Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1060 (07:16 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1040 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 108.57. In der Folge notiert EUR-JPY bei 120.08. EUR-CHF oszilliert bei 1.0957.

Frankreich steht derzeit bei mehreren Themen im Mittelpunkt des weltweiten Interesses. Ist Frankreich stark genug für längst überfällige Reformen? Lässt sich Paris in der Souveränität durch Washington beschneiden?

Die Regierung in Paris hält angesichts der Streiks dennoch an der Rentenreform fest. Man sei jedoch offen für Änderungen des Zeitplanes. Das ist erst einmal eine gute Nachricht. Dieses Reformprojekt aufzugeben, wäre vollständig kontraproduktiv!

Finanzminister Le Maire sagte, dass er einen ausgeglichenen Staatshaushalt will, aber er wolle nicht dogmatisch sein. Man könne über den Kalender reden. Ministerpräsident Philippe will in Kürze Details der Reform vorstellen, die der Vielfalt der unterschiedlichen Rentensysteme im Land ein Ende setzen soll.

Diese politischen Töne sind empathisch und konstruktiv zugleich.

Das französische Rentensystem trägt den längeren Lebenszeiten nicht ansatzweise Rechnung. So können einige Arbeiter bereits mit Anfang 50, viele mit 56 Jahren in den Ruhestand gehen.

Wenn sich wesentliche Kerndaten wie Lebenszeiten verändern, muss das auch in den Versorgungsstrukturen spiegeln.

Diese Rentenhypothek ist weder für den Staat (alle Bürger sind der Staat!) noch die kommende Generation tragbar. Diese Regelungen sind bezüglich des gesellschaftspolitischen Generationenvertrags asozial gegenüber der zukünftigen Generation. Wir wünschen der Regierung in Paris viel Erfolg, denn dieser mögliche Erfolg würde auch die Entwicklung in Kontinentaleuropa positiv beeinflussen!

Frankreich wird im Streit mit den USA über die Digitalsteuer unter Umständen die WTO anrufen. Man ist in Paris bereit, dies vor ein internationales Gericht zu bringen. Die neue Steuer treffe zwar US-Konzerne, aber eben auch französische, sonstige EU-Firmen und chinesische Anbieter. Das sei nicht gegenüber den USA diskriminierend. Paris liegt hier zu 100 % richtig.

US-Präsident Trump, der bereits Handelskonflikte mit China und der EU angezettelte, hat sich jüngst auf Frankreich wegen der Digitalsteuer kapriziert. Trump droht mit Sonderzöllen von bis zu 100 % auf Champagner und andere französische Waren wie Handtaschen und Käse im Umfang von rund 2,4 Mrd. USD, sollte Paris Digitalsteuern einführen.

Fordert Washington damit nicht implizit Hoheitsrechte der Gesetzgebung in Paris ein? Ist so ein Verhalten für ein Land, das Souveränität nicht nur als verbale Floskel versteht, tolerierbar?

Paris setzt in jüngerer Zeit viele Akzente, die man sich auch aus Berlin und anderen Hauptstädten der Eurozone/EU wünschte. "Food for thought!"

Kommt Bewegung in das Verhältnis EU/Russland?

Kurz vor dem heute beginnenden Gipfeltreffen bezüglich des Ukraine-Konflikts meldete sich der europäische Wirtschaftsverband Eurochambres zu Wort. Der Verband tritt für eine stufenweise Reduzierung der Sanktionen zwischen Europa und Russland ein. Wir freuen uns über diese Initiative. Sie ist überfällig.

Es sei an der Zeit, die Sanktionen auf beiden Seiten schrittweise zu reduzieren und sich auf die Vorteile einer Zusammenarbeit zwischen Europa und Russland zu fokussieren, anstatt gegeneinander zu arbeiten, so der Präsident von Eurochambres, Christoph Leitl.

Eurochambres gehören circa 20 Millionen Unternehmen an. Der Präsident Leitl, ein Unternehmer aus Österreich, vertritt die Auffassung, dass die Wirtschaftssanktionen keinerlei Nutzen hätten. Wir stimmen vollständig zu. Ganz im Gegenteil hat sich Russland durch die Sanktionen zu Reformen durchgerungen, die das Land unerwartet stark positiv beeinflusst haben. Den Preis der Sanktionen haben vor allen Dingen europäische Unternehmen gezahlt. Es ist die Aufgabe der europäischen Politiker, Schaden von unserem politischen Raum fernzuhalten, nicht ihn zu forcieren!

Russland sei ein Partner, mit dem die Europäer auf wirtschaftlicher, politischer, kultureller und sportlicher Ebene im Dialog stehen sollten. Wir stimmen zu. Der Abbruch des Dialogs 2014/2015 war Ausdruck von Eskalations-, nicht von Lösungswillen.

Nur wer miteinander redet, kann Lösungen finden. Wortlosigkeit hat noch nie genutzt. Aus diesem Grunde schauen wir neugierig Richtung Paris. Heute findet dort das Treffen im Normandie-Format statt. Daran nehmen die Staats- und Regierungschefs Russlands, der Ukraine, Deutschlands und Frankreichs teil.

Man verhandelt über Friedensinitiativen in der Ostukraine. Von allen Beteiligten erwarten wir Bereitschaft, sich zu bewegen. Das wäre nicht nur für die Ukraine gut!

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Eurozone: Positive Akzente

Deutschland: Per Oktober stellte sich der Handelsbilanzüberschuss auf 20,6 Mrd. EUR (Prognose 19,0) nach zuvor 19,2 Mrd. EUR. Exporte legten im Monatsvergleich um 1,2 % zu (Prognose -0,7 %), während Importe im Monatsvergleich unverändert ausfielen. Italien: die Einzelhandelsumsätze stiegen per Oktober im Jahresvergleich um 1,0 % nach zuvor 0,8 %.

USA: Positiver Arbeitsmarktbericht mit Fragezeichen!

Unerwartet stark legte die Beschäftigung außerhalb des Agrarsektors (Nonfarm Payrolls) per November um 266.000 Jobs zu (Prognose 180.000). Damit ergab sich eine massive Divergenz zwischen den Daten von ADP und BLS, da der öffentliche Sektor lediglich 12.000 neue Jobs kreierte.

Die offizielle Arbeitslosenquote sank von 3,6 % auf 3,5 %. Die Quote U-6, die in Ansätzen mit der Quote der Eurozone vergleichbar ist, fiel von 7,0 % auf 6,9 %. Die Partizipationsrate legte leicht von zuvor 63,2 % auf 63,3 % zu. Die Wochenarbeitszeit verharrte bei 34,4 Stunden.

Der Index des Verbrauchervertrauens nach Lesart der Universität Michigan stieg gemäß vorläufigen Berechnungen von 96,8 auf 99,2 Punkte (Prognose 97,0). Die Lagerbestände legten per Oktober im Großhandel im Monatsvergleich um 0,1 % (Prognose 0,2 %) zu. Der Absatz sank im Großhandel um 0,7 % nach zuvor -0,1 %.

China: Lauwarm!

Per Berichtsmonat November stellte sich der Handelsbilanzüberschuss auf 37,73 nach zuvor 42,81 Mrd. USD. Exporte sanken im Jahresvergleich um 1,1 % (Prognose +1,0 %), während Importe um 0,3 % zulegten (Prognose -1,8 %).

Japan: Positive Akzente!

Per 3. Quartal legte das BIP laut Revision im Quartalsvergleich um 0,4 % (Prognose 0,2 %) zu. In der annualisierten Fassung stellte sich das BIP auf 1,8 % nach 0,2 % (Prognose 0,7 %). Der Index „Economy Watcher‘s Poll“ stieg per November von zuvor 36,7 auf 39,4 Zähler.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Ein Überwinden der Widerstandszone bei 1.1160 - 80 negiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!