Die Krise in Europa geht weiter. Scheitert der Euro? Gibt es eine starke Inflation? Geld war noch nie so billig wie heute. Es ist nicht verwunderlich, dass wir Deutschen deshalb den eigenen 4 Wänden sehr zugeneigt sind. Aber ist das Eigenheim wirklich die beste Geldanlage?

Die Anschaffung einer eigenen Immobilie ist wie die Ehe eine der langfristigsten und nachhaltigsten Lebensentscheidungen. Sollte sich einmal beides als falsch herausstellen, kann man diese Entscheidungen nicht mehr rückgängig machen und muss mit den Konsequenzen leben. Eine Immobilie kann somit Glück bedeuten oder es bedrohen.

Was wollen Sie wirklich?

Ja, Eigentum kann als ein Teil der Altersversorgung verstanden werden. Und ja, Sie können sich mit dem Eigentum verwirklichen, Ihren Lebenstraum erfüllen und eine gewisse Unabhängigkeit genießen.
Aber: auch wenn Ihre Freunde, Verwandte, Ihre Hausbank und die ganze Welt behaupten, Immobilieneigentum wäre todsicher und Sie wären schlecht beraten, sich jetzt nichts anzuschaffen – alle Argumente nützen Ihnen nichts, wenn Sie insgeheim keine Lust haben, die Verantwortung, die mit dem Eigentum untrennbar einhergeht, wahrzunehmen.

Wer Gartenarbeit nicht mag, Wege regelmäßig von Schmutz und Schnee beräumen als Belastung empfindet, handwerklich völlig unbegabt ist und bisher bei jeder Kleinigkeit den Vermieter angerufen hat, sollte sich kein Haus mit Garten kaufen oder den Hausmeisterdienst gleich mit einplanen. Wer finanziell spontan bleiben und weiterhin teure Hobbys pflegen, seinen Partner regelmäßig zum Essen einladen oder mit ihm zusammen jedes Jahr Urlaub im Ausland machen möchte, sollte sich nicht 30 Jahre an verpflichtende Kredittilgungen binden.

Jede Geldanlage wird nach drei Kriterien beurteilt. Liquidität (Wie schnell komme ich an mein Geld), Sicherheit (Bekomme ich mein eingesetztes Kapital garantiert zurück?) und Rendite (Um wie viel Prozent wächst mein eingesetztes Geld pro Jahr?).

Rechnung

Stellen Sie sich vor, Sie verfügen über 300 TEUR. Stecken Sie das Geld nicht in ein Haus, sondern könnten es 30 Jahre lang für 3% anlegen, erhalten Sie nach Steuerabzug 6.626,- EUR Zinsen pro Jahr bzw. 552 EUR pro Monat. Wenn die Kaltmiete für Ihre jetzige Wohnung unter 552 EUR liegt, machen Sie mit einem Haus/einer Wohnung Verlust, liegt sie höher, dann Gewinn. Vorausgesetzt, die Zinsen für die Geldanlage steigen während der 30 Jahre nicht.

Aber!

In den meisten Fällen jedoch wird der Hausbau/-kauf finanziert. Dann geht die Rechnung schnell nach hinten los, denn jetzt müssen Sie die Kreditzinsen für den Vergleich heranziehen. Bei einer Laufzeit von 20 Jahren, einem Kreditzins von 2,6% und einer Tilgung von 2% p.a. zahlen Sie eine monatliche Rate von 1.150 EUR (davon durchschnittlich 495 EUR Zinsen). Nach 20 Jahren haben Sie 276 TEUR ausgegeben und noch 143 TEUR Schulden. Ihr Haus hat bis dahin schon 419 TEUR gekostet und bedarf damit einer jährlichen Wertsteigerung von mind. 1,68%, damit Sie nach 20 Jahren eine Null schreiben. Die Kauf-Nebenkosten für den Makler, Grundbuch, Notar und die Grunderwerbsteuer, die hier schnell mehr als 30 TEUR betragen können, sind in diese Rechnung noch gar nicht enthalten. Beziehe ich sie mit ein, muss die Immobilie in den nächsten 20 Jahren schon über 2% pro Jahr an Wert gewinnen, bevor sich die Investition für Sie gelohnt hat. Sie haben da jedoch noch keinen Cent Rendite erzielt.

Auch die Kosten, die bisher Ihr Vermieter tragen musste, wie die jährliche Grundsteuer, Wartung der Heizung, Instandhaltungskosten und die Gebäudeversicherung für das Haus belasten nun Ihr Haushaltskonto und zusätzlich die obige Rechnung erheblich.

4% soll in den letzten 30 Jahren angeblich der durchschnittliche Wertzuwachs einer Immobilie in Deutschland gewesen sein. Wie bei allen Statistiken, kann dieser Wert nicht verallgemeinert werden. Er hängt stark von der Attraktivität der Lage (vor allem von der Attraktivität der Lage in 30 Jahren) und dem Zustand der Immobilie ab. Hier tauchen Immobilien in München genauso auf wie Immobilien in Vorpommern. Ob Ihre Immobilie in 30 Jahren auch dazugehören wird, ist reine Spekulation.

Ist das Eigenheim also eine Geldanlage? Nein!

Wohneigentum ist Luxus

Verstehen Sie mich nicht falsch. Wohneigentum ist ein Traum vieler Menschen. Es bedeutet für Viele Freiheit und Selbstverwirklichung. Letztendlich ist es jedoch wie ein Cabrio, eine Weltreise oder ein neues Smartphone – ein Luxus.

Der bei einer Baufinanzierung zu zahlende Tilgungsanteil bedeutet für Sie zusätzlichen Konsumverzicht, wenn Sie nicht schon in den Jahren zuvor diese Gelder nachhaltig ansparen konnten.

Wie ein Ehepartner später bereuen kann, die eigene Karriere zugunsten des anderen geopfert zu haben, so kann es auch sein, dass Sie in 15 Jahren bereuen, die letzten 15 Jahre wegen der Kreditraten keinen Urlaub gemacht zu haben. Sein Sie realistisch und ehrlich zu sich selbst. Auf was können Sie verzichten, um Ihren Traum vom Wohneigentum zu verwirklichen?

Haben Sie alle Vor- und Nachteile sorgfältig gegeneinander abgewogen und fühlt sich der Gedanke an ein Haus wie Verliebtsein an, dann sollten Sie Ihren Traum von den „eigenen 4 Wänden“ in Angriff nehmen. Wenn nicht, lassen Sie es. Egal was andere sagen.

Wichtiger Hinweis

Investieren Sie bei der Umsetzung Ihres Vorhabens Zeit. Informieren Sie sich im Internet und fragen Sie gute Freunde oder Verwandte, die solch ein Projekt schon bewältigt haben. Sein Sie kritisch und skeptisch, wenn Ihnen ein Berater in kurzer Zeit ein Finanzierungsangebot auf den Tisch legt, ohne mit Ihnen im Detail alle Möglichkeiten, Vor- und Nachteile besprochen und diverse Szenarien durchgerechnet und gegenübergestellt hat.

Mit einer Privaten Finanzplanung können Sie dies alles bewerkstelligen. Sie kostet zwar Geld. Doch dieses Geld ist gut investiert.

Übrigens

Die Statistik von 2004 besagt, dass in Deutschland die Ehe durchschnittlich 26,8 Jahre hält. Beim obigen Rechenbeispiel beträgt die Kreditlaufzeit (ein unveränderter Zins von 2,6% unterstellt) 32 Jahre bis zur vollständigen Tilgung.

Darum prüfe, wer sich ewig bindet!

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