Im Sommer 2006 wurde im Südlibanon ein Stellvertreterkrieg geführt, vordergründig zwischen der Hisbollah und den Streitkräften Israels,  Zahal genannt. In Wirklichkeit handelte es sich bei diesen Gefechten um eine Probe bezüglich eines Zusammenpralls der USA mit der Islamischen Republik Iran, dem engen Alliierten der „schiitischen Partei Gottes“. Das Resultat war weder für Tel Aviv noch für Washington ermutigend, im Gegenteil.

Asymetrische Kriegsführung Israels fehlgeschlagen

Das strategische Ziel dieses Krieges, so wurde es in Israel formuliert, war die totale Vernichtung der Hisbollah. Tatsächlich fand damals im Südlibanon eine nahezu sensationelle strategische Wende statt, deren Auswirkungen bis heute -rund 11 Jahre später –spürbar sind.

Israel fühlte sich durch die militärische Präsenz und die militärischen Aktivitäten der Hisbollah an seiner Nordgrenze ohne Zweifel existenziell bedroht und beschloss damals die „Partei Gottes“ physisch auszulöschen. Mit Hilfe ihrer Luftwaffe, welche mit amerikanischen Präzisionswaffen bestückt war, sollte jenseits der Nordgrenze gründlich aufgeräumt werden, um die potentielle Bedrohung, die wie ein Albtraum das strategische Denken der Militärs belastete, zu beenden.

Die darauf einsetzenden Bombardierungen, welche in keinem Verhältnis zu dem Grund des Ausbruchs der Kampfhandlungen standen, nämlich der Entführung zweier israelischer Soldaten und für die vom damaligen US-Präsidenten Bush grünes Licht gegeben worden war, führten zu schrecklichen Verlusten unter der libanesischen Zivilbevölkerung und zu verheerenden Zerstörungen an der Infrastruktur. Die erhofften militärischen Erfolge für die Israelis blieben aber aus.

Hisbollah unerwartet stark, Mossad versagt kläglich

De Hisbollah war auf diese Form der Kriegsführung, welche allgemein als asymmetrische Kriegsführung bezeichnet wird, bestens vorbereitet und entfaltete eine kämpferische Schlagkraft und strategische Begabung, welche die Israelis überraschte.

Die Truppen Zahals erlitten erhebliche Verluste, der Vorstoß nach Norden mit Panzer und Infanterie kam ins Stocken. Ferner gelang es den schiitischen Kämpfern ihre dramatisch gestiegene ballistische Potenz durch einen Regen von Katjuscha-Raketen auf  Nordisrael zum Ausdruck zu bringen, deren psychologische Folgen für die dortige Bevölkerung weit aus schlimmer waren, als die begrenzte militärische Wirkung und der relativ geringe Schaden an Menschen und Material. 

Der berühmte israelische Geheimdienst Mossad hatte hier kläglich versagt und die militärische Stärke des Gegners sträflich unterschätzt. Die Kriegsführung Israels im Südlibanon war nicht nur ein Fehlschlag, sondern ein Fiasko, wie es die militärische Führung Jerusalems interpretierte.

Schlag gegen Atomanlagen im Iran nach Niederlage verworfen

Dieses Versagen, einer der strategisch stärksten Armeen der Welt, wurde später mit der blinden Übernahme US-amerikanischer Kampfmethoden begründet, die schon seit dem Beginn des so genannten „War on Terrors“ in Afghanistan und im Irak zum Scheitern verurteil waren.

Zuvor hatten die so genannten Falken im neokonservativen Milieu Washingtons auf einen vernichtenden Schlag gegen die Atomanlagen im Iran gedrängt, was nach dem Ausgang des Krieges im israelisch-libanesischen Grenzgebiet verworfen wurde. Wieder einmal wurde bewiesen, dass mit Luftschlägen alleine kein Krieg gewonnen werden kann.

Schiismus wurde durch das Eingreifen der USA beschleunigt

Heute ist die Hisbollah stärker denn je, bekämpft an der Seite der syrischen Regierungstruppen und iranischen und russischen Verbündeten erfolgreich die radikal -sunnitischen Blutsäufer des IS und andere dschihadistische Gruppierungen, welche vom Westen und seinen Verbündeten lange Zeit unterstützt und aufgerüstet wurden.

Vom Südlibanon, an den Gestaden des östlichen Mittelmeeres, in unmittelbarer Nachbarschaft des EU-Mitgliedsstaates Zypern, über den Irak, den Iran, bis zu den schiitischen Enklaven Afghanistans, ist ein schiitischer Gürtel entstanden.

Dieser Aufstieg der Schia, historisch übrigens völlig berechtigt, wurde durch das militärische Eingreifen der USA in den vergangenen Jahren- sowohl in Afghanistan als auch im Irak- beschleunigt.
Mit der Beseitigung des säkular-nationalistischen Regimes des Saddam Hussein in Bagdad, sowie der Terrorherrschaft der sunnitischen Steinzeitislamisten der Taliban in Afghanistan, wurden die größten Feinde  der Islamischen Republik Iran aus dem Weg geschafft, während die geistigen Verursacher von 9/11, das wahhabitische Königshaus von Saudi-Arabien, wie ein Schoßhündchen gemästet wurde und wird.

Hisbollah sammelt die Stimmen libanesischer Wähler

Seit Ende Juli bestreitet die Hisbollah eine erfolgreiche Operation gegen den »Islamischen Staat« (IS) im Grenzgebiet zwischen dem Libanon und Syrien. Mehrere Ortschaften am Rande der Grenzstadt Arsal im Libanon wurden durch die schiitischen Truppen unter ihre Kontrolle gebracht, erklärte ein Sprecher. Gleichzeitig wurde der Kampf gegen die IS-Banden verstärkt, welche sich in den Höhenzügen im Nordosten des Libanons verschanzt hielten. Auch die libanesischen Wähler, wahrlich nicht nur die Schiiten in dem fragilen multireligiösen Staat, haben die Hisbollah per Stimmzettel in den letzten Jahren gestärkt und zu einer der wichtigsten Parteien dort anwachsen lassen.

In Israel scheint man sich keine Illusionen mehr darüber zu machen, dass die Macht der Hisbollah bald schwinden wird. Zunehmend setzt man darauf, dass die Führung dieser Bewegung, nach den verlustreichen Kämpfen in Syrien, keinen Zweifronten-Krieg an der Südgrenze beginnen wird.

Ein Machtfaktor , den man nicht so einfach beseitigen kann…

Seit dem Krieg mit Israel von 2006 verhält sich die Miliz weitgehend ruhig, an der Grenze gab es keine größeren Zwischenfälle. Das ist vor allem deshalb beachtlich, da Israel den Krieg längst eröffnet hat. Mehrfach griff Israels Luftwaffe in jüngster Vergangenheit Angriffe gegen Lager der Hisbollah in Syrien. Dabei sollen auch hohe Befehlshaber getötet worden sein.

In Israel hat man jetzt mit dem Bau einer mehr als sieben Meter hohen Mauer begonnen, direkt an der Grenze zum Libanon. Diese Mauer soll bisher nicht den ganzen Grenzverlauf bedecken, sondern nur einigen gefährdete Ortschaften  Schutz bieten vor direkten Angriffen aus dem Norden, ließ die israelische Regierung verkünden.

Kritische Stimmen in der israelischen Presse gingen daraufhin davon aus, dass man in Jerusalem die Hisbollah als Machtfaktor anerkennt, den man nicht so einfach militärisch beseitigen kann.