Sowohl meine Leser in der Heimat als auch meine Leser in aller Welt werden die Meldung zur Kenntnis nehmen wollen, dass China angekündigt hat, sowohl seine Rohöleinfuhren als auch -exporte fortan in einer durch Gold gedeckten chinesischen Währung abwickeln zu wollen.

Handelt es sich hierbei um einen direkten Angriff Russlands und Chinas auf den US-Dollar? Wird der US-Dollar nun im Außenwert nachgeben oder gar kollabieren, da sich mehr und mehr abzuzeichnen beginnt, dass der US-Dollar als Währung, in der Rohöl gehandelt und abgewickelt wird, abgelöst wird?

Diese und viele andere Fragen beschäftigen in diesen Tagen eine Vielzahl meiner Leser. Ich möchte zu diesen berechtigten Fragen Stellung beziehen und Ihnen meine persönliche Ansicht zu den aktuellen Entwicklungen kundtun:

Der kleine Unterschied

Der Außenwert des US-Dollars hängt davon ab, ob Zentralbanken, Konzerne, Unternehmen und private Verbraucher sich wohl dabei fühlen, ihre Vermögenswerte oder ihre Ersparnisse auf Basis des US-Dollars zu halten.

Wenn dem so ist, macht es keinen Unterschied, auf welcher Verrechnungseinheitsbasis der globale Schmierstoff Rohöl gehandelt wird. Wenn dem nicht so ist, macht es im Gegensatz hierzu auch keinen Unterschied, ob alle Ölprodukte dieser Welt auf US-Dollarbasis gehandelt und abgewickelt werden oder nicht. Warum?

Wenn Zentralbanken, Konzerne, Unternehmen und private Verbraucher die Entscheidung treffen, keine US-Dollars mehr halten zu wollen, würden US-Dollars schneller den Markt überfluten als uns allen lieb wäre. Sobald Transaktionen abgeschlossen wären, würde eine Flucht in andere Papierwährungen oder andere Vermögenswerte (Stichwort: Gold) erfolgen.

Diversifizierung vom US-Dollarsystem

Was China nun angekündigt hat, dreht sich um die Schaffung einer Währung, die sich fortan zum Halten (von Vermögenswerten, Ersparnissen, etc.) als weit attraktiver erweisen könnte als der US-Dollar.

Es liegt durchaus im Bereich des Möglichen, dass die Einführung einer durch Gold gedeckten China-Währung sich als Schritt gegen die globale US-Macht interpretieren lässt. Ich sehe die Dinge hingegen ein wenig differenzierter. Ich erkenne in den aktuellen Ereignissen vielmehr den Aufbau eines Schutzwalls gegen die globale US-Macht.

Sowohl China als auch Russland haben einen Pfad der Diversifizierung vom US-Dollarsystem eingeschlagen. Hauptgrund hierfür ist aus meiner Sicht, dass Washington sowohl die Rolle des US-Dollars als Weltreservewährung als auch den globalen Dollarzahlungsmechanismus dazu missbraucht, um Sanktionen gegen andere Nationen zu verhängen.

Stets wird den betroffenen Ländern seitens der US-Regierung mit einem Ausschluss aus beziehungsweise einer Kappung vom US-Dollarzahlungs- und Abwicklungssystem gedroht.

Dominanz in Gefahr

Mein Blogkollege Roman Baudzus berichtete kürzlich über die haarsträubende Drohung von US-Finanzminister Steven Mnuchin, China aus dem Dollarzahlungssystem auszuschließen, falls Peking die durch die UNO verhängten Sanktionen gegen Nordkorea unterlaufen oder durch die Hintertür nicht mittragen sollte.

Um es mit anderen Worten auszudrücken, bedient sich Washington – anstelle des Betreibens eines für jedermann fairen Systems – der Rolle des US-Dollars als Weltreservewährung, um andere Nationen dieser Erde zu dominieren und dessen Regierungen den eigenen Willen aufzuoktroyieren.

Sowohl Russland als auch China sind als Nationen jedoch zu stark, um sich durch ein anderes Land dominieren zu lassen. Folge ist, dass das seit Jahrzehnten Bestand habende US-Dollarsystem nun von beiden Staatsregierungen über Bord geschmissen zu werden scheint.

Falls sich andere Nationen diesem Gebaren anschließen sollten, wird der US-Dollar irgendwann kein Instrument der Macht und Kontrolle in Händen der US-Regierung mehr sein. Ergo wird es den USA ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr möglich sein, Kontrolle über den Rest der Welt auszuüben.

Die Zerstörung der eigenen Macht

Um es mit noch differenzierteren Worten auszudrücken, räumte das einstmals in Bretton Woods verabschiedete Finanz- und Wirtschaftssystem Washington die Verantwortung für eine Überwachung und Steuerung dieses Weltfinanzsystems ein.

Washington hat die damit einhergehende Macht missbraucht, um das US-Dollarsystem zur Destabilisierung von anderen Nationen zu nutzen. Venezuela bietet sich aus meiner Sicht momentan als recht gutes Beispiel hierfür.

Washingtons Missbrauch der Rolle des US-Dollars als Weltreservewährung zur Forcierung von eigenen Finanz- und Wirtschaftsinteressen sowie der anhaltende Versuch Washingtons, die außenpolitischen und inländischen Politleitlinien von anderen Staaten in der Welt bestimmen und dominieren zu wollen, hat Kräfte freigesetzt, welche die Rolle des US-Dollars als Weltreservewährung unweigerlich zerstören werden.

Letzten Endes zerstören die Hybris und Arroganz Washingtons die Macht Amerikas.

Gastbeitrag für CK*Wirtschaftsfacts / © 2017 Dr. Paul Craig Roberts / Institute for Political Economy

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