Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1305 (07:27 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1286 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 111.75. In der Folge notiert EUR-JPY bei 126.35. EUR-CHF oszilliert bei 1.1355.

Das so genannte "Beige Book" der Federal Reserve lieferte gestern einmal mehr den üblichen positiven Grundton, ohne auf strukturelle Schwächen der US-Wirtschaft auch nur in zartester Formeinzugehen. "Chapeau!"

Die US-Wirtschaft befände sich trotz des Handelskonflikts mit China und des temporären "Shutdowns" weiter im Wachstumsmodus. Das Tempo sei in zehn von zwölf Fed-Distrikten leicht bis moderat ausgefallen. In Philadelphia und St. Louis hätte die Konjunktur stagniert.Wir nehmen diese Sichtweise zur Kenntnis.

Die weitere Meldung der US-Notenbank macht jedoch stutzig. Die Fed lockert Bankenstresstests für US-Institute. Ab 2019 müssen sich US-Banken dem qualitativen Test nicht mehr unterziehen. Dort wird das Risikomanagement und das operative Geschäft geprüft. Die Lockerung gilt nicht für fünf ausländische Banken (Deutsche Bank, Credit Suisse, UBS, Barclays und TD Bank).

In einer Phase, in der sich die Dynamik der US-Konjunktur abschwächt, und die strukturellen Verschuldungsprobleme über die gesamte Volkswirtschaft so ausgeprägt sind wie seit der Finanzkrise 2008/2009 nicht mehr, während die Handelskonflikte der US-Administration die Investitionsbedingungen in den USA verschlechtern, will man bei US-Instituten auf qualitative Stresstests verzichten?

War die Ursache der letzten Finanzkrise ausgehend von den USA nicht ein qualitatives Problem (u.a. MBS), das dann in der ausgeprägten Quantität die bekannten Folgen für die USA und den Rest der Welt mit sich brachte?

Die Nichtanerkennung der strukturellen Problemlage der USA gekoppelt mit dem Verzicht auf qualitative Stresstests für nur US-Banken hat Charaktermerkmale des "Pfeifens im Walde"! "Food for thought!"

Die OECD stimmte gestern in den Chor der Konjunkturskeptiker ein:

O-Ton: "Die globale Expansion verliert angesichts erhöhter politischer Unsicherheit, anhaltender Handelsspannungen und fortgesetzter Rückgänge des Vertrauens von Unternehmen wie Verbrauchern weiter an Dynamik. Eine stärkere Abschwächung in China würde das globale Wachstum belasten und könnte das Wachstum in Europa weiter schwächen."

China wird als Risiko hervorgehoben, obwohl dort Gegenmaßnahmen von circa 600 Mrd. USD pro Konjunktur und Struktur veranlasst werden und die USA, deren "Terms of Trade" sich durch den Handelskonflikt verschlechtern und deren Verschuldungsdaten (mangelnde selbsttragende Kräfte der Expansion) so kritisch sind, wie in keinem anderen Land, das zu dem Kreis der Industrienationen gezählt wird, werden in der Diktion ausgelassen? "Chapeau!" Hat das ein Geschmäckle?

Die OECD hat ihre Wachstumsprognose für Deutschland wegen der globalen Konjunkturschwäche massiv gekürzt. Das BIP werde in diesem Jahr nur um 0,7% steigen (bisher 1,6%). 2019 sollen es dann 1,1% sein (bisher 1,4%).

Für Italien sagt die OECD eine Rezession voraus. Das BIP soll 2019 um 0,2% schrumpfen. 2020 soll ein leichtes Wachstum von 0,5% folgen. Für Frankreich werden in beiden Jahren 1,3% prognostiziert.

Per 2019 wurde die Prognose des UK von 1,4% auf 0,8% revidiert. Damit soll das Wachstum des UK oberhalb des Wachstums Deutschlands liegen. Wir nehmen das zur Kenntnis.

Besser soll es laut Analysen der OECD in den USA laufen. Hier rechnet die OECD mit einem Wachstum von 2,6% per 2019 und von 2,2% per 2020.

Für China sagen die Experten eine Abschwächung voraus. 2020 soll das Wachstum sechs Prozent betragen.

Analog zu den Analysen der Federal Reserve werden qualitative Aspekte von der OECD nicht angemessen in Betracht gezogen (Eurozone, wiederkehrende Einkommen als Wachstumstreiber, Strukturmaßnahmen China mit Wirkung auf Potentialwachstum, Verschuldungskrise USA).

Am Ende darf man den Eindruck gewinnen, dass hier ein Stück weit Marketing pro USA umgesetzt worden ist. Wir werden die OECD an diesen Prognose messen und halten an den Prognosen unseres Jahresausblicks zunächst fest. Wir haben aber doch ein wenig Lust, Sie mit Fakten zu behelligen. Nachfolgend finden Sie Schlüsseldaten zu USA, China und Russland tabellarisch aufgeführt. "Food for a lot of thought!"

   

EZB-Ratssitzung "Steady hand":

Die EZB wird keine Veränderungen in der Zins- und Geldpolitik veranlassen. Es bleibt bei dem Nullzins und dem Einlagensatz bei -0,40%. Der Fokus liegt auf der Verbalakrobatik. Dabei geht es einmal um langfristige Liquiditätsmaßnahmen und voraussichtlich eine Verzögerung des Beginns des Zinserhöhungszyklus.

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Der ADP-Report bezüglich der Entwicklung der Beschäftigung in der US-Privatwirtschaft war erbaulich. Per Februar ergab sich eine Zunahme um 183.000 Jobs (Prognose 189.000). Der Vormonatswert wurde von 213.000 auf 300.000 neu geschaffene Stellen revidiert. Insgesamt kam es zu einer markanten positiven Überraschung.

Die US-Handelsbilanz lieferte den negativen Akzent. Per Dezember stellte sich das Defizit auf 59,8 Mrd. USD (Prognose 57,3 Mrd. USD) nach zuvor -50,3 Mrd. USD (revidiert von 49,3 Mrd. USD). Damit kam es zum höchsten Defizit seit Oktober 2008. Bei einer Fortsetzung der US-Zollpolitik, die die Konkurrenzfähigkeit des Standorts USA untergräbt (Kostenaspekt der Produktion in den USA), wird sich dieses Defizit noch weiter aufbauen.

Wer Fakten und physikalische Gesetze der Ökonomie ignoriert, zahlt einen Preis!

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten der Unterstützungszone bei 1.1200-30 neutralisiert diese Bewertung.

Viel Erfolg!