„Es könnte sehr bald sein oder überhaupt nicht so bald.“

Die Drohungen westlicher Regierungen, bezüglich eines angekündigten Militärschlages gegen Syrien -und damit indirekt gegen Russland- gerät zu einem Possenspiel, welches Rückschlüsse auf den Zustand der politischen Kultur in Europa und den USA, sowie das Niveau, auf welches die internationalen Beziehungen inzwischen abgesunken sind, erlaubt.

Wirre und widersprüchliche Verlautbarungen in den westlichen Hauptstädten

Während der französische Präsident Macron in Paris behauptete, Frankreich habe Beweise für den Einsatz von Chemiewaffen seitens der syrischen Regierung, die er allerdings ebenso wenig zu präsentieren in der Lage war, wie die britische Premierministerin eine Verwicklung Russlands in den Fall Skripal, sagte US-Verteidigungsminister James Mattis, endgültige Beweise für den Chemiewaffeneinsatz der syrischen Regierung würden noch gesucht.

Während Donald Trump per Twitter von „neuen, smarten“ Waffen schwadronierte, die angeblich bald zum Einsatz kommen würden, ließ Sarah Sanders, die Sprecherin des Präsidenten verlautbaren: “Wir werten weiter Geheimdiensterkenntnisse aus und sind in engen Abstimmungen mit unseren Partnern und Alliierten.

Trumps Schlafzimmer-Twitter-Diplomatie

Wem das alles noch nicht seltsam genug vorkommt, seien die Tweets von Trump zu empfehlen, die er nach eigenen Angaben gelegentlich früh morgens, noch im Bett liegend twittert. „Es könnte sehr bald sein oder überhaupt nicht so bald.“, lautet einer der kryptische Texte, bezüglich der angedrohten Militärschläge gegen Syrien.

Arkadi Dworkowitsch, der russische Vizeministerpräsident, entgegnete dem US-Präsidenten deshalb: “ Internationale Beziehungen sollten nicht von der Stimmung einer Einzelperson abhängen, wenn diese in der Früh aufstehe.

Westliche Regierungen stecken zu tief drinnen, in dem selbst erstellten Sumpf

Problematisch erscheint, dass die Regierungen in Washington, London und Paris inzwischen zu weit vorgeprescht sind, was die Drohungen und Anschuldigungen gegen Syrien angehen, weshalb ein Einlenken auf der internationalen Ebene, vor allem bei den eigenen Wählern, einen beträchtlichen Glaubwürdigkeitsverlust beinhalten würden.

Sowohl die Präsidenten der USA und Frankreichs, wie auch die britische Premierministerin, stehen vor ungelösten innenpolitischen Herausforderungen, die den Wunsch nach außenpolitischen Abenteuern zur Ablenkung attraktiv erscheinen lassen.

Offenbar kann es dem französischen Präsidenten daher gar nicht schnell genug gehen, das letzte säkulare Regime in der arabischen Welt zu beseitigen und Syrien der Salafisierung, im Sinne seines Geschäftspartners, des saudischen Kronprinzen Bin Salman, auszusetzen.

Das Ziel der Eskalation ist Russland, nicht Syrien

Wie weit sich die US-Nahost-Politik inzwischen von den Wahlversprechen Trumps entfernt hat, falls er diese jemals ernst gemeint hat, lässt sich an diesen Aussagen ablesen, die Präsident im Oktober 2016 in einem Interview mit Reuters tätigte:

Der Syrienkonflikt wird in einem Dritten Weltkrieg enden, wenn wir auf Hillary Clinton hören. Wir müssen uns auf die Bekämpfung des IS fokussieren und nicht gegen Baschar Al-Assad vorgehen. Sonst kämpfen wir am Ende nicht mehr nur gegen Syrien, sondern auch gegen den Iran und Russland!“ so Donald Trump vor 18 Monaten.

Unterdessen wird immer deutlicher, dass nicht Syrien, sondern Russland das Ziel der Eskalation ist. Informierte Kreise im Westen stellen inzwischen die These auf, dass es darum geht, den Wahrheitsgehalt russischer Propaganda zu testen, bezüglich jener innovativer Waffensysteme, deren Existenz Wladimir Putin am 1. März der Weltöffentlichkeit bekannt gab.

Syrien wäre gemäß dieser Einschätzungen nur ein Spielball, eine Kulisse, ja ein Kollateralschaden, wie man in Militärkreisen das Töten von Zivilpersonen nennt.