Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,0576 (06:03 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,0496 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 130,24. In der Folge notiert EUR-JPY bei 137,73. EUR-CHF oszilliert bei 1,0487.

Die Finanzmärkte stehen weiter unter erkennbarem Druck. Die Liquiditätspräferenz zeigt sich mittlerweile selbst bei Rohstoffen, die gestern unter markanten Verkäufen litten. Globale Vermögens- und Wohlstandsverluste prägen das Bild. Da ist es nicht erstaunlich, dass Präsident Biden wegen der Verarmung in den USA ankündigte, dass ärmere Haushalte kostenlosen Internetzugang erhalten sollen (Vereinbarung mit 20 Providern).

Deutschland: Thema Inflation

Bundesfinanzminister Lindner warnt vor einer sich verstärkenden Inflation durch deutlich steigende Löhne und Gehälter (Preis/Lohnspirale). In der Tat steht dieses Risiko im Raum.

Ziel der Arbeitnehmer ist es verständlicherweise, die Kaufkraft und den erreichten Wohlstand stabil zu halten. Das ist laut Eid auch die Aufgabe der deutschen Bundesregierung (Schaden abzuwenden). Lindner argumentierte, der Staat müsse den gefühlten Inflationsdruck (nein, den realen!) beim Netto-Einkommen abmildern. Das beabsichtige man mit den Entlastungspaketen. Sorry, dann wird für ein Jahr der Kaufkraftverlust gemildert, um dann wieder aufzuleben. Lindner impliziert mit dieser Argumentation, dass Arbeitnehmer den Preis der aktuellen Außenpolitik (Ursache der jüngsten Preisanstiege) durch Wohlstandsverluste langfristig bezahlen sollen.

UK: Neue Brexit-Aggression:

Im Streit um Zollregelungen für Nordirland will die britische Außenministerin Truss laut Times große Teile des Nordirland-Protokolls streichen. Truss sei der Meinung, dass die Gespräche mit der EU in eine Sackgasse geraten seien und dass Sefcovic, der Vizepräsident der EC, nicht das Mandat habe, eine akzeptable Einigung (für wen?) zu erzielen. Das Ministerium habe einen Gesetzesentwurf ausgearbeitet, der einseitig alle Kontrollen für Waren aus Großbritannien aufheben würde. Nun, unsere Freunde in London, die sich angeblich für die regelbasierte Ordnung des Wertewestens einsetzen, negieren mit diesem Affront diese Ordnung (zuvor z.B. Irakkrieg). Sie wollen vertragsbrüchig werden. Untergräbt das Vertrauen in das UK?

Treffen Scholz/Macron: Neue Ideen für Europa

Frankreichs Präsident Macron hat eine neue politische Gemeinschaft in Europa vorgeschlagen, der auch die Ukraine, das UK oder Westbalkan-Staaten angehören sollen. Kern soll die EU sein. Macron sagte, damit könne man Länder zusammenführen, die keinen EU-Beitritt schafften oder ihn nicht wollten. Zunächst fiel die Resonanz seitens Kanzler Scholz reserviert aus. Er bezeichnete die Idee als sehr interessant.

Kommentar: Diese Länder dürften auf keinen Fall ein aktives politisches Mitspracherecht haben (Analogie privilegierte Partnerschaft), sondern lediglich eine Teilnahmerecht in dem von den EU-Mitgliedsländern politisch bestimmten Rahmen, da sie die Anforderungen nicht erfüllen.

Der Vorstoß aus Paris ist interessant, da es insbesondere in Frankreich Zweifel an einer immer weitergehenden Erweiterung der EU gibt. Diese Zweifel sind nicht nur in Frankreich ausgeprägt, denn der bisherige Erweiterungsprozess hat Eintrittskriterien wie verfügbare Dispositionsmasse behandelt (von wegen regelbasiert!). Nur einer von zwölf Beitrittskandidaten hatte die Bedingungen voll erfüllt. Das fällt uns jetzt auf die Füße (u.a. Thema Rechtsstaatlichkeit).

Kommentar: Das Thema lautet: Lernen aus Fehlern der Vergangenheit! Für die Zukunft muss gelten, dass Aspiranten alle Bedingungen voll erfüllen. Jede andere Politik wäre ein Affront gegen die Interessen der Bevölkerung der EU. Sie würde das Projekt EU untergraben helfen!

Macron setzt sich innerhalb der EU für eine engere Zusammenarbeit ein und schlug Vertragsänderungen und Mehrheitsentscheidungen auch in der Fiskal- und Verteidigungspolitik vor.

Kommentar: Das ist grundsätzlich zielführend. Die EU muss handlungsfähiger werden. Die Heterogenität der Interessen ist erkennbar zu ausgeprägt (Dissens Ost-West-Süd). Eine Demokratisierung der Prozesse ist dafür aber auch notwendig!

Kanzler Scholz sagte, Deutschland würde dabei nicht auf der Bremse stehen. Allerdings ließe sich eine effizientere EU auch unterhalb der Ebene von Änderungen der EU-Verträge erreichen. Dazu gehörte auch die Abschaffung der Einstimmigkeit in vielen Politikbereichen. Kanzler Scholz hatte sich gegen entsprechende französischen Forderungen gewandt, weil Vertragsänderungen in der EU oft Jahre bis zur Umsetzung brauchen. Der Prozess erforderte nicht nur die Zustimmung der 27 EU-Staaten, sondern in vielen Ländern auch noch eine Ratifizierung durch die Parlamente. Viele EU-Staaten sprachen sich gestern bereits offen dagegen aus.

Kommentar: Die EU wird international auf die leichte Schulter genommen. Damit ist eine angemessene Interessenvertretung der Bürger der EU nicht gegeben. Es geht um klare Zieldefinition und pragmatische zeitnahe Lösungen.

Beide Politiker bekannten sich zu einer intensiveren deutsch-französischen Zusammenarbeit. Im Juli soll ein deutsch-französischer Ministerrat stattfinden. Macron zählte dazu die China-, Verteidigungs- und Forschungspolitik.

Kommentar: Ohne die Achse Paris-Berlin geht nichts. Kooperation und aktive Interessenvertretung ist unverzichtbar. Dabei sollte der kritische Blick nicht nur in den Osten gehen, sondern auch Richtung London (aktuell Brexit-Aggression) als auch Washington (North Stream II Sanktionen bar jeder rechtlichen Grundlage, Eingriff in deutsche Souveränität).

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Eurozone: Schwacher Sentix – Handelsbilanzen spiegeln Importpreisdruck

Der von Sentix ermittelte Index (Finanzmarktteilnehmerbefragung) sank per Berichtsmonat Mai von zuvor -18 auf -22,6 Punkte (Prognose -20,8) und markierte den tiefsten Stand seit Juni 2020. In dem Zeitfenster Juni 2020 – Mai 2022 lag der Höchstwert bei +29.

In Frankreich nahm das Handelsbilanzdefizit per März von zuvor 10,36 Mrd. EUR auf 12,37 Mrd. EUR zu. Die Prognose lag bei -11,0 Mrd. EUR. Erhöhte Importpreise spielen dabei eine Rolle.

In den Niederlanden legten die Verbraucherpreise per April im Jahresvergleich um 9,6 % nach zuvor 9,7 % zu. Im Monatsvergleich kam es zu einem Anstieg um 0,3 % nach zuvor 3,6 %. Die Produktion des Verarbeitenden Gewerbes fiel im Monatsvergleich um 0,2 % nach zuvor -0,2 %.

USA: Daten nominal unkritisch

Der Index der Beschäftigungstrends (Employment Trends) sank per Berichtsmonat April von zuvor 120,78 (revidiert von 120,56) auf 120,18 Zähler. Das Niveau ist historisch betrachtet hoch. Erste zarte Fissuren mögen erkennbar sein (Arbeitsmarktdaten sind nachlaufende Indikatoren).

Im Sektor des Großhandels nahmen per März die Lagerbestände im Monatsvergleich um 2,3 % zu (vorläufiger Wert 2,3 %, Vormonat 2,5 %). Der Absatz stieg um 1,7 % nach zuvor 1,5 %.

Großbritannien: Einzelhandel unter Druck

Laut BRC sank der Umsatz des Einzelhandels per Berichtsmonat April im Jahresvergleich um 1,7 % nach zuvor -0,4 %.

Japan: Einzelhandel besser als erwartet

Die Ausgaben der privaten Haushalte gingen per Berichtsmonat März im Jahresvergleich um 2,3 % (Prognose -2,8 %) nach zuvor +1,1 % zurück. Im Monatsvergleich kam es zu einem Anstieg um 4,1 % (Prognose 2,6 %) nach zuvor -2,8 %.

Malaysia: Asiatische Länder größtenteils resilient

Die Industrieproduktion nahm per März im Jahresvergleich um 5,1 % (Prognose 4,8 %) nach zuvor 4,0 % zu.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem EUR favorisiert. Ein Überschreiten des Widerstandsniveaus bei 1.0950 – 1.0980 neutralisiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!