter Südafrika und Ghana.

Ehemalige US-Militärexperten mit genauer Kenntnis der Region, die sich als verlässliche Quellen erwiesen haben und anonym bleiben möchten, geben an, dass Spezialkräfte der USA und NATO eben jene „terroristischen“ Gruppierungen ausgebildet haben, die sie jetzt zur Legitimierung ihrer neokolonialistischen Invasion Malis durch Frankreich nutzen. Dabei ist die große Frage, warum Washington und Paris Terroristen ausbilden sollten, die sie jetzt in einem „Krieg gegen den Terror“ vernichten wollen. Waren sie wirklich vom Mangel an Loyalität ihrer Schützlinge überrascht? Und was steckt hinter AFRICOMs amerikanisch unterstützter Übernahme Malis durch Frankreich?

Von AFRICOM und Linken Touren

Warum wurde Frankreich von AFRICOM auserwählt, die Vorreiterrolle zu spielen, die es bereits in Libyen inne hatte? Die einfachste Begründung wäre, dass das pragmatische Pentagon erkannte, dass Frankreich „sich dort auskennt und die Sprache spricht“.

Uns wurde in den vergangenen Monaten immer wieder berichtet, dass eine Gruppe namens „Al Qaida“ – eben jene Organisation, die von der US-Regierung dafür verantwortlich gemacht wird, am 11. September 2001 drei Türme des World Trade Centers dem Erdboden gleich gemacht und das Pentagon teilweise in die Luft gejagt zu haben – wieder aufgetaucht ist.

Berichten von Massenmedien und Sprechern der NATO-Mitglieder zufolge habe die ursprüngliche Gruppe um Osama bin Laden, ein neues Geschäftsmodell für sich entdeckt, indem sie offizielle Al Qaida-Produkte im Stile eines „McDonald’s des Terrors“ an islamistische Rebellen in Libyen und AQIM herausgibt.

Mir kamen sogar Berichte zu Ohren, dass jene „Fanartikel“  - so seltsam es auch klingen mag – an eine Gruppierung namens DRCCAQ oder „Democratic Republic of Congo Christian Al Qaeda“ („Christliche Al Qaida der Demokratischen Republik Kongo“) ausgeliefert wurden.

Wenn wir der offiziellen Geschichte glauben, dann ist AQIM, das auch nur ein Produkt geheimer Machenschaften ist und ursprünglich in Algerien unter dem Namen „Salafisten-Gruppe für Predigt und Kampf“ (GSPC auf Französisch) agierte, für die Probleme in Mali verantwortlich.

2006 verkündete Osama bin Ladens Stellvertreter und ägyptischer Anhänger des Dschihadismus Ayman al-Zawahiri offiziell, dass die algerische GSPC Unterstützung von Al Qaida erhalte. Bei AQIM handelt es sich um eine Gruppe bewaffneter Krimineller, die ihr Geld mit Drogenhandel verdienen, indem sie südamerikanisches Kokain über Afrika nach Europa schiffen. Zu ihren weiteren Einnahmequellen zählen Waffen- und Menschenhandel.

Ein Jahr später landete al-Zawahiri einen weiteren Coup, als er offiziell die Vereinigung der libyschen LIFG und AQIM bekanntgab.

Die LIFG – kurz für „Libyan Islamic Fighting Group“ („Libysche Islamische Kampfgruppe“) – wurde vom libyschen Dschihadisten Abdelhakim Belhaj ins Leben gerufen, der als Teil der von den USA finanzierten Mudschahidin in den 1980er Jahren zusammen mit Osama bin Laden von der CIA ausgebildet wurde. Laut Pepe Escobar sind „in praktischer Hinsicht […] LIFG und AQIM ein und dasselbe gewesen – und Belhaj war/ist ihr Anführer“.

LIFG spielte eine entscheidende Rolle im Kampf der Franzosen und Amerikaner gegen den libyschen Gaddafi, mit dem sie Libyen in den „weltgrößten Marktplatz für Waffen“ verwandelten, wie es ein Beobachter beschreibt. Diese Waffen überschwemmen von Bengasi aus jetzt auch Mali und andere destabilisierte Orte. Über den Seeweg und die Türkei werden sie bis nach Syrien transportiert, wo sie von den Aufständischen genutzt werden, um die Lage weiter zu verschärfen – so wird es vom außenpolitischen Komitee des US-Senats angedeutet. 

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