Wer sich die neuesten Daten zur „Krisenbewältigung“ nach der großen Rezession einmal von vorne bis hinten durchliest, wird erkennen, in welchem Ausmaß Finanzmärkte und Banken die Gesellschaft geschädigt haben. Doch geändert hat sich bis heute kaum etwas bis gar nichts. Weiterhin üben Zocker, Casinoakteure und deren Lobbys übergroßen Einfluss auf die Politik aus, und sind mit Unterstützung der Notenbanken dabei, die Gesellschaft abermals auf den Rand der Klippe zusteuern zu lassen.

Laut einer neuen Studie der Fed of Dallas hat die große Rezession zwischen Dezember 2007 und Juni 2009 jeden amerikanischen Privathaushalt zwischen $50.000 und $120.000 gekostet. Umgerechnet entspricht dies in etwa 45% bis 90% eines jährlichen Wirtschaftsausstoßes des Landes. Und dies entspricht wiederum einem Produktionsverlust von zwischen 6 und 14 Billionen US-Dollar.

Diese verheerenden Studienergebnisse leiten sich aus einer Kombination von erlittenen Wohlstandsverlusten (zum Beispiel in Form sinkender Häuserpreise) sowie einem deutlichen Rückgang sowohl der aktuell bezahlten Löhne und Gehälter als auch einem Rückgang des zukünftigen Einkommenswachstums ab. Natürlich basieren diese Einkommensverluste auch nach 4 Jahren einer rein artifiziellen Erholung hauptsächlich auf einer exorbitant hohen Arbeitslosigkeit, die auf die allgemeinen Arbeitskosten drückt.

Wie aus dem Bericht der Fed of Dallas weiter hervorgeht, gäbe es zudem eine ganze Reihe von Aspekten, die in ihrem vollen Ausmaß nur sehr schwer abzuschätzen seien. Diese Aspekte leiteten sich in erster Linie aus einer weitaus längeren Arbeitslosendauer, mangelnden Jobangeboten und –aussichten sowie den sich intensivierenden Interventionen der Regierung in die Wirtschaft des Landes ab.

Sollte sich der jährliche Wirtschaftsausstoß der Vereinigten Staaten in Zukunft nicht mehr an sein historisches Trendwachstum heranreichen, würden die aus den Folgen der letzten Rezession geschätzten Gesamtkosten die Schwelle von $14 Billionen noch bei weitem übersteigen. Die Autoren der Studie machten abschließend darauf aufmerksam, dass es bis dato eine ganze Reihe von Studien darüber gäbe, wodurch die große Rezession ausgelöst worden sei. Doch nur wenige dieser Studien hätten sich mit den tatsächlich entstandenen Kosten befasst. 

Nun, liebe Leser, an den Finanzmärkten wird diese Entwicklung durch den ein oder anderen anscheinend unter den Teppich gekehrt. Da heißt es, man solle im Zuge der Bankenkrise von 2008 nicht von einer überbewerteten Krise sprechen. Wahrscheinlich deshalb, weil diese Akteure entstandene Schäden einzig und allein an der Aktienkurve ablesen. Hier sei nochmals gesagt, dass Dax, Dow Jones oder S&P zwar nach mehr als 4 Jahren neue ATHs markieren konnten, inflationsbereinigt jedoch immer noch deutlich unterhalb von neuen ATHs notieren.  Dieser wichtige Unterschied zwischen nominal und real fällt in der allgemeinen Euphorie allzu oft unter den Tisch.

Es handelt sich nun einmal um die durch Regierungen „herausgekauften“ Spieler an den Finanzmärkten, die die Gesellschaft in ihrem Zockerwahn irgendwann erneut an den Rand der Klippe steuern werden. Und während diese Akteure abermals auf ihren Bailout spekulieren werden, wird es mit der Realwirtschaft ein weiteres Stück bergab gehen. Keineswegs ist sicher, ob die zu diesem Zeitpunkt entstehenden Produktions- und Wohlstandsverluste unter den breiten Bevölkerungen – abgesehen von den schon heute gemessenen Schäden – jemals wieder ausgeglichen werden können.

Und so muss man sich nicht darüber wundern, dass das Einkommensgefälle in den USA schon heute jeder Beschreibung spottet. So kommt die US-Steuerbehörde IRS in einer jüngsten Analyse zu dem Schluss, dass das reichste 1% der Gesellschaft im letzten Jahr 19% aller Einkommen der US-Privathaushalte auf sich vereinte. Die Top-10 rissen sich demnach 48,5% unter den Nagel. Ich bin auf diese Entwicklung schon in einigen Berichten zuvor eingegangenen. Die daraus entstehende Einkommenslücke in Relation zum Rest der Gesellschaft ist übrigens die höchste seit dem Jahr 1928 – dem Jahr vor dem großen Aktiencrash, der die große Depression einläutete.