Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.0136 (05:51 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,0082 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 138,10. In der Folge notiert EUR-JPY bei 139,97. EUR-CHF oszilliert bei 0,9907.

An den Finanzmärkten endete die gestrige Runde erhöhter Risikofreude, nachdem Meldungen von Apple die Stimmung unterminierten. Apple will weniger Personal einstellen und Ausgaben weniger steigern. Es ist bemerkenswert, was ein Unternehmen global bewirken kann. In der Folge verloren die Aktienmärkte Terrain. An den Kapitalmärkten kam es zu einer Zinsversteifung (10-Jahres Bunds 1,20 %, 10-Jahres Treasuries 2,97 %). Edle Metalle standen unter mildem Druck. Der Euro touchierte gegenüber dem USD die Marke von 1,02, um dann Gewinne abzugeben.

Brüssel kümmert sich um Energie-Alternativen

Die EU ist aktiv, um alternative Energiequellen für uns zu erschließen.

Kommentar: Das ist bitter notwendig, denn die EU hat durch Sanktionen, deren Folgen vollständig falsch eingeschätzt wurden, das historisch einmalige Energie-Dilemma selbst verschuldet.

Die EU will Gasimporte aus Aserbaidschan erhöhen. Die Absichtserklärung sieht die Verdoppelung auf 20 Mrd. Kubikmeter bis 2027 vor.

Kommentar: Nun wird also „autoritäre Energie“ aus Russland voraussichtlich durch „autoritäre Energie“ aus Aserbaidschan ersetzt. Die Welt liefert die passende Schlagzeile: „Jetzt diktieren die Autokraten dem Westen die Bedingungen“. Man beachte, dass uns diese Lieferungen vollständig erst 2027 erreichen würden, sofern die Absichtserklärung umgesetzt wird. Was passiert bis dahin?

Auch aus Berlin erreichen uns positive Meldungen. Ägyptens Präsident hat sein Land als Gaslieferant für Europa angeboten. Kanzler Scholz sagte, dass es gut sei, die Versorgung auf eine breite Basis zu stellen. Beide Politiker betonten die Bedeutung einer zukünftigen Zusammenarbeit im Wasserstoffbereich.

Kommentar: Es geht nicht ohne Energie. Westeuropa hat nicht genügend Ressourcen. Es ist richtig, eine breite Basis in der Versorgung zu etablieren. Aber sind die Absichtserklärungen zwischen EU und autoritären und zum Teil Krieg führenden Ländern nicht Ausdruck einer Moral-Farce, deren dramatischen Preis die Bürger und Unternehmen in der EU berappen müssen? Sind sie geeignet das akute Dilemma in den Griff zu bekommen? Was würde adhoc helfen?

Deutschland: BDI meldet sich mahnend zu Wort

Der BDI ist besorgt über die Ankündigung Russlands, das Hochfahren der Gaslieferungen an Aufhebungen von Sanktionen zu knüpfen. Auf Deutschland käme ein langfristig andauernder Gasmangel zu. Die derzeitigen Regeln für eine Gasmangellage seien ungeeignet. Der Bund und die EU müssten neue Regelungen auf den Weg bringen. Alle Teile der Gesellschaft müssten gemäß der Leistungsfähigkeit ihren Teil leisten. Die Behörden sollten Brennstoffwechsel mit schnellen und einfachen Genehmigungen für Unternehmen ermöglichen.

Kommentar: Die Sorge des BDI ist verständlich. Nach den gegenüber Russland verfügten Sanktionen und der Tatsache, dass der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags die Ausbildung der ukrainischen Truppen in Deutschland als kritisch hinsichtlich des Kriegseintritts definiert hat (Link , Seite 6), sind offene Flanken gegeben. Die vom BDI angemahnten Optimierungen im Rahmen eines rationalen Pragmatismus im Kontext einer Notfallplanung sind zielführend.

Deutschland: Prognos-Klimastudie

Laut einer Prognos-Studie, die die Bundesregierung in Auftrag gab, hat der Klimawandel Deutschland seit 2000 pro Jahr durchschnittlich 6,6 Mrd. EUR gekostet. Zusätzlich seien insgesamt circa 7.500 Todesfälle auf die hohe Hitze in den Jahren 2018 und 2019 zurückzuführen. Unter Hitze und Dürre hätten primär die Forst- sowie die Landwirtschaft gelitten. Aber auch in Industrie und Gewerbe fielen Kosten an, da die Produktivität der Beschäftigten hitzebedingt gesunken sei. Zusätzlich kam es zu Schäden bei Straßen, Brücken und Schienenwegen.

Kommentar: Die Welt hat sich dieses Themas angenommen und die von der Regierung in Auftrag gegebene Studie zerlegt (Link). So wird argumentiert, dass sich ein Anstieg der Wetterschäden aufgrund des Klimawandels nicht feststellen ließe. Auch die Daten der Europäischen Umweltbehörde EEA würden keine Zunahme der Unwetter-Schäden in den letzten 30 Jahren belegen. Dabei wird darauf hingewiesen, dass sich die Wirtschaftsleistung und damit die Sachwerte in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt hätten (ergo sinkender Prozentsatz). Laut EEA stellten sich in Deutschland die ökonomischen Kosten für Unwetter seit 1980 auf weniger als ein Tausendstel der Wirtschaftsleistung. War das eine Gefälligkeitsstudie?

Die EZB, Italien und das neue Kriseninstrument

Die EZB plant ein neues Instrument gegen fragmentierte Kapitalmärkte. Davon würden schwächere Länder der Eurozone profitieren. Italien gilt als potenzieller Kandidat, da die Regierung Draghis zerbrechen könnte. Wie das Instrument ausgestaltet wird, ist noch nicht festgelegt. Staatsanleihekäufe würden jedoch dazu gehören. Experten verweisen darauf, dass die EZB in rechtlich gefährliches Fahrwasser käme, denn in einer politischen Krise ein Land mit Staatsanleihekäufen zu unterstützen, würde den Vorwurf einer verdeckten Staatsfinanzierung ermöglichen. Bundesbank-Präsident Nagel wies darauf hin, dass es schwierig sei, festzustellen, ob eine Ausweitung der Risikoaufschläge ungerechtfertigt sei oder nicht.

Die EZB muss bei ihren Planungen wegen der Stabilitätspräferenz Deutschlands unsere Interessen im Fokus haben: Gegner der Anleihen-Kaufprogramme waren bis vor das Bundesverfassungsgericht gezogen. Als Konsequenz wird das neue Instrument voraussichtlich an Bedingungen geknüpft werden.

Ein Weg sieht wie folgt aus: Voraussetzung für den Einsatz könnte sein, dass die von der EZB gestützten Länder die ökonomischen Empfehlungen der EU-Kommission und die Bedingungen des europäischen Corona-Wiederaufbaufonds einhalten. Zudem könnte gefordert werden, dass die EZB, die EU-Kommission oder der europäische Rettungsfonds ESM dem betreffenden Land die Schuldentragfähigkeit attestiert.

Fazit: Das Instrument wird kommen. Es wird so kalibriert, dass sich keine Rechtsfragen aufdrängen und es wird am Ende in einem realen Krisenfall faktisch verdeckte Staatsfinanzierung sein.

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Eurozone: Italiens Handelsbilanz recht wacker

Italien: Die Handelsbilanz setzte per Berichtsmonat Mai mit einem Defizit in Höhe von lediglich 0,012 Mrd. EUR nach zuvor -3,639 Mrd. EUR einen vergleichsweise positiven Akzent.

USA: NAHB-Index taucht ab

Der NAHB Housing Market Index brach per Berichtsmonat Juli unerwartet von zuvor 67 auf 55 Zähler ein. Die Prognose lag bei 65 Punkten. Damit wurde der schwächste Wert seit Mai 2020 markiert.

© Reuters/Refinitiv

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem EUR favorisiert. Ein Überschreiten des Widerstandsniveaus bei 1.0450 – 1.0480 neutralisiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!